Auch der französische Ökonom Thomas Piketty sprach auf der TED-Konferenz - sein Thema sind Verteilung und Ungleichheit. Foto: James Duncan Davidson / TEDp

TED-Konferenz im AdmiralspalastWissen in Häppchen

von Corinna Visser0 Kommentare

Im TED-Salon diskutieren Experten aus aller Welt über ihre Ideen für morgen. Die Konferenz findet erstmals in Berlin statt.

250 000 Menschen leben in Kibera. Auf einer Fläche von 2,5 Quadratkilometern. Kibera ist einer der größten Slums Afrikas. Es sind nur wenige Kilometer bis ins Zentrum Nairobis. Doch auf den Landkarten Kenias war das Gebiet bis 2009 als Waldgebiet ausgewiesen.

Die Menschen dort hatten keinen Platz auf der offiziellen Karte, berichtet Erica Hagen, Aktivistin der Ground-Truth Initiative. Vor fünf Jahren startete sie mit jungen Leuten aus dem Slum das Projekt Map Kibera – mit Werkzeug aus dem Internet. Seither sind die Menschen in Kibera sichtbar geworden und haben eine Stimme bekommen, denn inzwischen ist neben dem Kartenprojekt auch ein Nachrichtennetzwerk entstanden, das über das Leben in Kibera berichtet.

Am Montag hat Erica Hagen ihre Idee in Berlin vorgestellt – und viel Applaus im voll besetzten Admiralspalast bekommen. 14 weitere Redner standen beim ersten deutschen TED Salon auf dem Programm. Unter dem Motto: „Bits of Knowledge“ (Wissenshappen) boten die Experten Einblicke in aktuelle Themen wie „Big Data“ und „Generation App“. „Wir bringen neue Ideen zusammen“,erläutert Bruno Giussani, TED-Direktor für Europa. Und die können aus allen Bereichen kommen – aus Kunst, Philosophie, Naturwissenschaft oder Wirtschaft. „Und Berlin ist genau der richtige Platz, die Ideen vorzustellen“, sagt Giussani.

TED steht für Technologie, Entertainment und Design. Dahinter verbirgt sich eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, guten Ideen auf der ganzen Welt Gehör zu verschaffen. Jeder Sprecher hat etwa eine Viertelstunde Zeit, seine Idee vorzutragen. Die erste TED-Konferenz fand bereits 1984 statt. Im Frühjahr feierten die Veranstalter im kanadischen Vancouver das 30-jährige Jubiläum. Zu den bekanntesten Sprechern der TED-Konferenz gehören Prominente wie der frühere US-Präsident Bill Clinton und Microsoft-Gründer Bill Gates.

Wer an der dieser mehrtägigen Konferenz teilnehmen möchte, wo man dann auch Leute wie Amazon-Chef Jeff Bezos treffen kann, braucht eine Einladung und zahlt 6000 Dollar Eintritt. „TED ist klein, exklusiv und teuer“, gibt Giussani zu. Doch aus der exklusiven Konferenz ist inzwischen eine weltweite Plattform für innovative Ideen geworden, zu der hunderte Veranstaltungen rund um den Globus gehören – und ein Internetauftritt. „Mit den Einnahmen der TED-Konferenz finanzieren wir weitere Projekte, unter anderem unsere Online-Aktivitäten“, sagt Giussani. Mehr als zwei Milliarden Mal sei auf die Vortrtragsvideos unter www.ted.com bereits zugegriffen worden, die man dort unentgeltlich ansehen kann.

Mikroversicherungen gegen Trockenheit

Auch die Idee von Rose Goslinga, die sich als Missionars-Tochter niemals hätte vorstellen können, Versicherungen zu verkaufen. Heute sichert Goslingas Mikroversicherungsprojekt annähernd 200 000 Bauern in Afrika gegen ausbleibenden Regen ab. Ohne moderne Datentechnik, wäre das Projekt nicht möglich gewesen, sagt Goslinga. Schwieriger sei es gewesen, die Bauern zu überzeugen, die wenig Vertrauen in Versicherungen gehabt hätten. Doch dann verkaufte sie die Versicherung zusammen mit dem Saatgut – und wenn es drei Wochen nach dem Kauf nicht regnete, zahlte die Versicherung für neues Saatgut. Das hat die Bauern überzeugt – das Berliner Publikum auch.

Stehende Ovationen gab es für Simon Anholt, der viele Jahre Regierungen beraten hat und nun eine Rangliste entworfen hat, die die guten Staaten auflistet. Der Fehler im System sei, dass alle Staaten nur darauf blickten, das Beste für ihre Bürger zu erreichen – und nicht das Beste für alle in einer globalisierten Welt. Gut versteht er dabei als Gegensatz zu selbstsüchtig. Die Rangliste will er auf www.goodcountry.org bald veröffentlichen. Irland ist übrigens das Land, dass seiner Recherche nach den größten Beitrag für die Menschheit leistet.