Janet Yellen sitzt noch bis Februar 2018 an der Spitze der US-Notenbank Fed. Foto: dpap

US-Notenbank Fed In den USA steigen die Zinsen

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Die amerikanische Notenbank Fed hat die Leitzinsen angehoben. Künftig dürfen sie zwischen 0,75 und 1,0 Prozent liegen. Was das für Anleger bedeutet.

Die amerikanischen Firmen produzieren kräftig, mehr US-Bürger haben eine Job, die Verbraucher sind in Kauflaune. „Der Wirtschaft geht es gut“, sagt Janet Yellen. Glaubt man der Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, gibt es also keinen Grund mehr, weiter an der Krisenpolitik festzuhalten. Yellen hat den USA deshalb höhere Zinsen verordnet. Der US-Leitzins steigt um 0,25 Punkte, verkündete sie am Mittwochabend. Die sogenannte Federal Funds Rate liegt damit künftig zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Eine Wende, die auch Folgen für deutsche Anleger haben wird.

Der Zinsanstieg

Eben weil es der Wirtschaft so gut geht, werden die niedrigen Zinsen in den Vereinigten Staaten zunehmend zum Risiko. Die US-Wirtschaft droht zu überhitzen. Denn können sich Firmen und Privatpersonen besonders günstig Geld leihen, obwohl sie die Kredite gar nicht bräuchten, bilden sich Preisblasen. Etwa am Immobilienmarkt. Übermäßig viele nutzen die Kredite dann, um Wohnungen und Häuser zu kaufen. Weil die Nachfrage steigt, werden die immer teurer – bis die Preisblase platzt, wie es vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war. Um letzteres nicht zu riskieren, erhöht Yellen die Zinsen.

Grafik: Tsp/Schmidtp

Entwickelt sich die US-Wirtschaft weiter so gut wie erwartet, will sie die Zinsen in diesem Jahr noch weitere zwei Mal anheben. Experten hatten im Vorfeld sogar über drei weitere Zinsschritte spekuliert. Wie schnell Yellen nun tatsächlich vorgeht, dürfte ein Stück weit von der Politik des neuen Präsidenten abhängen. Donald Trump hat ein umfangreiches Infrastrukturprogramm angekündigt. Sollte er tatsächlich massiv in Brücken, Straßen und Häfen investieren, würde das die Wirtschaft stärken. Unternehmen könnten in der Folge höhere Preise durchsetzen. Da Yellen die Preissteigerung bei zwei Prozent stabil halten will, könnte sie dann gezwungen sein, die Zinsen noch schneller und drastischer anzuheben.

Die Reaktion der EZB

Steigen in den USA die Zinsen, setzt das die Europäer unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält nämlich weiter an den niedrigen Zinsen fest und pumpt zusätzlich über Anleihekäufe jeden Monat Milliarden in den Markt. Das liegt zum einen daran, dass – anders als die USA – längst noch nicht alle Euro-Länder die Krise hinter sich gelassen haben. Würden die Zinsen steigen, bekämen sie Probleme, neue Schulden aufzunehmen: Es würde wieder über Staatspleiten diskutiert. Zum anderen steigen die Preise hierzulande noch nicht so stark wie in den USA. Zwar lag die Inflation der Euro-Zone im Februar bei zwei Prozent. Doch für die Notenbank ist die Kerninflation entscheidend, bei der die Preise für Lebensmittel und Energie herausgerechnet werden, da die stark schwanken. Gemessen an dieser Kerninflation, gibt es für die EZB noch keinen Grund, aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen.

Zwar sind Europäer den Amerikanern in der Geldpolitik in der Vergangenheit stets gefolgt: Hat die US-Notenbank die Zinsen angehoben, haben die Europäer meist sechs bis neun Monate später nachgezogen. Doch diese Regel könnte überholt sein, die EZB hat sich abgekoppelt. Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, glaubt sogar, dass der Druck eher in die andere Richtung geht. „Die Amerikaner können die Zinsen nicht beliebig erhöhen, solange die EZB die Zinsen hierzulande niedrig hält“, sagt er. Der Grund: Sonst würde der Dollar im Vergleich zum Euro irgendwann so stark steigen, dass es die US-Wirtschaft schwächt. Schließlich macht ein starker Dollar die Produkte „Made in USA“ im Ausland teurer.

