Seit 2014 ist der CSU-Politiker aus Franken Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, nachdem er sich vorher als Außen- und Rüstungspolitiker in der Union profiliert hatte. Foto: Britta Pedersen/dpap

Ernährungsminister im Interview Schmidt: „Wir sollten Fleisch nicht verramschen“

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Ernährungsminister Christian Schmidt über Lockangebote des Handels, die Ahnungslosigkeit der Lehrer und gesunde Rezepturen der Ernährungsindustrie.

Herr Schmidt, wie oft gehen Sie einkaufen?
Zwei Mal im Monat.

Was kaufen Sie?
Die Dinge des täglichen Bedarfs. Und ich nutze natürlich auch die Gelegenheit, mir einen Überblick über die Lebensmittelpreise zu verschaffen. Mich interessiert, wie hoch die Preise sind und wie sie sich entwickeln. Nehmen Sie die Milch. Da gibt es Riesenunterschiede zwischen der No-Name-Milch und den teuren Marken, wo man auch schon mal 1,19 Euro für den Liter zahlt.

Wie wichtig ist der Preis für Sie?
Mir ist zuerst die Qualität wichtig, und dann kommt der Preis. Ich schaue auch auf Labels und suche vor allem nach regionalen Produkten.

Ihr Ministerium war ja maßgeblich an der Entwicklung des Regionalfensters beteiligt, das regionale Produkte kennzeichnen soll, aber im Handel sieht man das kaum. Ist das Projekt gescheitert?
Überhaupt nicht. Das Regionalfenster hat sich gut etabliert, heute sind über 4000 Produkte damit ausgezeichnet. Dass Ihnen die Produkte in Berlin weniger auffallen, liegt an einem Nord-Süd-Gefälle. Im Süden ist die regionale Markenbindung ausgeprägter. In Nord- und Ostdeutschland sehe ich da noch große Marktpotenziale.

In einer Marktwirtschaft sollte der Preis der Spiegel des Werts eines Produktes sein, warum ist das bei Lebensmitteln nicht so?
Lebensmittel werden zu oft als Lockangebote eingesetzt. Das ist vor allem bei Fleisch so. Die Sonderangebote bringen die Leute in den Laden. Das kann man aus Händlersicht verstehen, aber es konterkariert unsere Vorstellung von Qualität und dem angemessenen Preis von Fleisch. Ich wünschte allerdings auch, dass die Verbraucher stärker den Zusammenhang von Qualität und Preis akzeptieren. Unsere qualitativ hochwertigen Lebensmittel müssen ihren Preis wert sein und dürfen nicht verramscht werden.
Dem Handel ist es wettbewerbsrechtlich untersagt, Waren unter Einstandspreis zu verkaufen. Aber kontrolliert irgendjemand, ob sich die Supermärkte auch daran halten?
Den Verkauf unter Einstandspreis und das Anzapfverbot, bei dem sich Händler von Lieferanten dafür bezahlen lassen, dass sie deren Waren im Sortiment haben, haben wir erst kürzlich verschärft. Vor allem gibt es jetzt eine rechtliche Definition des Einstandspreises, an dem sich die Wettbewerbsbehörden orientieren können. Damit kann das Verbot zukünftig effektiver kontrolliert und durchgesetzt werden.

In Deutschland landen jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Man bräuchte 440 000 Sattelschlepper, um diese zu transportieren. Agrarminister beißen sich seit Jahren an diesem Thema die Zähne aus. Warum schaffen Sie es nicht, mehr Lebensmittel vor dem Müll zu retten?
Wir haben das Thema in das Bewusstsein der Menschen gerückt, das ist ein entscheidender Schritt nach vorn. Unsere erfolgreiche Initiative „Zu gut für die Tonne“, die Menschen darüber informiert, wie sie zu Hause Lebensmittelabfälle vermeiden können, bauen wir jetzt zu einer nationalen Strategie gegen Lebensmittelverschwendung aus. In diesem Zug werden wir auch die Datenlage verbessern, um noch genauer zu wissen, wo wie viel weggeworfen wird. Außerdem habe ich zwei neue Einrichtungen ins Leben gerufen, um die Information der Verbraucher zu verbessern: das nationale Qualitätszentrum für Schulessen und das Bundeszentrum für Ernährung. Ich finde, Ernährungsbildung muss bereits in der Schule beginnen.

Wie soll das gehen?
Wir brauchen unbedingt ein Schulfach Ernährungsbildung.

Das die Kultusminister ablehnen.
Die Diskussionen sind nicht einfach, aber ich werde in Kürze eine Studie vorstellen über die Ausbildung der Lehrer im Bereich Ernährungswissen. Die wird zeigen, dass hier dringender Nachholbedarf besteht.

Inwiefern?
Es gibt nur in sechs Bundesländern Lehrstühle, die sich mit der Ernährungswissenschaft beschäftigen. Die Ausbildung der Lehrer ist aber Voraussetzung für eine gute Ernährungsbildung. Und die Grundlagen guter Ernährung werden im Kindesalter gelegt, deshalb habe ich ein Institut für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut eingerichtet. Aber Bildung und die Institute sind nur ein Teil beim Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung. Wir müssen alle Stellschrauben nutzen, die wir haben, etwa auch beim Mindesthaltbarkeitsdatum.

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