Da steppt der Eisbär: Die russische Provinz Jamal auf der Grünen Woche. Foto: imago/Mike Schmidt
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Ernährungsmesse in Berlin Russland kehrt auf die Grüne Woche zurück

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Nach zweijähriger Abstinenz ist das Land in diesem Januar wieder bei der Ernährungsmesse in Berlin dabei – in abgespeckter Form.

Freunde der russischen Folklore und Liebhaber von Kaviar, Blinis und Co. können sich freuen: Nach zweijähriger Abstinenz wird Russland im nächsten Januar erstmals wieder an der Grünen Woche teilnehmen. Das teilte der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow am Donnerstag mit. 2016 und 2017 hatten Besucher auf der weltgrößten Ernährungsmesse in Berlin vergeblich nach russischen Ständen gesucht. Die EU hatte in der Krimkrise Wirtschaftssanktionen gegen das Land verhängt, die am Donnerstag bis Mitte 2018 verlängert worden sind. Im Sommer 2014 hatte Russland im Gegenzug ein Embargo gegen westliche Agrarprodukte ausgesprochen, das auch noch immer anhält.

Russen wollen Geschäfte machen

Die Rückkehr auf die Messe ist für Tkatschow ein Zeichen der Stärke. „In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft in Russland zu einer der erfolgreichsten Branchen der nationalen Wirtschaft entwickelt“, sagt der Minister. „Wir sind nun in der Lage, den Binnenmarkt mit unseren Produkten zu sättigen, und fangen an, Außenmärkte aktiv zu erobern.“ Der Auftritt in den Berliner Messehallen soll deshalb auch vor allem dazu dienen, Geschäfte einzufädeln. Eine spezielle Matchmaking-Zone soll Geschäftstreffen zwischen russischen Exporteuren, Lieferanten und ausländischen Käufern aus aller Welt ermöglichen. Auf der Grünen Woche, die am 19. Januar beginnt, sind über 1600 Aussteller aus 65 Ländern vertreten. Viele sind seit Jahren dabei, ein Land hat Premiere: Erstmals nimmt der Golfstaat Katar teil, Partnerland ist in diesem Jahr Bulgarien.

„Die ganze Welt kommt auf der Messe zusammen“, betont Messe-Sprecher Wolfgang Rogall, „es gibt unzählige Handelsgespräche“. Allerdings merken die mehr als 400 000 Besucher, die durch die Länderhallen schlendern oder Kühe streicheln, davon nichts.

Eisbären aus Plüsch, Hostessen im Fellmantel

Sie werden die russische Renaissance vor allem wegen der Stände aus verschiedenen Regionen des Landes bemerken, darunter Kirov und Jamal aus Sibirien. Langjährigen Messebesuchern dürfte vor allem der Auftritt Jamals mit Plüscheisbären, felltragenden Hostessen und Fake-Lagerfeuern in Erinnerung sein. Im Angebot gibt es auch dieses Mal jede Menge Fisch, aber auch Zederkernbonbons, Wilddelikatessen und Süßigkeiten aus Pinienkernen und natürlichen Beeren. Für das Fachpublikum bringt Tkatschow eine Baufirma mit, die Holzhäuser aus Leimbindern baut, sowie Hersteller von Mineraldünger und Saatgut für Industriepflanzen. Eine eigene Halle wie früher wird Russland aber nicht beziehen. Statt der 6000 Quadratmeter in Halle 2.2 mietet sich Russland in diesem Januar auf 1000 Quadratmetern in Halle 6.2a ein. Dennoch ist der Agrarminister optimistisch: Er sei zuversichtlich, dass die Handelbeziehungen zwischen Russland und den an der Grünen Woche teilnehmenden Ländern durch die russischen Präsentationen gestärkt würden, sagte Tkatschow.

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