Mit der Augmented-Reality-Standard Tango von Google platziert der iVisualiser von BMW das Wunschauto in jedes genügend große Zimmer. Screenshort: Sagatz
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Ein Jahr nach "Pokémon Go" Mit dem Asus ZenFone AR ins Möbel- oder Autohaus

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Den neuen i3 von BMW virtuell in die eigene Garage stellen, das Wunschsofa bereits vor dem Kauf im eigenen Wohnzimmer sehen, mit Augmented Reality und dem Asus ZenFone AR ist das möglich. Ein Test des neuen Smartphones.

Berlin - Wer früher einen neuen PKW kaufte, besuchte davor vier bis fünf Mal das Autohaus der Wahl, um sich den neuen fahrbaren Untersatz von allen Seiten anzuschauen. Heute – im Zeitalter des Internets – suchen die Käufer das Autohaus nur noch einmal auf, erzählt Stefan Biermann, bei BMW für den Bereich Innovations Sales verantwortlich ist. Eine dieser Innovationen, mit denen die Automobilmarke künftige Käufer umwirbt, heißt BMW iVisualiser und ist eine App, mit der man sich sein neues Auto virtuell schon einmal in die eigene Garage stellen kann.

Der iVisualiser nutzt die Augmented-Reality-Technik, kurz AR genannt. Mit AR werden virtuelle Gegenstände in eine reale Umgebung platziert – wie im vergangenen Jahr beim Spiele-Hype „Pokémon Go“. An die Stelle der Spielfiguren treten in der BMW-App die neuen i3 und i8. Biermann bevorzugt die AR-Technik, weil man dabei im Gegensatz zu VR keine Brille aufsetzen muss. Bei Augmented Reality funktioniert das Smartphone wie eine Brille, die Dinge sichtbar macht, die man sonst nicht sehen würde – wobei das Smartphone-Display die Brillengläser ersetzt.

Ein Smartphone tanzt Tango

Damit man das eigene Traumauto von allen Seiten betrachten und konfigurieren kann – für Lackierung und Innenraum stehen verschiedene Farben zur Auswahl, zudem kann unter mehreren Felgen gewählt werden – wird jedoch ein Mobilgerät benötigt, dass die AR-App unterstützt – so wie das neue Asus ZenFone AR, das am Montag auf den Markt kommt als erstes Smartphone Googles Augmented-Reality-Standard Tango unterstützt. Zu den optischen Auffälligkeiten des neuen Smartphones gehört darum die große Sensor-Einheit auf der Rückseite des Geräts mit seinem 5,7 Zoll großen Super-Amoled-Display.

Neben einer 23-Megapixel-Kamera befindet sich eine zweite Kamera zu Bewegungserfassung und eine Infrarot-Tiefenmesskamera (die den Raum zentimetergenau erfasst, um die virtuellen Objekte passgenau platzieren zu können) auf der Unterseite. Denn egal, ob es sich um ein neues Auto handelt oder etwas anderes – der Eindruck, dass man durch das Smartphone auf ein reales Objekt schaut, bleibt nur erhalten, wenn es die Position beim Betrachten von allen Seiten exakt beibehält. Das gilt auch für die Ankleidepuppe aus dem Dressing Room der Mode-App von GAP, für die diverse Kleidungsstücke aus der Damen- und Herrenkollektion bereit stehen. Größe und Form der Sachen lassen sich mit einem Fingertip ändern. Und wenn man sich mit dem Smartphone der AR-Puppe nähert, kann man sogar Details wie eine Knopfleiste so sehen, als stünde man wirklich davor.

Tango-Apps wie die von BMW oder GAP gibt es bereits jetzt einige Dutzend. Auf dem Testgerät, dass Asus dem Tagesspiegel zur Verfügung gestellt hat, befand sich ein Einrichtungs-Programm, mit dem man sich probeweise ein Sofa oder einen Beistelltisch ins eigene Wohnzimmer stellen kann. Der große Vorteil: Man sieht genau, wie sich der neue Einrichtungsgegenstand im vorhandenen Mobiliar macht. Auf das Interieur kommt es bei der App BikeConfig AR hingegen nicht an. Mit ihr werden individuelle Fahrräder zusammengestellt. So lässt sich zum Beispiel ein „Specialized“-Mountainbike nach den eigenen Bedürfnissen konfigurieren.

"Pokémon Go" war erst der Anfang

Ein wichtiges Thema ist AR zudem für Computerspiele, wie bereits „Pokémon Go“ gezeigt hat. Auf dem ZenFone sind weitere Games wie „Slingshot Island“ sowie die „Sims“ installiert, mehr gibt es im Play Store. Die Auswahl dürfte weiter steigen, wenn mehr Tablets und Smartphones den Tango-Standard unterstützen.

Das Asus ZenFone AR unterstützt mit seinem für Augmented Reality optimierten Snapdragon-Prozessor jedoch nicht nur den Tango-Standard, sondern ebenso Googles VR-Umgebung Daydream. Zu Daydream gehört eine spezielle VR-Brille, in die ein Smartphone wie das ZenFone eingesetzt wird. Die Steuerung mit einem kleinen Stick ist tatsächlich sehr leicht zu erlernen, so dass man sich schnell in den virtuellen Welten mitsamt Videos, Spielen und Anwendungen zurechtfindet. Das ZenFone hat sich bei unserem Tests sogar deutlich weniger erwärmt als das Pixel, was für die Leistung des Asus-Gerätes spricht.

Das taiwanesische Unternehmen, das sich anfangs als Hersteller von Mainboards für Computer einen Namen gemacht hat, will mit dem ZenFone AR in der iPhone-Liga mitspielen. Dazu passt der Preis: mit 128 Gigabyte Speicher und in der Farbe Charcoal Black kostet das Asus-Smartphone 899 Euro, 30 Euro mehr als das vergleichbare iPhone 7. Die Asus-Komponenten entsprechen aber der Preisklasse, das gilt für die ausgezeichnete, optisch stabilisierte 23-Megapixel-Kamera und das dazu passende hochauflösende Display (2560 Mal 1440 Bildpunkte) mit seinen satten Farben sowie das Lautsprechersystem mit fünf Magneten, die sowohl für klare Höhen als auch einen angenehmen Bass sorgen. Der fest verbaute Akku kommt auf eine Standby-Zeit von bis zu zwölf Tagen, was für ein Android-Handy (Version 7.0 Nougat) ein sehr guter Wert ist. Genügend Platz – und zwar ganz realer – wird übrigens auch benötigt, um den iVisualiser von BMW zu nutzen. Da die Autos im Maßstab 1:1 zu sehen sind, wird eine freie Fläche von vier mal vier Metern gebraucht, damit der neue 7er nicht unvermittelt in der Mauer endet. Kurt Sagatz

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