Gut zu tun. Kein Modehändler Europas verkauft soviel im Internet wie Zalando. Investiert wird deshalb vor allem in Logistik und Technologie. Foto: dpap

Rekord bei Berliner Online-ModehändlerZalando macht 200 Millionen Gewinn in einem Jahr

von Maris Hubschmid7 Kommentare

Zum ersten Mal kann der Berliner Online-Modehändler Zalando in einem Quartal mehr als eine Milliarde Euro Umsatz vermelden. Und satte Gewinne dazu. Die Anleger reagieren trotzdem enttäuscht.

Mehr als 200 Millionen Euro Gewinn in zwölf Monaten. Klingt doch stattlich für ein Unternehmen, das noch drei Jahre zuvor Verluste eingefahren hat. Dem viele mittelfristig keine Chance auf dem Markt eingeräumt hatten – wie soll denn das funktionieren, das schnelle Wachstum, die hohen Kosten für Retouren und die Logistik überhaupt? Anfangs belächelte man sogar das Geschäftsmodell an sich. Also bitte, wer kauft Schuhe und Kleidung im Internet, sowas muss man doch anprobieren!

Die Milliarde unterm Weihnachtsbaum

Drei junge Männer haben unbeirrt weitergemacht, fest daran geglaubt, dass sich Investitionen und Hartnäckigkeit langfristig auszahlen. Und siehe da, es hat gar nicht so lange gedauert. Nach dem ersten kleinen Gewinn im Jahr 2014 und 107,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr konnte das einstige Start-up seinen Verdienst ersten Hochrechnungen zufolge jetzt abermals verdoppeln. Ein starkes Weihnachtsgeschäft, in dem der Umsatz des Vorjahreszeitraums um rund ein Viertel überflügelt wurde, hat dem Onlinehändler im vierten Quartal erstmals mehr als eine Milliarde Euro Erlös eingebracht. 1,1 Milliarden sollen es sein. „Das war unser bislang bestes Quartal“, sagte einer der drei Vorstände, Rubin Ritter, am Dienstag in Berlin. Und was passiert? Die Aktie fällt um sieben Prozent.

Weil Zalando ein Ausnahmeunternehmen ist, sind die Erwartungen enorm. Hatten Analysten eben mit 1,12 Milliarden Euro gerechnet, reagierten die Anleger enttäuscht, verkauften deshalb ihre Papiere. Doch alles halb so wild, beschwichtigen Analysten: Die Aktie war über die letzten Monate deutlich gestiegen. „Da ist es normal, dass auch mal Gewinne mitgenommen werden“, sagte deshalb Peter Steiner vom Bankhaus Lampe der Agentur Reuters.

Jedes Jahr 20 bis 25 Prozent Wachstum

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, Ebit genannt, lag im vierten Quartal zwischen 81 und 104 Millionen Euro. Das entspricht einer Gewinnmarge von 7,5 bis 9,5 Prozent. Im Gesamtjahr 2016 kletterte der Umsatz um mutmaßlich 23 Prozent auf mehr als 3,6 Milliarden Euro. Genaue Zahlen sollen am 1. März veröffentlicht werden. Soviel aber versichert Rubin Ritter gerne schon jetzt: Die Ziele bleiben ehrgeizig. Weiterhin 20 bis 25 Prozent Wachstum im Jahr sollen vor allem durch eine Expansion in den nordischen Ländern erreicht werden. Nach vier Logistikzentren in Deutschland, einem Lager nahe Mailand und zwei geplanten Stützpunkten in Polen und Frankreich soll nun ein Logistikzentrum in Schweden gebaut werden. Zum Umsatz in einzelnen Regionen hält sich Zalando noch bedeckt, verweist auch hier auf das Frühjahr.

Klar ist wohl: Zalando hat sich zu einem der erfolgreichsten Modehändler Europas entwickelt. Kein anderer verkauft online mehr. Und während etablierte Marken wie Peek und Cloppenburg oder Hennes & Mauritz schwächeln und das Traditionsunernehmen Wöhrl insolvent ist, stößt Zalando in immer neue Geschäftsbereiche vor. Das bereits über 1500 Marken umfassende Sortiment wird unaufhaltsam um Sparten wie Babyartikel, Übergrößen oder Sportbekleidung erweitert und macht mit visionären Projekten wie der Lieferung binnen 30 Minuten von sich reden.

In Friedrichshain wächst die Zalando-Stadt

Dabei ist Zalando vor allem eines: Ein Technologieunternehmen. Und als solches längst einer der bedeutendsten und vor allem hoffnungsvollsten Arbeitgeber der Stadt. Software-Ingenieure und -Entwickler aus etlichen Nationen ziehen nach Berlin, um bei Zalando zu arbeiten. Deshalb wird gebaut, an der Mediaspree in Friedrichshain entsteht auf dem sogenannten Anschutz-Gelände geradezu eine Zalando-Stadt: Mit einem futuristisch anmutenden, siebenstöckigen Gebäude im Zentrum, das unter anderem Kita und Fitnessstudio bereithält, soll der „Zalando-Campus“ als Hauptquartier ab Herbst 2018 Platz für insgesamt 5000 Mitarbeiter auf 100 000 Quadratmetern bieten. Der Senat baut dafür eigens eine neue Brücke über den Fluss.

Allein 2016 hat Zalando 2000 Mitarbeiter eingestellt. Europaweit sind es damit schon 12 000 in 15 Ländern.

liegtüber den Erwartungen. Die genaue Zahl soll am 1. März veröffentlicht werden.

Zum Umsatz in einzelnen Regionen will sich der Händler auch erst dann äußern. Vor allem in nordischen Ländern will Zalando in Zukunft expandieren. Bis Jahresende soll ein Logistikzentrum in Schweden eröffnet werden. Zalando betreibt vier große Logistikzentren in Deutschland, hat ein Lager nahe Mailand und will in diesem Jahr zwei weitere in Polen und Frankreich eröffnen.