Tickt wieder richtig. Dank Sensortechnik des Berliner Start-ups Relayr werden Störungen bei vielen Bahnhofsuhren nun per Funk gemeldet. Foto: Promo Foto: Deutsche Bahn AGp

IoT-Start-ups Berlin ist Hauptstadt für das Internet der Dinge

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Nirgendwo in Deutschland arbeiten so viele Start-ups an der Vernetzung der Industrie wie in Berlin.

Das Start-up Relayr ist wahrscheinlich nur Eingeweihten bekannt. Dabei gehören die Kreuzberger zu den vielversprechendsten Gründern in Berlin, selbst der US-Investor Kleiner Perkins hat in das Team investiert. Die Kalifornier um Perkins gehören zu den erfolgreichsten Wagniskapitalgebern der Welt und haben schon den Aufstieg von Google oder Amazon finanziert. Wenn es läuft wie geplant, könnten irgendwann ähnlich viele Menschen die Anwendungen von Relayr nutzen – aber würden es wahrscheinlich gar nicht merken. Denn das Berliner Start-up entwickelt Anwendungen für das sogenannte Internet der Dinge. „Wir digitalisieren alte Rolltreppen oder Aufzüge“, erklärt Relayr-Chef Josef Brunner.

Die kanadische Bahn hat ihre Züge mit Relayr-Technik vernetzt und General Electric ist ein Großkunde. Für die Deutsche Bahn haben die Gründer Anfang des Jahres in einem Pilotprojekt Uhren an Bahnhöfen mit Sensoren ausgerüstet. Per Funk melden sie nun, wenn Störungen auftreten. So sollen falsch gehende oder ganz ausgefallene Uhren innerhalb von 48 Stunden repariert werden – statt wie bislang erst nach mehreren Tagen.

Berlin hat die meisten IoT-Start-ups

Deswegen steht auch eine Bahnhofsuhr in der Ecke des Konferenzraums von Relayr, wo am Dienstag die Technologiestiftung Berlin die erste Studie zum Thema IoT, („Internet of Things“), vorstellte. „Berlin hat die meisten IoT-Start-ups“, sagte Nicolas Zimmer, Vorstand der Technologiestiftung. Laut der Studie gibt es in Berlin 75 Unternehmen, die im Bereich Internet der Dinge aktiv sind, es folgen München (43) und Hamburg (11). Meist sind es Start-ups, allein 36 der Berliner Anbieter wurden in den vergangenen vier Jahren gegründet.

Die Zahl dürfte weiter zunehmen, denn inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Inkubatoren und sogenannten company buildern, in denen neue Start-ups aufgebaut werden. So hat der hessische Heizungsbauer Viessmann am Halleschen Tor im Vorjahr den Inkubator Wattx gestartet, wo jedes Jahr drei bis vier Start-ups mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 250 000 Euro aufgebaut werden sollen. SAP betreibt den Data Space, Cisco das Innovationszentrum OpenBerlin auf dem Euref-Campus und auch der Accelerator Atomleap hat einen Schwerpunkt auf IoT.

Harald Zapp, der einst Relayr mitgegründet hat, baut nun mit dem Unternehmen Next Big Thing ebenfalls Start-ups in diesem Feld auf. Er hat sich zudem stark dafür eingesetzt, dass in Berlin ein IoT-Hub entsteht. Das Wirtschaftsministerium fördert mit einer Digitalisierungsinitiative sogenannte thematische Hubs an zwölf Standorten - in Berlin gehört dazu neben IoT auch Fintech.

„Wir mussten hart mit München ringen, aber nun ist Berlin die deutsche IoT-Hauptstadt“, sagt Zapp. Bei den Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen in diesem Feld liegen jedoch Bayern und Baden-Württemberg vorn. Das einzige Berliner Unternehmen in den Top10 ist Ubitricity. Das Start-up entwickelt Ladesysteme für Elektroautos und rüstet dabei beispielsweise Laternenmasten zu Ladesäulen um.

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