Ahnungslos vor Gericht. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz am Donnerstag in Köln. Vom Bankhaus Sal. Oppenheim will sie 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz. Foto: dpa
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Quelle-Erbin vor Gericht Madeleine Schickedanz - die konfuse Hausfrau

Massimo Bognanni
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Im Prozess rund um das Bankhaus Oppenheim und Arcandor tritt Madeleine Schickedanz auf . Sie will 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz.

Wackelig betritt Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz am Donnerstagvormittag Saal 213 des Landgerichts Köln. Ihre Anwälte geleiten die zierliche 70-Jährige zum Platz. Sie soll im Prozess gegen die frühere Führung der Traditionsbank Sal. Oppenheim als Zeugin aussagen. Die Frau, die einst zu den reichsten Menschen der Republik zählte, trifft dabei auf unliebsame Wegbegleiter. Allen voran Josef Esch, ihren einstigen Vermögensberater. Jenen Mann, dem sie jahrelang angeblich blindlings folgte – bis das Milliardenerbe verzockt war.

Esch und die vier Ex-Bankgesellschafter Matthias Graf von Krockow, Christopher von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt müssen sich wegen Untreue und Beihilfe verantworten. Im Kern wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor, über Jahre private Interessen mit denen der Bank vermischt zu haben – zum Nachteil des Bankhauses. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld.

Schickedanz würdigt ihren einstigen Berater Esch während der dreistündigen Aussage keines Blickes. Sie soll vor allem bei den Geschäften der Bank rund um den Kaufhaus-Konzern Arcandor (vormals Karstadt) Licht ins Dunkel bringen. Die Großaktionärin Schickedanz hatte immer wieder Geld in den Arcandor-Konzern gepumpt, auch über Darlehen von Sal. Oppenheim. Als Arcandor 2009 Insolvenz anmelden musste, endete das für beide Seiten in einem Fiasko: Das über Jahrhunderte auf Unabhängigkeit pochende Bankhaus Sal. Oppenheim landete bei der Deutschen Bank. Die Milliardärin Schickedanz gab 2009 in einem Zeitungsinterview an, fortan von 600 Euro im Monat zu leben und Pizza beim Discounter kaufen zu müssen. Für den Verlust ihres Milliardenvermögens macht sie das Bankhaus und Esch verantwortlich. Schickedanz könnte als Zeugin also abrechnen mit jenen Herren, die sie in ihren Augen um das gebracht haben, was ihr Vater Gustav als Quelle-Gründer aufgebaut hatte. Doch sie hält sich zurück.

Madeleine Schickedanz - unwissende Strohfrau?

Möglicherweise aus gutem Grund: Jedes Wissen, das sie in dem Strafprozess preisgibt, könnte ihrem parallel laufenden Zivilverfahren schaden. Hier präsentiert sich Schickedanz nämlich als unwissende Strohfrau – und fordert von der Bank einen sagenhaften Schadensersatz von 1,9 Milliarden Euro.

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Und so verwundern die Gedächtnislücken nicht, die Frau Schickedanz in einem Auftritt an den Tag legt, den man wohlwollend als konfus bezeichnen könnte. Sie klingt weinerlich. Als Beruf gibt sie „Hausfrau“ an. „Ich habe mich seit 1982 vor allem um meine schwerkranke Tochter gekümmert.“ Beim Geschäftlichen habe sie sich seit 2002 auf ihren Vermögensberater Esch und Sal. Oppenheim verlassen. „Es hieß immer: Wir sind eine Familie, eine Interessengemeinschaft.“ Esch habe sie in ihrem Haus „oben in St. Moritz“ kennengelernt.

Vor allem ein 350-Millionen-Euro-Kredit, zu dem Esch ihr geraten haben soll, interessierte das Gericht. Die Summe soll Sal. Oppenheim über die Briefkastenfirma ADG an Schickedanz vermittelt haben. Der Verdacht: Über ADG könnten einige der Oppenheim-Banker, die gemeinsam mit Esch Gesellschafter der ADG waren, unzulässigerweise Bankkredite an die bereits hochverschuldete Schickedanz ausgereicht haben.

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Schickedanz gab an, vollkommen den Überblick über die Geschäfte verloren zu haben, so auch bei den ADG-Krediten. „Esch hat mir gesagt, ich muss nur meinen Namen hergeben, die Bank ist der eigentliche Kreditnehmer und bürgt für die Summe.“ Wofür das Geld gedacht war, das wisse sie nun „weiß Gott“ nicht mehr. Wie meist habe sie das Vertragswerk nicht gelesen, einfach an der Stelle unterschrieben, die Esch ihr mit einem Kreuzchen markiert hatte. Und Unterschriften gab es einige: Die Richterin lässt mehrere Kreditverträge an die Wand projizieren, die von Schickedanz unterzeichnet worden waren – und ihr völlig fremd sind.

Unter anderem einen verhängnisvollen Brief vom 26. September 2008, unterzeichnet von der Quelle-Erbin persönlich. Der Inhalt: Schickedanz bietet ihre Vermögenswerte als Sicherheit an. Auch hier hat die Zeugin eine Gedächtnislücke. Nur eines schließt sie vehement aus. Die Ansprache SH für „Seine Hoheit“ hätte sie niemals für Graf von Krockow gewählt. „Das ist nicht mein Stil“. (HB)

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