Von Nahem noch widerlicher: Die Bettwanze. Foto: Rentokill
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Bettwanzen Wenn der Kammerjäger dreimal klingelt

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Fast schon ausgestorben, erleben Bettwanzen in deutschen Großstädten seit zwei Jahren eine Renaissance. Berlin gehört zu bevorzugten Gebieten.

Sie kommen in der Nacht. Angelockt durch ausgeatmetes Kohlenmonoxid und durch Körperwärme. Sie beißen, bis aus einem ihrer Bohrlöcher Blut fließt. Sie saugen, dann legen sie sich wieder hin – in die Öffnung einer Tapete, in den Bettkasten, zur Not tut es auch eine Steckdose oder eine Zierleiste.

Bettwanzen sind eine echte Plage. Wer von ihnen gebissen wird, zieht sich in der Regel zwar keine schweren Krankheiten zu. Allergieanfällige Menschen leiden aber unter Juckreiz und Quaddeln. Einige bekommen schwerer Luft und müssen dann Antihistaminika einnehmen. Vor allem aber sind sie: echt eklig!

Und sie werden immer mehr. Das sagen nicht nur Kammerjäger einschlägiger Schädlingsbekämpfer wie Rentokill oder Apex. Das ist auch gesicherte Erkenntnis des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT).

Die Bettwanze (Cimex lectularius) ist weltweit auf dem Vormarsch, auch in Westeuropa. Die an den Berliner-Brandenburger Schädlingsbekämpfer-Verband gemeldeten durchgeführten Erstbekämpfungsmaßnahmen gegen Bettwanzen haben sich deutlich gesteigert, sagt auf Anfrage BCRT-Parasitologin Karolina Bauer-Dubau. So habe es 2007 exakt 210 Erstbekämpfungen in der Hauptstadtregion gegeben, 2014 waren es schon 1580 und im vergangenen Jahr immerhin 1358 Fälle mit Folgen: Der Kammerjäger musste kommen.

Ein Bettwechsel macht die Tiere misstrauisch

Der Wanzenbefall hängt nicht mit den hygienischen Bedingungen in einem Haushalt zusammen. Da sind sich alle einig, die sich professionell mit Bettwanzen beschäftigen. Die Wanzen werden in der Regel als blinde Passagiere mitgebracht. Gerne reisen sie im Scharnier eines Koffers mit oder verstecken sich in einem Souvenir, in einer Puderdose oder CD-Hülle.

Im Reisegepäck mitgebrachte Eier reichen bereits für einen Befall aus. Bettwanzen sind also schwer auszurechnen. Was also kann man tun im Falle des Falles – außer Wäsche waschen, Decken in die Sauna bringen, Alltagsgegenstände für drei Tage bei minus 18 Grad Celsius ins Tiefkühlfach legen, Matratzen austauschen, Verstecke aufspüren und beten?

Beim Auftreten von Bettwanzen ist unbedingt eine fach- und sachgerechte Schädlingsbekämpfungsfirma hinzuzuziehen, da bei unsachgemäßem Hantieren mit Insektiziden die Gefahr einer Abwanderung von Bettwanzen in bisher nicht befallene Bereiche besteht. So schwer es fällt, sollte vor allem nicht das Bett gewechselt werden. Das macht die Tiere nur misstrauisch – sie suchen an anderer Stelle nach schlafenden Opfern und krabbeln dann durchs Haus (fliegen können sie nicht). Die nachtaktiven, lichtscheuen Tiere verstecken sich tagsüber in allen denkbaren Schlupflöchern.

Schädlingseinsätze wachsen zweistellig

„Bettwanzen können locker sechs Monate ohne Blutmahlzeit überleben“, sagt Rentokill-Sprecherin Astrid Wozniak mit einem Lächeln in der Stimme. Auch sie berichtet von stetig wachsenden Einsatzzahlen: „2014 waren wir von Rentokil 500 Mal im Einsatz gegen Bettwanzen. Zum Vergleich: 2015 haben wir 6500 befallene Hotelbetten behandelt. Wir wachsen deutschlandweit im zweistelligen Bereich, wenn wir den Auftragseingang zu Bettwanzen betrachten.“ In der Betrachtung der Monate Januar bis Juni 2016 wurden von Wozniaks Unternehmen im Raum Stuttgart, Berlin, Frankfurt und Düsseldorf die meisten Bettwanzen-Aufträge erledigt.

Mit den Besucherzahlen von Bettwanzen steigen die Besucherzahlen auf den einschlägigen Online-Seiten. Rentokill hatte von 2014 zu 2015 rund 34 Prozent mehr Besucher auf den Bettwanzen-Informationsseiten. Die Zahl für Leipzig sei zum Vergleich um 24 Prozent gestiegen, berichtet Wozniak.

In den fünfziger Jahren waren Bettwanzen durch den großflächigen Einsatz von Pestiziden wie DDT so gut wie ausgestorben. Ihre Renaissance erleben Bettwanzen aufgrund einer Vielzahl von Faktoren, wie dem Verbot von DDT sowie die Abkehr von flächendeckendem Versprühen von Insektiziden. Dazu tragen auch der weltweite Flugverkehr, die Zunahme von internationalen Reisen und der weltweite Warenverkehr bei.

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