Kontaktversuche. Hier bei einer ersten Jobmesse im Anfang Oktober 2017, wo sich Privatunternehmen bei Air Berlin den Mitarbeitern präsentiert haben. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
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Jobmesse bei Air Berlin Bewerbung beim Land Berlin "dauert immer sehr lang"

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Berlins Behörden haben sich auf einer kleinen Messe den Mitarbeitern vorgestellt: Da gab es auch Frusterlebnisse. Immerhin steht bald die Finanzierung einer Transfergesellschaft.

Ohne Umschweife: „Was kann man hier verdienen?“, fragt eine sportliche Frau mit streng gebundenem Pferdeschwanz am Donnerstag bei der Jobmesse der Berliner Behörden in den Räumen von Air Berlin. Der Mann gegenüber holt aus: „Guten Tag, Sie interessieren sich für die Arbeit in der Ausländerbehörde?“ Antwort der Airberlinerin: „Ich interessiere mich dafür, wie ich meine drei Kinder ernähren kann“.

Der Behördenvertreter erklärt ihr: Es gibt rund 2300 Euro brutto. Die Dame seufzt – und steckt sich ein Infoblatt ein. Die Vergütung wäre wohl geringer als jetzt, aber immerhin höher als die am Nachbarstand, wo die Justizverwaltung Sicherheitspersonal für die Gerichte sucht, wo es kaum verlässlichen Feierabend gibt – und wo man für die ersten sechs Monate „Quereinsteigern“ in der Ausbildung nur 800 Euro zahlt.

Einigung mit Easyjet vor dem Abschluss

Viele Air Berliner machen Frust-Erlebnisse, einige finden womöglich aber auch eine ganz neue Aufgabe fürs Leben, während die Investorenverhandlungen der Geschäftsführung Fortschritte machen: Nach einer Einigung mit dem Lufthansa-Konzern für die Übernahme von 80 der insgesamt 140 Flieger steht nun offenbar auch eine Einigung mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet kurz vor dem Durchbruch. Am Freitagnachmittag solle eine Einigung zwischen beiden Airlines verkündet werden, berichtete die „Bild“ am Donnerstag unter Berufung auf mehrere Verhandlungsteilnehmer. Dabei gehe es um die Übernahme von 25 Jets, von denen 20 in Berlin stationiert werden sollen. Air Berlin lehnte eine Stellungnahme ab.

Wie viele Mitarbeiter Easyjet einstellen könnte, blieb somit auch offen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte erklärt, rund 3000 neuen Stellen bei der Billigflugtochter Eurowings schaffen zu wollen – die freilich nicht automatisch mit Air Berlins Mitarbeitern besetzt werden. Insgesamt beschäftigt Air Berlin mehr als 8000 Personen. Immerhin zeichnet sich nun auch für Air Berlins Technik-Sparte, die rund zehn Prozent der Belegschaft beschäftigt, eine Verkaufslösung ab.

Michael Müller stellt Transfergesellschaft in Aussicht

Wer nicht bei den Behörden oder privaten Unternehmen wie Deutsche Bahn oder Zalando, die sich ebenfalls auf einer Jobmesse den Mitarbeitern präsentiert hatten, unterkommt, kann auf eine Transfergesellschaft hoffen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, dass der künftige Erwerber von Air Berlin in der Verantwortung stehe, eine gute Perspektive aufzubauen. An einer Transfergesellschaft müsste sich auch der Erwerber beteiligen. Auch die Air-Berlin-Standorte Nordrhein-Westfalen und Bayern seien gefragt. „Ich habe persönlich mit Laschet und Seehofer gesprochen. Es gibt die Bereitschaft, sich am Standort Berlin zu beteiligen. Auch das Land Berlin ist in der Pflicht. Und der werden wir auch nachkommen“, sagte Müller. „Das Land Berlin ist bereit, sich an einer Transfergesellschaft zu beteiligen.“ Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) hatte bereits am Dienstag erklärt, dass das Land eine solche Gesellschaft notfalls sogar allein finanzieren werde. Aus Senatskreisen hörte man, dass man nun noch die Verhandlungen mit Easyjet und weiteren Bietern abwartet, um dann abschätzen zu können, wie hoch der Finanzierungsbedarf genau ist. Anfang der Woche könne man aber dann eine Einigung verkünden, hieß es.

Müller sagte, dass „wir uns alle diese Situation nicht gewünscht haben. Wir hatten mit Air Berlin einen guten und wichtigen Partner in Berlin“. Ein neuer Erwerber wie Lufthansa sollte kein Monopolist im Flugverkehr sein. Sollte eine Fluggesellschaft wie EasyJet Interesse an Teilen von Air Berlin haben und „ein Angebot abgeben, würde ich mich wirklich darüber sehr freuen“. Wettbewerb sei im Sinne der Verbraucher wichtig.

Alle wollen IT-Experten

In den Räumen von Air Berlin fand derweil nicht auf Anhieb jeder Topf seinen Deckel. „Überall suchen die nur IT“, raunte eine Mitarbeiterin in den Raum. Solche Fachleute suchen natürlich auch Unternehmen in der Privatwirtschaft. Berlins Polizei, die Verkehrsbetriebe der BVG oder die vielen Senatsverwaltungen die sich präsentieren, dürften Schwierigkeiten haben, diese Experten – von denen Air Berlin ja auch nicht endlos viele hat – für sich zu gewinnen. Überhaupt weiß niemand beim Senat genau, wie viele Stellen es gibt. Ein Grund: Nicht jede Behörde hat bereits auf elektronisches Personalmanagement umgestellt.

In den Räumen von Air Berlin endet ein Vortrag einer Senatsverwaltung mit den Worten: „Lassen Sie sich nicht von den Anforderungsprofilen oder den Fristen abschrecken. Das sind nur Ideale. Einstellungsverfahren dauern beim Land Berlin immer sehr lang.“

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