Hoher Besuch. Apple-Chef Tim Cook mit Kitchen Stories Gründerin Verena Hubertz (links) und ihrer Mitarbeiterin Julie Myers Foto: Promo
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Kitchen Stories Bosch-Tochter kauft Berliner Koch-App

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Kitchen Stories begeistert sogar Apple-Chef Tim Cook. Nun übernimmt BSH das Start-up.

Es gibt inzwischen einige Berliner Start-ups, die auch in den USA bekannt sind und zwei- oder gar dreistellige Millionenbeträge von Investoren erhalten, doch so prominenten Besuch wie Verena Hubertz und Mengting Gao hatte kaum eines. Der Apple-Chef persönlich stand im Februar im Kreuzberger Büro ihres Start-ups Kitchen Stories. Tim Cook sprach mit ihnen über den Frauenanteil in Unternehmen und zeigte nebenbei, wie er einen Pfannkuchen gekonnt durch einen Wurf in die Luft wenden kann.

Kitchen Stories wurde 15 Millionen Mal heruntergeladen

Denn ums Kochen geht es bei Kitchen Stories. In der App werden inzwischen mehr als 1000 Rezepte in schicken Videos oder Fotos vermittelt, die Schritt für Schritt zeigen, wie man gebackene Süßkartoffeln mit Trüffelmayo oder Klassiker wie Züricher Geschnetzeltes zubereitet.Damit trafen die Gründerinnen offenbar einen Nerv: Mehr als 15 Millionen Mal wurde die App inzwischen heruntergeladen und stand in über 150 Ländern auf dem ersten Platz der Rangliste der beliebtesten Apps im Bereich Ernährung.

Dieser Erfolg ist auch Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) nicht verborgen geblieben. Die Bosch-Tochter hat nun die Mehrheit an dem Start-up übernommen. Wieviel das Unternehmen für den Anteil von 65 Prozent bezahlt, wollen die Beteiligten nicht sagen. Laut Informationen des Fachmagazins „Gründerszene“ lag die Unternehmensbewertung zwischen 20 und 25 Millionen Euro.

„Wir erleben in der Hausgerätebranche gerade einen starken Wandel“, sagt BSH-Chef Karsten Ottenberg. Die Kunden würden vernetzte Lösungen erwarten, daher will das Unternehmen viel mehr digitale Dienstleistungen anbieten - die allerdings nicht nur allein entwickeln. „Wir öffnen uns gezielt für Impulse von außen“, sagt Ottenberg.

Die Vision vom der vernetzten, intelligenten Küchen

Kitchen Stories soll dabei als eigenständige Marke erhalten bleiben. BSH will das Angebot der Berliner aber mit seinem Home-Connect-System verknüpfen. „Meine Vision ist, dass der Kühlschrank sagt, ich habe noch eine Aubergine, die in drei  Tagen verbraucht werden sollte“, sagt Hubertz. Dann schlage die App passende Rezepte vor und lasse beim Kochen schon mal den Ofen automatisch vorheizen. „Das ist aber nichts, was morgen passiert, sondern eher ein 10-Jahres-Plan“, sagt Hubertz. Sie selbst wolle so langfristig an der Spitze des Unternehmens bleiben.

Hubertz selbst besitzt in ihrer WG-Küche noch keinerlei vernetzte Geräte und weiß, dass es so den meisten Deutschen gehe. Doch mit der Zeit werde sich das in vielen Haushalten ändern. „Ob man dann mit einem Projektor am Herd oder einem Bildschirm in der Küche kocht ist egal“, sagt Hubertz. Ihr Start-up wolle die Inhalte liefern. Und sie könne sich auch Anwendungen für Augmented-Reality-Geräte vorstellen, die im Sichtfeld beispielsweise anzeigen, wieviel Mehl in die Schüssel gefüllt werden müsse.  

Während solche Anwendungen noch einige Zeit brauchen werden, könnte schon im nächsten Jahr das Geschäftsmodell geändert werden. Bislang finanziert sich das Start-up durch Werbung und erzielte damit 2016 eine halbe Million Euro Umsatz, allerdings auch einen Verlust von 1,1 Millionen Euro. Künftig sollen auch Premiumzugänge entwickelt werden, bei denen zahlende Nutzer sich Ernährungspläne erstellen oder gezielt anhand von vorhandenen Zutaten nach passenden Rezepten suchen können. Zudem will Kitchen Stories Daten über Koch- und Ernährungstrends an andere Unternehmen verkaufen.

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