Game Design an der HTW: Studierende nutzen den Mini-Computer "Raspberry Pi" für neue Spielideen. Foto: Game Changer Institute, HTW Berlin
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Hochschulen Spielebauer gesucht

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Die Games-Industrie in Berlin boomt, die Firmen werben an den Hochschulen um Nachwuchs. Beim „Game Space“ der HTW zeigen Studierende ihr Können.

Der Spieler steht breitbeinig auf einem wackeligen Brett, die Hände umklammern einen Haltegriff. Auf dem Kopf trägt er etwas, das wie eine Skibrille aussieht, tatsächlich aber ein Virtual-Reality-Brille ist. Das Hightech-Gerät zaubert vor seine Augen eine dreidimensionale Spielwelt namens „InVert“, durch die er mit irrsinniger Geschwindigkeit rast. Hindernissen weicht er durch Gewichtsverlagerungen aus, die von dem Wackelbrett registriert werden. Was um ihn herum passiert, bekommt der Spieler nicht mit – er ist voll und ganz in der virtuellen Realität (VR) versunken.

Entwickelt wurde „InVert“ an der Berliner HTW. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft bietet seit 2009 einen Bachelor-Studiengang Game Design an. Noch diesen Samstag zeigt das „Game Changer Institute“ auf dem Campus Wilhelminenhof in Oberschöneweide die Praxisarbeiten von Studierenden. Das Ganze läuft unter dem Titel „Game Space 2016“. Den Anfang machte am Donnerstag eine Jobbörse, bei der sich Spielefirmen und Studierende gegenseitig beschnuppern konnten. Die Ausstellung wiederum steht jedem offen, der sich für Computerspiele und deren Herstellung interessiert. Viele der rund 25 Exponate können die Besucher selbst ausprobieren – vom VR-Abenteuer bis hin zum Plüsch-Fisch, der mit seiner Umgebung kommuniziert.

Die hiesigen Spielefirmen können Nachwuchs gut gebrauchen. Denn in Berlin und Brandenburg wächst die Games-Branche stärker als die Film-, TV- oder auch die Internetindustrie. Zwischen 2013 und 2014 kamen nach Angaben des Medienboards Berlin-Brandenburg 16 Prozent neue Spielejobs hinzu. 11 500 Menschen arbeiten in diesem Wirtschaftszweig. Zu den größten Spieleproduzenten der Region zählen Firmen wie Yager, GameDuell oder auch Wooga, das derzeit 300 Mitarbeiter beschäftigt und Spiele für Browser, Smartphones und Tablets produziert. Daneben gibt es eine ganze Reihe kleiner, dynamischer Start-ups, etwa die App-Produzenten Stratosphere Games oder das Duo Maschinen-Mensch mit dem PC-Spiel „The Curious Expedition“. Auch der Branchenverband BIU hat in Berlin seinen Sitz, in jedem Frühjahr findet hier mit der International Games Week ein bedeutender Fachkongress statt.

Freiraum für Entwicklung

Die HTW ist eine von mehreren Hochschulen, an der Studierende das Spielebauen lernen können. Möglich ist das unter anderem an der Uni Potsdam, an der UdK oder an privaten Einrichtungen wie Games Academy oder der Mediadesign Hochschule. Weil es in der Branche viele verschiedene Jobs gibt, unterscheiden sich auch die Ausbildungsmöglichkeiten stark. An der HTW beispielsweise gibt es zwei Grundrichtungen: „Game System Design“, also die konzeptionelle Arbeit an Spielen, und „Visual Design“, bei dem es primär um die Gestaltung von Spielwelten geht. „Die Übergänge zwischen beiden Bereichen sind aber fließend“, sagt Thomas Bremer, der eine von zwei Professorenstellen innehat. Der Bachelor an der HTW soll Studierenden genügend Freiraum geben, ihre Talente zu entwickeln. „Sie können sich dann über Projektarbeiten profilieren“, sagt Bremer. Und die Nachwuchsarbeit setzt früh an. So sollen sich beim „Game Space“ auch Schüler über ein mögliches Studium informieren können. „Wenn man gerne Computer spielt, heißt das aber noch lange nicht, dass man Spaß an ihrer Herstellung hat“, gibt allerdings Bremer zu bedenken. „Das ist nämlich durchaus harte Arbeit.“

An der Jobbörse der HTW nahmen in diesem Jahr rund 20 Unternehmen teil. Neben Yager („Dreadnought“) und Aeria Games („S4 League“) waren auch kleinere Firmen wie Kunst-Stoff („The Great Jitters“) und Studio Fizbin („The Inner World“) vor Ort, um sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. „Grundsätzlich sind wir eigentlich in allen Bereichen stets auf der Suche nach jungen Talenten“, sagt Jens Begemann, Gründer und Chef des Berliner Großstudios Wooga. „Aktuell haben wir besonderen Bedarf in den Bereichen Entwicklung und Produktmanagement.“ Konkret seien das zum Beispiel Nachwuchskräfte, die Level entwerfen und in der Grafik-Engine „Unity“ programmieren können, so Begemann. Wooga arbeite eng mit der HTW und der Mediadesign Hochschule zusammen, um den Fachkräftebedarf zu stillen. Viele der Exponate bei „Game Space“ dienen denn auch als Bewerbungsmaterial. Den Besuchern jedenfalls bereiten Spiele wie „InVert“ großen Spaß.

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