Der Dollar-Kurs

Heben die Amerikaner die Zinsen an, während sie in Europa niedrig bleiben, schichten die Anleger um. Sie investieren mehr in den USA statt in Europa. Dafür tauschen sie Euro in Dollar – was den Euro schwächt, den Dollar stärkt. Gibt der Euro-Kurs stark nach, ist das für die Europäer erstmal nicht schlecht. Im Gegenteil. Europäischen Konzernen fällt es dann sehr viel leichter ihre Waren in die USA zu verkaufen. Ein schwacher Euro kann daher für europäische Exportfirmen wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken. Das gilt vor allem für Konsumgüter-, Pharma- oder Industriekonzerne. Firmen wie Bayer, Daimler oder Siemens dürften zu den Gewinnern zählen. Auch Airbus profitiert, weil der Flugzeugbauer im Euro-Raum produziert, seine Flugzeuge aber meist in Dollar verkauft.

Gleichzeitig ist der schwache Euro aber nicht für alle Europäer ein Segen. Firmen, die zu einem hohen Maß auf Importe angewiesen sind, leiden darunter. Zum Beispiel die chemische Industrie, die bei einem steigenden Dollar-Kurs mehr für Rohöl zahlen muss. Denn das wird weltweit in Dollar gehandelt. Auch die Benzinpreise dürften dadurch weiter zulegen.

Die Renditen für US-Anleihen

Steigen in den USA die Zinsen, legen die Renditen für amerikanische Staatsanleihen zu. Denn haben die Anleger wieder mehr Alternativen, muss der Staat ihnen einen höheren Zins bieten, damit sie ihm ihr Geld leihen, also seine Anleihen kaufen. Allein durch die Anhebung der Zinsen im Dezember ist die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen kräftig gestiegen. Lag sie im Sommer noch unter 1,5 Prozent, zahlt der amerikanische Staat inzwischen fast 2,6 Prozent.
Doch so verlockend das klingt: Experten raten europäischen Anlegern dennoch eher von US-Staatsanleihen ab. „Das ist Währungsspekulation“, sagt Vorndran. Der Grund: Wer nun US-Anleihen kauft, setzt darauf, dass der Dollar auch in den nächsten zwei, drei Jahren im Vergleich zum Euro so stark bleibt oder noch stärker wird. Doch das ist längst nicht gesagt. Auch wenn derzeit kurzfristig alles auf einen stärker werdenden Dollar hindeutet: Kaum etwas ist so schwer vorherzusagen, wie die Entwicklung der Währungskurse. „Zumal die Trump-Regierung den starken Dollar sehr kritisch sieht“, sagt Vorndran. Trump sieht den steigenden Dollar als Problem, weil er es für US-Konzerne schwerer macht, ihre Waren im Ausland zu verkaufen.

Die Folgen für Bundesanleihen

Steigen die Renditen für amerikanische Staaatsanleihen, wirkt sich das auch auf die deutschen Bundesanleihen an. Gerade institutionelle Investoren dürften dann eher den USA ihr Geld leihen als Deutschland. Doch wird es für den deutschen Staat schwieriger, Käufer für seine Bundesanleihen zu finden, muss er nachziehen und den Anlegern ebenfalls eine höhere Rendite bieten. Deshalb ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bereits wieder etwas gestiegen: Lagen sie im Sommer noch bei minus 0,1 Prozent – mussten Anleger also auch noch Geld draufzahlen, um dem Staat Geld zu leihen – ist die Rendite inzwischen auf über 0,4 Prozent gestiegen. Berücksichtigt man die Inflation, machen Anleger damit zwar noch ein Minusgeschäft. Aber die Verluste werden immerhin kleiner.

