Zu oft am Automaten gewesen? Wer sein Konto überzieht, zahlt Dispozinsen. Foto: Angelika Warmuth/ dpap

Stiftung Warentest prüft DispozinsenBis zu 13,75 Prozent für die Kontoüberziehung

von Heike Jahberg8 Kommentare

Bei der Kontoüberziehung langen einige Institute kräftig zu. Im Schnitt verlangen die Banken 9,78 Prozent. Aber auch das ist zu viel.

Für die Banken ist das Geld billig. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt bei null Prozent. Sich kostengünstig Geld zu beschaffen, ist für die Kreditwirtschaft kein Problem. Im Gegenteil: Zahlen müssen die Institute nur dann, wenn sie Geld los werden wollen. Parken Banken und Sparkassen Geld über Nacht bei der Notenbank, kostet sie das Zinsen – 0,4 Prozent.

Für Verbraucher, die Geld brauchen und daher ihr Konto überziehen, gelten dagegen andere Regeln. Sie müssen nach wie vor Dispozinsen zahlen – im Schnitt 9,78 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt. Frank Christian Pauli, Finanzexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), wundert das nicht: „Wir sehen eine unverhältnismäßige Entwicklung. Die Dispozinsen müssten zeitnah und marktbezogen sinken, aber das passiert nicht“, ärgert sich der Verbraucherschützer.

Die Stiftung Warentest hatte 1377 Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken untersucht und ist dabei auf enorme Preisunterschiede gestoßen. Besonders teuer wird es in der Provinz. So verlangt die Raiffeisenbank Oberbayern Südost bis zu 13,75 Prozent Überziehungszinsen, die Rosbacher Raiffeisenbank 13 Prozent. 26 weitere Institute stellten ihren Kunden 12,5 Prozent und mehr in Rechnung. „Das finden wir übertrieben“, schreiben die Tester im neuen „Finanztest“-Heft. Eine Einschätzung, die viele Kunden teilen dürften. Vor allem, weil zahlreiche Geldhäuser – darunter vor allem die Direktbanken – billiger arbeiten. So nimmt die Deutsche Skatbank im Kontomodell Trumpf null Prozent Zinsen, die Comdirect Bank berechnet 6,5 Prozent Dispozinsen.

Was die Berliner Institute nehmen

Die Berliner Institute bewegen sich dazwischen. Bei der Berliner Sparkasse liegt der Dispozins derzeit bei 10,5 Prozent. Die Berliner Volksbank hat keinen festen Satz, sondern einen Zinskorridor. Dieser liegt – kontoabhängig – zwischen 6,97 und 9,97 Prozent. Bei der Deutschen Bank erstreckt sich die Spanne aktuell von 7,9 bis 10,9 Prozent.

„Der Sollzinssatz wird kundenindividuell ermittelt und ist abhängig von Umfang und Dauer der Kundenverbindung“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Was man bei der Kontoüberziehung zu zahlen habe, erfahre man bei der Einräumung des Dispokredits im Kundengespräch, auf jedem Kontoauszug und im Rahmen des regelmäßigen Kontoabschlusses. „Damit hat jeder Kunde eine hohe Transparenz, welcher Dispozins konkret für ihn gilt“, heißt es bei Deutschlands größter Bank.

Kunden wissen nicht, was Konten kosten

Verbraucherschützer sehen das anders. „Es herrscht eine große Intransparenz bei der Frage, was Konten kosten“, kritisiert Pauli. Denn was man für ein Konto wirklich zahlen muss, hängt von vielen Bestandteilen ab. Der Dispo ist nur einer. Wie hoch ist die Kontoführungsgebühr, was umfasst sie, kostet die Kreditkarte extra, muss man zahlen, wenn man am Automaten Geld abhebt? All das muss man im Auge behalten, um die Kosten der Kontoführung vergleichen zu können. „Bei Ratenkrediten ist das anders“, gibt Pauli zu bedenken. „Deshalb sind hier die Zinsen nach unten gegangen.“

Politik will Transparenz erhöhen

Dennoch hat sich die Politik entschieden, auf Information zu setzen und auf eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen zu verzichten. Kreditinstitute sind jetzt verpflichtet, die Höhe der Dispozinsen auf ihren Webseiten klar und eindeutig anzugeben und Kunden beim Kontowechsel zu unterstützen. Bereits beschlossen, aber noch nicht umgesetzt sind zwei weitere Maßnahmen: ein Preisblatt, das Verbraucher vor Kontoeröffnung über die wesentlichen Entgelte informieren soll, und eine nachträgliche Abrechnung der tatsächlich angefallenen Gesamtkosten. Zudem sollen künftig zertifizierte Vergleichswebseiten Verbrauchern helfen, das für sie passende Girokonto zu finden.

Staatssekretär Kelber: Intensiver Wettbewerb

Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, sieht sich durch die neue Untersuchung bestätigt. Der aktuelle Test zeige, wie „wichtig es ist, dass Verbraucher transparente Informationen über die verschiedenen Kontoangebote am Markt erhalten, um entscheiden zu können, welches Angebot für sie am besten geeignet ist“, sagte Kelber dem Tagesspiegel. „Gerade im Bereich des Zahlungsverkehrs erleben wir im Bankensektor derzeit einen sehr intensiven Wettbewerb. Diesen Wettbewerb unterstützen wir mit Transparenzvorschriften.“ Kelber verweist zudem auf den neuen Wechselservice. Kunden könnten das für sie günstigste Angebot am Markt auswählen.

Ob die neuen Vorschriften funktioniert, will Verbraucherschützer Pauli prüfen. Im Moment sieht der Finanzexperte große Defizite. „Die Politik setzt darauf, dass die Verbraucher Druck ausüben, indem sie teuren Instituten den Rücken zukehren und zu günstigeren Instituten wechseln. Aber das funktioniert nicht, weil die Verbraucher keinen Überblick über die Gesamtkosten haben“, sagt der Verbraucherschützer.