Verführt. In Deutschland wurden vergangenes Jahr 321 000 Tonnen gefüllte und 251 000 Tonnen pure Schokolade verkauft. Fotolia
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Von Discounterware bis Edelkakao Sind Schokoladenpreise gerechtfertigt?

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Der Preis der Sünde: Schokolade gehört zur Vorweihnachtszeit – gekauft wird sie das ganze Jahr. Der Markt ist groß, die Preisunterschiede auch. Aber sind sie wirklich gerechtfertigt?

Von wegen, der Weihnachtsmann kommt aus Lappland: 144 Millionen Weihnachtsmänner haben dieses Jahr in Deutschland das Licht der Welt erblickt. So viele Schokoladenweihnachtsmänner wurden 2015 in der Bundesrepublik gegossen. Zwei Drittel davon stehen nun in den Supermarktregalen oder wurden bereits vernascht, der Rest geht auf dem Exportweg hinaus in die Welt. Schokoladengenuss gehört zur Vorweihnachtszeit: Ob aus Adventskalender oder Nikolausstiefel, selten wird so viel Schokolade konsumiert wie in den Dezemberwochen.

Begehrt ist die süße Kalorienbombe gleichwohl zu jeder Jahreszeit. Rund zehn Kilogramm isst der Deutsche durchschnittlich pro Kopf im Jahr. So einig, wie sich die Bundesbürger dabei in ihrer Wertschätzung von Schokolade sind, so vielfältig ist andererseits das Angebot – und so breit sind die Preisunterschiede. Die 100-Gramm-Tafel Vollmilch gibt es beim Discounter von der Eigenmarke schon für 39 Cent, vom Bremer Hersteller Hachez kostet die gleiche Menge mit 1,98 Euro gut das Fünffache. Wer sich im Feinkosthandel umsieht, kann für Marken wie Valrhona aus dem Rhonetal, Côte d’Or aus Belgien oder Bonnat aus Frankreich noch wesentlich mehr bezahlen (Manufactum, 4,40 Euro pro Tafel).

Schokolade wird teurer

Fakt ist: Schokolade ist in diesem Jahr teurer geworden. 14,1 Prozent mehr mussten Verbraucher Mitte 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat dafür ausgeben. „Punktuell wurden Preiserhöhungen durchgesetzt“, bestätigt eine Sprecherin des Marktführers Lindt – und das sei in erster Linie den Zutaten geschuldet. Als Faustregel gilt: Je mehr Kakao eine Schokolade enthält, desto höher ist der Preis. Liebhaber von Zartbitterschokolade kommt diese Leidenschaft auf lange Sicht also teuer zu stehen. So spricht Lindt für seine Vollmilchschokolade eine Preisempfehlung von 1,89 Euro pro Tafel aus, für einen Anteil von 70 Prozent Kakao werden zehn Cent mehr fällig, für 99 Prozent 2,20 Euro verlangt. Aktuell befindet sich der Rohstoffpreis dazu nahezu auf Rekordhoch.

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Schokolade ist zwangsläufig ein globales Produkt. Dürre und politische Unruhen in Afrika haben der Kakaoproduktion zuletzt merklich zugesetzt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage: China ist auf den Genuss gekommen – schon bald könnte Asien sogar schokoladenbegeisterte Regionen wie Nordamerika überholen, schätzt die internationale Kakaoorganisation ICCO. Für China und Indien prognostiziert sie ein jährliches Wachstum von knapp acht Prozent. Zwar setzt die Industrie nun auch auf Anbau im asiatischen Raum – doch die neue Schokoladenlust kann damit noch bei Weitem nicht gestillt werden. Auch beim Kakao gibt es zudem Qualitätsunterschiede.

Differenziert wird in der Branche zwischen Konsumkakao und Edelkakao. Ähnlich dem Wein spielen dabei Sorten und Anbaugebiete eine Rolle: Edelkakaos werden maximal 20 Grad nördlich oder südlich des Äquators geerntet und vereinen bis zu 400 Aromen. Dafür sind sie im Einkauf mindestens dreimal so teuer wie das Massenprodukt. Nur fünf Prozent aller industriellen Hersteller verwenden Edelkakao – so etwa das Berliner Familienunternehmen Rausch.

Rohstoffpreise "explodieren"

Doch auch andere für die Schokoladenindustrie wichtige Rohstoffe sind in der Vergangenheit teurer geworden – etwa Mandeln und Haselnüsse. Der Preis für die Nüsse sei zuletzt „explodiert“, formuliert es der Chef von Ritter Sport, Andreas Ronken – und habe für sein Unternehmen zu Mehrkosten von bis zu 30 Millionen Euro geführt. Die Preisschwankungen erreichen Konsumenten dabei immer erst mit Verzögerung. Zum einen, weil Schokoladenartikel lange im Voraus gefertigt werden – die Weihnachtsmännerproduktion von Lindt war im September bereits abgeschlossen, erklärt die Sprecherin. Zum anderen, weil die Hersteller in langfristigen Verträgen mit Händlern gebunden sind. Um von den internationalen Börsen weniger abhängig zu sein, hat Ritter Sport einen ungewöhnlichen Schritt getan: Das Unternehmen baut eine eigene Kakaoplantage in Nicaragua. 2017 soll erstmals geerntet werden.

Entwicklung des Kakaopreises pro Tonne.
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Doch nicht nur die Inhaltsstoffe beeinflussen den Preis. „Wenn Schokolade per Hand hergestellt ist, hat man höhere Personalkosten. Die finden sich natürlich im Preis wieder“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Süßwarenindustrie (BDSI). Er zählt knapp 100 Schokolade produzierende Unternehmen in Deutschland. „Die Art und Weise der Herstellung sagt dabei noch nichts über die Qualität der Rohstoffe aus“, betont er – verarbeitet wird oft die gleiche Schokolade: Viele kleine Schokoladenmacher beziehen ihre Blockschokolade genau wie namhafte Konzerne wie Milka beim Verbrauchern weitgehend unbekannten Schweizer Lieferanten Barry Callebaut – dem größten Schokoladenproduzenten der Welt.

Werbung macht den Unterschied

Auf die Verpackung entfallen zudem zehn bis 20 Prozent der Kosten. „Eine aufwendige Pralinenschachtel ist eben kostenintensiver als schlichtes Papier“, erklärt Lindt. „Sie wertet das Geschenk auf.“ Dabei ist schon die für beinahe jede Tafel verwendete Aluminiumfolie kein Schnäppchen: Ihre Produktion ist energieintensiv und deshalb teuer.

Zuletzt sind es die Marketingkosten, die den Unterschied machen. „Ein Produkt, das nicht beworben wird, kann natürlich billiger sein“, sagt Erbrath vom BDSI. Nicht wenige bekannte Hersteller liefern auch Schokolade für Eigenmarken der Händler – häufig sogar mit den gleichen Rezepturen.

Für Markenprodukte ist Werbung aber unerlässlich. In Deutschland nämlich gilt der Markt seit Jahren als gesättigt – zugleich wollen immer mehr Firmen ein Stückchen. So vertreibt seit September auch Eisproduzent Magnum Tafelschokolade. „Das Schokoladenregal hat Abwechslung verdient“, heißt es dort. Mit edel geprägter, aber schnörkelloser gold-schwarzer Papphülle will Magnum ein „jüngeres, hochwertiges Publikum“ ansprechen und hat sich mit einem Tafelpreis von 1,99 Euro knapp unter Lindt positioniert. Drin sind statt 100 aber nur 90 Gramm.

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