38-Millionen-Dollar: Marco Börries erhielt für Enfore soviel Startkapital wie kaum ein anderes Start-up in Europa Foto: Promop

Marco Börries Das deutsche Wunderkind ist zurück

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Mit Star Office ärgerte Marco Börries einst Bill Gates. Nun will er „den größten Markt der Welt“ mit einer Gratissoftware erobern.

Erwartungen schürt Marco Börries schon seit Jahren, nun ist es endlich so weit: Nach acht Jahren Entwicklungszeit bringt der gern als „deutscher Bill Gates“ betitelte Lüneburger seine neue Software auf den Markt. Es ist ein umfangreiches Paket für Einzelhändler, Gastronomen oder Dienstleistungsunternehmen. Sie sollen damit von Reservierungen über die Auftragsabwicklung bis hin zu Kundenbindungsprogrammen alle relevanten Geschäftsprozesse organisieren können. „Für 99 Prozent aller kleinen oder mittleren Unternehmen ist die Digitalisierung die größte Herausforderung“, sagt Börries, „denen bieten wir nun eine Komplettlösung.“

Die finanziellen Vorschusslorbeeren waren riesig: 38 Millionen Dollar erhielt er 2013 als Startfinanzierung für sein Berliner Jungunternehmen Enfore. Es gibt in Europa kaum ein Start-up, das Investoren davon überzeugen konnte, einen Scheck in vergleichbarer Höhe für eine reine Idee auszustellen. Zu den Geldgebern gehören die Deutsche Telekom, Xing-Gründer Lars Hinrichs und renommierte Wagniskapitalgeber wie Index Ventures oder Klaus Hommels.

Star Office: Für 2000 DM gegründet, für 70 Millionen Dollar verkauft

Deren große Wette auf Börries Zukunft hat viel mit seiner Vergangenheit zu tun. Als 16-Jähriger hatte er 1985 mit 2000 D-Mark Konfirmationsgeld seine erste Firma gegründet. Sie entwickelte Star Office, eine günstige Alternative zu Microsofts Büroprogrammen. 1999 verkaufte Börries für 70 Millionen Dollar an Sun Microsystems. 2005 wurde er von Yahoo angeheuert und leitete dort das Mobilgeschäft. Doch auch das einstige deutsche Softwarewunderkind konnte den Abstieg des Internetriesen nicht aufhalten.

In ganz großen Dimensionen denkt er auch jetzt wieder: „Es gibt weltweit 200 Millionen kleine Unternehmen, das ist der größte Markt der Welt.“ Doch der ist extrem fragmentiert. Für die verschiedenen Anwendungen und Branchen gibt es unzählige verschiedene und spezialisierte Anbieter. Enfore bietet ab heute eine Komplettlösung, die für Frisör, Frittenbude und Feinkostgeschäft gleichermaßen funktionieren soll. Das Besondere: Die Software selbst ist kostenlos. Denn das Start-up verkauft sie im Paket mit einem eigenen Kassensystem. Knapp 1000 Euro wird dafür verlangt, im Vergleich zur Konkurrenz ist das ebenfalls günstig. Rechnet sich das? „Machen Sie sich da keine Sorgen“, sagt Börries, „bei der Hardware haben wir eine schöne Marge.“ Zudem soll es die Masse machen.

Universalsoftware für Frisör, Frittenbude und Feinkostgeschäft

Schon der deutsche Markt ist in der Tat groß. Laut EHI-Retail-Institut sind allein im deutschen Einzelhandel rund eine Million Kassensysteme im Einsatz und 71 Prozent der Händler wollen ihre Hardware in den nächsten Jahren erneuern. Dazu kommen jedes Jahr hunderte Neueröffnungen. Für die ist die Wahl einer Kasse schwierig, da die Angebote schwer zu durchschauen seien. „Einen Preisvergleich zu machen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Cetin Acar, Experte für Kassensysteme bei EHI. Für Newcomer Börries bietet das eine Einstiegsmöglichkeit. Zumal viele Händler mit den bestehenden Softwaresystemen unzufrieden seien. „Wenn da jemand eine bessere Lösung hat als die etablierten Anbieter, hat er durchaus Chancen“.

Börries vergleicht seinen Ansatz gern mit Apple. Daher hat er auch die Deutsche Telekom als Partner gewonnen. Wie sonst Smartphones bietet sie Geschäftskunden die Enfore-Kasse zum subventionierten Preis an – wenn sie gleichzeitig einen Internet- und Telefonvertrag abschließen.

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