Das war die Airline mit Herz (einstiger Werbeslogan): Luftballon von Air Berlin auf dem Bürgersteig. Foto: Paul Zinken/dpap

Lufthansa und Air Berlin Historischer Tag bedeutet nicht guter Tag

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Es ist amtlich: Mehr als die Hälfte der Flugzeuge und weniger als die Hälfte der Mitarbeiter von Air Berlin gehen an die Lufthansa. Ein Kommentar.

Ja, es war ein „historischer Tag“, wie Lufthansas Konzernchef Carsten Spohr gestern in einer Rede vor Berliner Unternehmern erklärte: historisch für seine Fluggesellschaft, die 1926 am damals größten Luftverkehrsdrehkreuz der Welt – in Berlin – gegründet wurde. Historisch natürlich auch für die insolvente Air Berlin, die mit ein paar Unterschriften beim Notar fast 40 Jahre nach ihrer Gründung zerschlagen wurde. Insofern war es auch ein historischer Tag für die Stadt Berlin – wobei historisch nicht per se „gut“ bedeutet.

Denn alles Gerede von einem Jumbojet, den Lufthansa jetzt in Tegel stationiert, von einem täglichen Direktflug nach New York, von Airlines, die jetzt versuchen, die Lücke zu füllen, die Air Berlin hinterlässt, all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Luftverkehrsstandort Berlin an Bedeutung verliert. Es hätte anders kommen können (aber nicht müssen), wäre der BER im Jahre 2012 eröffnet worden. Wäre, hätte, könnte. Das Scheitern des Projekts der direkten Anbindung der Hauptstadt an die politischen, wirtschaftlichen und touristischen Zentren der Welt hat viele Väter. Berlin wird ihrer noch lange gedenken.

Lufthansa übernimmt mehr als die Hälfte der Flotte

Wie auch der Air Berlin. Langweilig war es jedenfalls selten mit ihr: Es ist die Geschichte vom Aufstieg einer Mini-Fluggesellschaft im geteilten Berlin zum stärksten Rivalen der staatlich protegierten Lufthansa. Es gab Turbulenzen, dann die zeitweilige Rettung durch den arabischen Investor, der zwei Milliarden Euro in Berlin verbrannt hat, dann einen Sinkflug, der vor allem den Anlegern auf den Magen schlug.

Nur das Ende dieser langen Firmengeschichte lässt in dramaturgischer Hinsicht zu wünschen übrig. Denn es kommt nun offenbar ungefähr so, wie alle Beteiligten es Mitte August nach dem eingereichten Insolvenzantrag angekündigt hatten: Die Lufthansa übernimmt mehr als die Hälfte der Flotte.

Carsten Spohr, bestens aufgelegter Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, am 12. Oktober 2017 im Berlin Capital Club über die Verhandlungen mit Air Berlin. Foto: Paul Zinken/dpap

Viel mehr Aufregung im Finale dürften die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch kaum vertragen. Leider muss jeder Einzelne von ihnen jetzt sehen, wie für sie und ihn noch ein Happy End daraus wird – vielleicht als Pilotin bei Eurowings, angestellt bei der Billigtochter in Österreich, oder bei der britischen Easyjet, vielleicht als Buchhalter in der Bezirksverwaltung von Neukölln, als IT-Expertin beim LKA. Das Drehbuch hatte für die meisten Airberlinerinnen und Airberliner nur Statistenrollen vorgesehen, eine kollektive Lösung für alle 8000 war von den Verantwortlichen weder angestrebt worden, noch war sie realistisch. Air Berlin war unsanierbar, deshalb gab es auch kein Angebot für eine Komplettübernahme, das die Gläubiger überzeugt hat.

Es konnte keinen Betriebsübergang geben

Einige Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi, die Personal der Verwaltung und am Boden vertritt, hat die Mitarbeiter zu lange im Glauben gelassen, dass es einen geordneten Betriebsübergang geben könnte – wenn die Manager und Gläubiger nur nicht so kaltherzig wären. Das war unredlich, denn die Alternative zum zeitweiligen Weiterbetrieb der Airline mithilfe des 150-Millionen-Euro-Staatskredits wäre nur das sofortige Aus gewesen, inklusive fristloser Kündigung von 8000 Mitarbeitern.

Eine Halle nahe der Zentrale von Air Berlin südlich des Flughafens Berlin Tegel. Foto: AFP/Tobias Schwarzp

Nun also übernimmt Lufthansa die Filetstücke samt ungefähr 3000 Mitarbeitern, Easyjet und vielleicht die Ferienfluggesellschaft Condor bekommen weitere Teile der Fluggesellschaft. Und die Verhandlungen für Air Berlins Techniksparte beginnen erst noch. Es hätte schlimmer kommen können. Wobei der Auftritt des Lufthansa-Chefs vor Unternehmern den Gesamteindruck von diesem Geschäft trübt. Angeblich war die Rede im feinen Berlin Capital Club seit Monaten geplant, nicht wissend, dass sie auf diesen „historischen Tag“ fallen würde. Eine Rede auf einer Betriebsversammlung von Air Berlin hätte Spohr besser gestanden. Immerhin war der Manager so ehrlich, zuvor zu erklären, dass er Preiserhöhungen auf einzelnen Strecken nicht ausschließe. Das war noch so eine schlechte Nachricht für Berlin an diesem historischen Tag.

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