An zwei Tagen diskutieren Expertinnen und Experten unter anderem über Fragen des Diversity Managements. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Diversity-Konferenz Eine Frage von Werten

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Die Digitalisierung könnte eine Chance für mehr Vielfalt in den Unternehmen sein. Bis zur Gleichstellung wird es aber noch eine Weile dauern.

Dass die moderne Arbeitswelt vielfältig sein muss, fängt schon bei den Werten an, die jeder Einzelne hat. Mancher ist ehrgeizig und leistungsorientiert. Ihm macht es nichts, Überstunden zu machen. Jemandem, der genügend Zeit für Freunde, Familie oder einfach sich selbst haben möchte, aber schon. Mal ist Sicherheit das, was antreibt, mal Freiheit. Und je nachdem, wie man tickt, so möchte man auch arbeiten.

Als sich das SPD-geführte Arbeitsministerium in der vergangenen Legislaturperiode mit dem Thema Arbeit 4.0 beschäftigte, konzipierte es unter anderem einen Test, der zeigt, welche Werte einem wichtig sind. Das beschrieb Benjamin Minkfeld, der dafür mitverantwortlich war, in seinem Vortrag bei der Diversity-Konferenz. „Denn das zeigt auch, wie verschieden die Wünsche der Menschen nach anderen Arbeitszeiten sind“, sagte er. „Was ja gerade ein riesiges Thema ist.“ Ein Teil will in festen Grenzen arbeiten, der andere flexibel und frei entscheiden. Wenn die Unternehmen darauf Rücksicht nähmen, hätten vor allem Frauen in Zukunft mehr Chancen, in allen Lebensbereichen zufrieden zu sein.

Führung und Karriereverläufe ändern sich

Inwiefern die Digitalisierung der Arbeitswelt speziell Frauen nützen kann, erläuterte auch Kira Marrs, Soziologin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München. Ein Punkt sei, dass sich Führung enorm verändere. Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Aufgaben sei eine Führungskraft zunehmend auf ihr Team angewiesen. „Der durchsetzungsstarke Macher ist da – freundlich ausgedrückt – dysfunktional“, sagt Marrs. Außerdem werde es immer beliebter, eine Führungsstelle auf Zeit auszuprobieren oder sich eine Führungsstelle zu teilen.

Was Frauen noch zugute kommen könnte, sei, dass sich Karriereverläufe wandeln. Der lineare Lebenslauf ohne Lücken, ohne Pausen, der sich an der Vorstellung des männlichen Haupternährers orientiert habe, sei immer weniger ein Muss. „Ich sehe da Chancen für ein neues, offeneres Verständnis, das sich mehr an den realen Lebensphasen orientiert“, sagt Marrs.

Erst Anfang dieser Woche zeigte ein Bericht der OECD: Bis zur Gleichstellung ist es noch ein weiter, anstrengender Weg. Sie hat Löhne, Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Männern und Frauen in den 35 Mitgliedstaaten untersucht und danach habe sich in Deutschland, das im Mittelfeld liegt, in den vergangenen fünf Jahren nur sehr wenig getan. Während Männer eine Rolltreppe hochfahren, würden sich Frauen noch immer abmühen, die Treppenstufen eines Bergs hinaufzusteigen, beschreibt das die Studie.

Menschen sollte man nicht zu schnell einordnen

Ana-Cristina Grohnert, Generalbevollmächtigte der Allianz Deutschland und Vorstandsvorsitzende des Vereins „Charta der Vielfalt“, appelliert in ihrer Begrüßung zur Diversity-Konferenz deswegen an die nächste Regierung. Wenn die Jamaika-Sondierungen gelingen würden, hätten sich ja immerhin schon Partner zusammengerauft, die „vielfältiger nicht sein dürften.“

Für den Hauptredner des ersten Tages, Wolfgang Huber, deutscher evangelischer Theologe und früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, steigere Vielfalt die Leistungsfähigkeit eines Teams. Denn: „Die Zusammenarbeit wird vielleicht nicht einfacher, aber kreativer und spannender.“ Zugleich warnte er aber vor Typisierungen, die Menschen auf ein Identitätsmerkmal reduzieren, das sie zum Teil einer Gruppe macht.

Selbst die Charta der Vielfalt verwende solche Typisierungen. Es heiße, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität zu achten. Doch „damit werden diejenigen Merkmalsmuster aufgegriffen, nach denen Menschen üblicherweise unterschieden werden. Dieser Weg lasse sich nur schwer vermeiden. Er sei aber wichtig, denn man kenne einen Menschen eben nicht schon, wenn man ihn einordnen könne.

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