Fast 170 Millionen Euro hat das Ludwig-Erhard-Haus gekostet - deutlich mehr als geplant. Foto: imago/Schöning
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IHK Berlin Millioneneinsparung durch Immobilienkauf

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Die IHK kauft das Ludwig-Erhard-Haus, spart dadurch 7,3 Millionen und kann deshalb die Beiträge reduzieren.

Es ist fast schon eine Tradition geworden, dass die Berliner IHK das Jahr mit einer guten Nachricht beginnt. Von der guten Konjunktur in der Hauptstadt profitiert auch die Kammer, sodass die Mitgliedsbeiträge mehrfach reduziert werden konnten. Die jüngste Entlastung hat jedoch einen anderen Grund: Die IHK kauft ihr Domizil an der Charlottenburger Fasanenstraße von einem Fonds und spart künftig 7,3 Millionen Euro Leasinggebühren im Jahr. „Die Entlastung wird direkt an die IHK-Beitragszahler weiter gegeben“, teilte die IHK am Freitag mit. Die rund 300 000 Mitglieder (8000 mehr als vor einem Jahr) zahlen rund 20 Prozent weniger – sofern sie überhaupt beitragspflichtig sind. Mehr als die Hälfte der Gewerbetreibenden ist von den Beiträgen befreit, da ihr Gewinn unterhalb der Beitragsgrenze liegt.

Das "Gürteltier" wurde viel zu teuer

Am Freitagabend auf dem Neujahrsempfang von IHK und Handwerkskammer lobte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm den Kauf des Ludwig-Erhard- Hauses als eine „sinnvolle und zukunftsgerichtete“ Investition. Das markante Gebäude an der Fasanenstraße mit dem Spitznamen „Gürteltier“ war nach einem Entwurf des britischen Architekten Nicola Grimshaw gebaut und 1998 eröffnet worden. Wie so viele andere in Berlin ging auch dieses im Überschwang der Nachwendezeit schief. Die Kammer übernahm sich, das Haus wurde mit 168 Millionen Euro erheblich teurer als geplant, und die mögliche Miete erreichte nie die veranschlagten gut 35 Euro je Quadratmeter. Tatsächlich waren über viele Jahre kaum mehr als zehn Euro zu erlösen.

Die IHK zahlte jetzt 26,5 Millionen Euro

Nach eigenen Angaben hat die IHK nun 26,5 Millionen Euro für das Haus gezahlt. Der Wert des Hauses ist erheblich höher, aber unter anderem durch die Verrechnung mit Darlehensforderungen, die die Kammer an den Fonds hatte, wurden nur 26,5 Millionen Euro fällig. Dafür reichten die Rücklagen der Kammer, die seit Jahren für den Kauf den Gebäudes gebildet worden waren.
Das Ludwig-Erhard-Haus hat einen Nutzflächen von gut 30 000 Quadratmeter, knapp die Hälfte davon nutzt die IHK selbst. Die Wirtschaftsförderung Berlin Partner ist einer der größten Mieter, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und die Berliner Börse sind ebenso an der Fasanenstraße ansässig wie der Business Immigration Service der Ausländerbehörde.

2000 Gäste beim Neujahrsempfang

IHK-Präsidentin Kramm und ihr Handwerkskollege Stephan Schwarz begrüßten am Freitagabend rund 2000 Gäste zum Neujahrsempfang. „Die Wirtschaft läuft rund, die Zahl der Arbeitsplätze steigt, das ist vor allem Ihr Verdienst“, begrüßte Kramm die Gäste aus Wirtschaft und Politik. Schwarz sprach im Rückblick auf 2017 von einem „großartigen, geradezu rekordverdächtigem Jahr“ für die Handwerker. „Erfolgreich und sexy – das ist Berlin", könnte nach Einschätzung von Schwarz bald den Spruch „arm, aber sexy“ ersetzen. Kramm erinnerte an die mit einem Überschuss von zwei Milliarden Euro gut gefüllte Landeskasse und forderte einen Modernisierungs- und Investitionsschub, auch in der Verwaltung. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte das in seiner Ansprache zu und bekräftigte die Bereitschaft des Senats, auf das Jahrzehnt des Sparens nun ein Jahrzehnt des Investierens folgen zu lassen.

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