Die Logistik ist eine Branche, in der Helferjobs am meisten gefährdet sind. Foto: picture alliance / Uwe Zucchi
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Effekte der Digitalisierung Ohne eine Ausbildung schwinden die Chancen

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In Berlin werden in den kommenden Jahren vor allem Helferjobs wegfallen. Trotzdem hat die Digitalisierung nicht nur negative Folgen.

In einigen Berliner Branchen könnte jeder fünfte Helferjob bis zum Jahr 2030 wegfallen. Der Grund: Die Tätigkeiten werden im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ausgeführt oder komplett überflüssig. Zu dieser Prognose kommt zumindest eine Studie, die die Industrie- und Handelskammer Berlin in Auftrag gegeben und am Montag vorgestellt hat. Auf Grund des zunehmenden autonomen Fahrens und Online-Shoppings seien Arbeitsplätze im Bereich Verkehr und Transport sowie im Einzelhandel am stärksten gefährdet.

Insgesamt würden in den kommenden zwölf Jahren 25000 Arbeitnehmer weniger benötigt als jetzt – das entspreche 1,8 Prozent der aktuell abhängig Beschäftigten in der Hauptstadt. Doch das sei nicht nur schlecht: Selbst mit dem Wegfall von Jobs würden bis 2030 mehr als 150000 Fachkräfte fehlen. Ohne die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt wäre dieser Engpass also noch sehr viel höher. Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Informations- und Kommunikationsberufen würden durch die Digitalisierung zudem mehr Stellen entstehen.

Woran sich die Menschen gewöhnen müssen

„Die Digitalisierung ist mitnichten der oft beschworene Jobkiller“, sagt IHK-Präsidentin Beatrice Kramm. Dennoch räumt sie ein, dass Qualifizierung zu einem immer wichtigeren Thema wird, weil die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ohne eine Ausbildung immer mehr schwinden werden. Das bestätigt eine IHK-Umfrage unter 800 Betrieben. Von denen sagen 42 Prozent, sie werden künftig mehr Fachkräfte brauchen, gleichzeitig gibt fast die Hälfte an, weniger Helfer zu benötigen. „Schon heute brechen viele Jugendliche in Berlin die Schule ab und haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Solche Probleme werden sich verschärfen“, sagte Constantin Terton von der IHK Berlin. Die Menschen müssten sich außerdem daran gewöhnen, stets dazuzulernen, vor allem, was digitale Kompetenzen betrifft, und auch daran, öfter den Job oder sogar das Berufsfeld zu wechseln.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group kommt in einer Studie zu einer drastischeren Vorhersage: Computer und Maschinen würden bald 40 Prozent aller beruflichen Tätigkeiten in Deutschland verrichten können. Das bedeute, dass bis zum Jahr 2025 die Stellen von 7,7 Millionen Beschäftigten von der Automatisierung betroffen seien – und dabei handele es sich „keinesfalls nur um Geringqualifizierte“. Es lohne sich immens, in die Weiterbildung der betroffenen Arbeitnehmer zu investieren. Auch deswegen, weil das günstiger sei als die Versorgung von mehreren Millionen Arbeitslosen.

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