Die Reaktion der Börse

Die Kurse an den US-Börsen legten am Mittwoch kurz der Zinsanhebung zu. Analysten führten dass darauf zurück, dass Yellen für dieses Jahr „nur“ zwei statt drei weitere Zinsschritte für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat. Wie die Aktienkurse langfristig reagieren, ist schwer vorherzusehen. Zum einen ist ein Zinsanstieg in den USA ein Zeichen dafür, dass es der Wirtschaft gut geht. Wächst die Wirtschaft, steigen die Unternehmensgewinne – das lässt die Kurse der US-Aktien anziehen. Gleichzeitig werden durch höhere Zinsen aber auch andere Anlageformen wieder interessanter: Manche Anleger könnten also ihren Aktienanteil reduzieren, um zum Beispiel wieder mehr US-Anleihen zu kaufen. Entsprechend uneinheitlich sind auch die Prognosen der Experten. Während die Weberbank den Dow Jones in den nächsten zwölf Monaten auf 22.700 Dollar steigen sieht, glaubt die Dekabank, dass er in dieser Zeit auf 19.000 Punkte fallen dürfte. Zumindest kurzfristig rechnen die Experten jedoch mit keinen großen Verwerfungen. „Die Märkte haben den Zinsschritt bereits eingepreist“, sagt Vorndran. Das gilt auch für den deutschen Aktienmarkt.

Die Zinsen fürs Tagesgeld

Wer nun hofft, auf dem Tagesgeldkonto wieder mehr Zinsen zu bekommen, wird enttäuscht. „Für deutsches Tages- und Festgeld spielt der Zinsentscheid in den USA keine Rolle“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Wie viel Sparer auf diesen Konten bekommen, hängt vom Leitzins der EZB, vom Interbankenzins Euribor und von der Geldmenge ab. Doch egal welche dieser drei Kennziffern man betrachtet, sieht es für die Sparer nicht gut aus: Der EZB-Leitzins liegt bei Null, der Euribor sogar im Minus, gleichzeitig ist eher zu viel als zu wenig Geld im Markt. Daher dürften die Banken ihre Zinsen fürs Tagesgeld eher weiter nach unten statt nach oben korrigieren. So wie es gerade die Direktbank ING Diba getan hat: Statt 0,35 Prozent, zahlt sie nun nur noch 0,2 Prozent.

Die Kreditkosten

Was deutsche Sparer ärgert, freut Kreditnehmer. So dürften die Ratenkredite hierzulande günstig bleiben, auch beim Dispozins dürfte sich vorerst wenig ändern. Anders ist das jedoch bei den Zinsen für Immobilienkredite. Herbst sagt: „Im Sommer könnten die Hypothekenzinsen bis zu einem halben Prozentpunkt nach oben gehen.“ Der Grund: Entscheidend für die Konditionen der Immobilienkredite sind die Renditen der Hypothekenpfandbriefe. Das sind Papiere, die Banken ausgeben, um aus den Einnahmen einen Teil der Immobilienkredite zu finanzieren. Zuletzt waren diese Pfandbriefe bei Anlegern beliebt. Steigen nun aber die Renditen der Bundesanleihen wie beschrieben, schichten sie um: Die Hypotheken-Pfandbriefe der Banken sind dann wieder weniger gefragt. Die Institute müssten Anlegern also mehr Rendite bieten. Diese Mehrbelastung geben die Banken an die Kunden weiter, in dem sie die Zinsen für Immobilienkredite anheben.
Dass es in diese Richtung geht, sieht man an den steigenden Zuschlägen für Forward-Darlehen. Das sind Kredite, die Kunden heute abschließen, die sie aber erst in ein paar Jahren brauchen. Viele nutzen das, um sich die günstigen Zinsen zu sichern. Weil die Banken langfristig mit steigenden Zinsen rechnen, erhöhen sie nun die Zuschläge für die Forward-Darlehen. Dabei geht es zwar nur um wenige Prozentpunkte – doch das macht gleich viel aus. Selbst wenn eine Bank nur 0,01 Prozentpunkte mehr für ein Forward-Darlehen verlangt, kostet das den Kunden bei einem Kredit über 100.000 Euro für 15 Jahre gleich 7200 Euro mehr, zeigt eine Beispielrechnung von FMH.

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