„Kluge Grüne sind für uns als Ratgeber immer hilfreich“, sagte Autopräsident Wissmann am Montag in Frankfurt. Von Winfried Kretschmann habe er noch keine Bewerbung erhalten, sagte er auf die Frage, ob er sich einen Grünen als Nachfolger vorstellen könne. Foto: dpa
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Internationale Autoausstellung Mehr als eine Show

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Autopräsident Matthias Wissmann spricht von einer Mobilitätsmesse, glaubt an den Diesel und freut sich auf 228 Weltpremieren in Frankfurt.

994 Aussteller und damit 100 weniger als vor zwei Jahren. Matthias Wissmann, Präsident desVerbandes der Automobilindustrie (VDA) trägt es gelassen und sieht keinen Bedeutungsverlust der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt, die am Dienstag zunächst für Journalisten ihre Pforten öffnet und am Donnerstag offiziell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestartet wird. Einzelne Konzerne seien halt diesmal nicht da, sagte Wissmann am Montag kurz vor Beginn der weltweit größten Autoshow. Die IAA bleibe trotzdem nicht nur die wichtigste Automesse, sondern sei „als wichtigste Mobilitätsmesse der Welt längst mehr als nur eine Autoshow“. Im Mittelpunkt stehe der Megatrend Digitalisierung und der „Hochlauf“ der alternativen Antriebe. „Das Auto der Zukunft fährt automatisiert, vernetzt und emissionsfrei“, sagte Wissmann.

40 Milliarden für neue Antriebe

Mit Blick auf die Elektromobilität freilich werden die schätzungsweise 800 000 Besucher nur 30 Modelle deutscher Hersteller zu sehen bekommen, die heute schon zu kaufen sind. Dem stehen Wissmann zufolge rund 500 Modelle mit Verbrennungsmotor gegenüber. Die deutschen Konzerne würden aber bis 2020 rund 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe investieren, die Zahl der E-Modelle werde dann auf 100 steigen. In Europa hätten deutsche Hersteller bei Elektroautos schon heute einen Marktanteil von 50 Prozent, in Deutschland werde deren Anteil an den Neuzulassungen bis 2025 auf 15 bis 25 Prozent steigen. Zudem stecken VW und Mercedes, BMW, Porsche und Audi Wissmann zufolge bis 2020 rund 17 Milliarden Euro in das vernetzte und automatisierte Fahren.

Auch die Facebook-Chefin kommt

Auf der IAA, die in ihrer 67. Ausgabe auch durch Firmen wie Facebook – Vorstandschefin Sheryl Sandberg kommt nach Frankfurt – oder Google und durch die Verbindung von Auto, Fahrrad, Bus, Taxi und Bahn eine „völlig neue Identität von Automessen“ bringen soll, gibt es Wissmann zufolge gleichwohl wieder ein „Innovationsfeuerwerk wie bei keiner anderen Messe“. 363 neue Modelle, darunter 228 Weltpremieren, würden vorgestellt, 52 mehr als bei der letzten Schau vor zwei Jahren und damit so viele wie nie zuvor. Wie viele davon auf Elektrofahrzeuge und andere alternative Antriebe entfallen, ließ Wissmann offen.

"Der Diesel hat Zukunft"

Das Ende des Diesel sieht der VDA-Präsident noch lange nicht. „Wenn wir in Europa die Baustelle Stickoxide gelöst haben, wird der Diesel weiter eine erhebliche Rolle spielen. Es wäre strategisch falsch, jetzt auf den Diesel zu verzichten. Wir brauchen die ganze Palette von Antrieben.“ E-Autos hätten in Zukunft aber sicher die größeren Chancen als die Verbrenner, für die auch zunehmend Verbote ab dem Jahr 2030 diskutiert werden.

Der VDA-Präsident versicherte, dass die Hersteller ihre Zusagen für das Software-Update von Diesel-Autos einhalten werden. Die Updates müssten aber zunächst vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt werden. Bis 2019 könnten durch die Updates, durch die übliche Flottenerneuerung und die Prämien der Hersteller die Stickoxid-Emissionen um bis zu 14 Prozent gesenkt werden. Skeptisch ist Wissmann mit Blick auf die Hardware- Nachrüstung zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen. Bei vielen Fahrzeugen sei dies gar nicht möglich, bei anderen sehr aufwendig. Der Autopräsident räumte ein, dass „die öffentlich und politische Stimmungslage extrem anspruchsvoll ist“ und die IAA in besonderen Zeiten stattfinde. Die Branche habe aber aus Fehlern gelernt und „treibt jetzt Zukunftsthemen voran“, sagte Wissmann.

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