Es gibt zu wenig Ladesäulen in Deutschland. Foto: Lukas Schulze/dpa
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Matthies meint Jedem Deutschen seine Ladesäule

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Was die Politik alles tun könnte, um ihr Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen, noch zu erreichen.

Die Prämie kommt, die Prämie kommt nicht, die Prämie ... Letzter Stand am Dienstagabend: Sie kommt vermutlich, aber ganz sicher ist man sich in der Koalition noch nicht. Eine Million E-Mobile bis 2020, das war mal eine Ansage der Kanzlerin, die ihr jetzt auf die Füße fällt – eher wird bis dahin der Flughafen BER fertig und Erdogan tritt den Zeugen Jehovas bei.

Aber was hilft es, wenn man den Leuten nun 5000 Euro dafür verspricht, dass sie ein Auto kaufen, das sie auch für 10.000 Euro weniger nicht haben wollen? Der einzige Weg, das Ziel noch zu erreichen, besteht jetzt darin, jedem deutschen Führerscheinbesitzer ein Einfamilienhaus mit Garage und Starkstromanschluss zu schenken, sofern er noch keins hat, und das Auto nach Wunsch, in der Regel einen Tesla, gleich obendrauf. Finanzminister Schäuble ziert sich noch, aber es gilt als sicher, dass er seinen Widerstand bis zum Jahresende aufgibt.

Auch dieses Projekt allerdings hat Risiken, denn wenn die Leute aus Bequemlichkeitsgründen ihren alten Benziner für längere Fahrten trotzdem weiter benutzen, ist der Umwelt nicht viel gedient, dann wird die Million neue E-Autos nur zum Brötchenholen herausgeholt und lutscht den Rest der Zeit sinnfrei in der Garage am neuen Kabel. Die Kanzlerin hätte ihr Gesicht gewahrt, immerhin. Aber sonst?

Wichtig ist bei allem, was mit dem Auto zu tun hat, natürlich die soziale Gerechtigkeit. Deshalb wird jetzt über eine Obergrenze von 60.000 Euro diskutiert, damit die Reichen ihre Teslas und Porsches komplett selbst finanzieren müssen – niemand will riskieren, dass Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband deshalb bei „Anne Will“ wieder wütend seinen Backenbart sträubt und Gregor Gysi eine neue Abwrackprämie für Trabis fordert.

Das Hauptproblem der E-Mobilität ist allerdings ganz simpel: Das Laden dauert zu lange, und es gibt zu wenig Ladesäulen. Die Politik müsste also viel mehr Geld in Zeit für alle investieren und jedem deutschen Autofahrer eine eigene Säule spendieren. Die Dinger sind nicht sehr groß, passen in jeden Kofferraum und lassen sich überall in der Stadt aufstellen. Allerdings sind die viele Kilometer langen Anschlusskabel noch extrem teuer und unhandlich.

Finanzminister Schäuble ist wieder einmal gefragt – er hat sich bislang immer etwas geziert, aber sich noch keiner sinnvollen Lösung verweigert. Zumal, wenn die Kanzlerin ein Ziel dringend zu erreichen hat.

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