Wenn Menschen im Job nicht miteinander klar kommen, können Gemeinsamkeiten Abhilfe schaffen – etwa die Liebe zu Katzen. Foto: A. Gebert/picture alliance / dpap

Karriere und JobwechselWie ein Coach hilft

von Daniela Martens0 Kommentare

Erfahrene Ratgeber arbeiten darauf hin, dass man selbst eine Lösung findet. Die kann ungewöhnlich sein.

Erfolgstagebücher und Kompetenzbilanzverfahren

Ein Coach soll seine Klienten zum Nachdenken anregen

Ein Coach solle ein „neutraler Diskussionspartner“ sein, „der seine Klienten zum Nachdenken anregt und sie mithilfe von Fragen, Rollenspielen, Perspektivwechseln und anderen Methoden zu neuen Einsichten führt“, so Engels von der Stiftung Warentest. „ Ein Coach, der nicht gut Zuhören kann, sollte lieber in einer Autowerkstatt arbeiten“, sagt Coach Wolf-Dietrich Groß, 61, der Politologie, Jura und Psychologie im Nebenfach studiert hat und zum Coaching erst nach vielen Jahren als „PR-Mann“ gekommen ist.

„Wenn ich möchte, dass sich Menschen verändern, geht das nur, wenn ich sie emotional berühre. Das macht man durch Fragen, Fragen, Fragen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe. Ich frage oft: Wie fühlt sich das an? Ein Ziel ist es, zu lernen, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und wert zu schätzen – das können viele nicht. Aber vor allem Führungskräfte brauchen die Bereitschaft, mit den Emotionen der Menschen umzugehen.“ Groß coacht hauptsächlich Führungskräfte. „Ein Coaching zur Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt sich mit vermeintlich banalen Themen, vor allem mit Selbstmanagement.“

Oft gehe es darum, dass Klienten nicht „mit ihrer Zeit zurechtkommen oder Schwierigkeiten, haben, sich selbst zu organisieren. Viele seiner Klienten würden sich mit „der Anerkennung der eigenen Leistungen“ schwer tun. Die meisten bittet er, ein Erfolgstagebuch zu führen: Jeden Tag, auch am Wochenende wird ein „Erfolg“ eingetragen: „Ganz kleinteilig: ein gutes Telefonat geführt, den Sohn ausnahmsweise rechtzeitig aus der Kita abgeholt. Darauf lassen sich alle ein. Sie merken, dass Erfolg anders definiert ist, als bisher gedacht. Dass Erfolg nicht nur bedeutet, zwei Mal im Jahr ein großes Projekt abzuschließen. Das ist wichtig, weil ich Leistungen anderer nur dann anerkennen kann, wenn ich auch die eigenen sehe.“

Wer privat zahlt, kommt oft günstiger davon als Firmen

Normalerweise coacht Groß seine Klienten etwa ein Jahr lang: vier bis sechs Mal in Abständen von fünf Wochen, meist jeweils drei Stunden. 200 Euro nimmt er pro Stunde. „Das geht bei Führungskräften oft vom Arbeitgeber aus“, sagt Groß. „Der zahlt dann eine bestimmte Anzahl Stunden. Man sollte so ein Coaching als Auszeichnung sehen, ein Chef investiert damit in seinen Mitarbeiter. Viele denken aber, sie hätten etwas falsch gemacht, weil ihr Chef so etwas anregt.“

Fünf bis zehn Sitzungen seien die Regel bei Coachings, heißt es bei der Stiftung Warentest. 100 bis 350 Euro pro Zeitstunde nähmen die Coaches. Wer privat zahlt, kommt oft günstiger davon als Firmen. „Es gibt auch günstigere Coaches und solche für ganz normale Mitarbeiter, aber man muss immer überlegen, ob es einem das Geld wirklich wert ist“, sagt Engel von der Stiftung Warentest. Als „günstige Alternative“ empfiehlt sie so genannte Kompetenzbilanzverfahren: „Die sind noch unbekannt und der Titel schreckt ab, aber die meisten sind wirklich gut gemacht.“

Zu so einem Verfahren gehören meist Fragebögen, eine Beratung mit Workshops in den Gruppen. „Es geht darum, zu schauen, was kann ich, was kann ich gut und was ich damit beruflich erreichen möchte. So etwas ist gut bei beruflicher Neuorientierung. Für Führungskräfte ist das natürlich nichts.“

Führungskraft Michael Höfer ist durchs Coaching inzwischen für seine Erfolge „sensibilisiert“, sagt er. „ Wenn ich in meinem Erfolgstagebuch blättere, kann ich mit einem sehr guten Gefühl durchatmen und hier und da schmunzeln.“

TIPPS UND LINKS

Auswahlkriterien:

Wie man einen guten Coach findet, kann man im Internet nachlesen: http://weiterbildungsguide.test.de/file/Coach_finden_2014_04.pdf

Arbeitsagentur:

Man kann sich ein Coaching von der Arbeitsagentur finanzieren lassen, wenn man entweder arbeitslos oder „von Arbeitslosigkeit bedroht“ ist, etwa wenn ein Vertrag bald ausläuft – über einen „Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein“ (AVGS). Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf. Man muss sich den Coach selbst suchen, ein Angebot einholen, und es bei der Arbeitsagentur einreichen, die dann zustimmt oder ablehnt.

Infos unter http://weiterbildungsguide.test.de/infothek/beratung/coaching-arbeitsagentur

 

Datenbanken:

www.coach-datenbank.de

www.semigator.de

www.weiterbildungsprofis.de

Kompetenzbilanzverfahren:

Es besteht meist aus Frage- und Aufgabenbögen, ergänzt um eine Beratung, ein Coaching oder Seminar. Die Stiftung Warentest hat elf Kompetenzbilanz-Verfahren von Experten begutachten lassen. Es gibt kostenlose sowie kostenpflichtige Angebote (78 bis 830 Euro). Infos unter http://weiterbildungsguide.test.de/infothek/beratung/kompetenzbilanzierung.

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