Konzerne verdienen gut daran mit, wenn Verbraucher sich vornehmen, ein paar Kilo abzunehmen. Foto: dpa
p

Die Fett-weg-Industrie Wie Konzerne am Abnehm-Kult verdienen

21 Kommentare

Nahrungs- und Pharmahersteller, Textil- und Elektronikbranche, Diätkurs- und Fitnessanbieter: Sie alle machen unsere Sehnsucht nach einer Traumfigur zu Geld. Teils ohne jede Berechtigung

Talkmasterin Bärbel Schäfer, Schauspielerin Christine Neubauer, Fernsehkoch Tim Raue: Sie alle haben mit dem Prinzip Weight Watchers Gewicht verloren. Jetzt machen die Prominenten Werbung für den US-amerikanischen Konzern, und das hat der auch dringend nötig – gut ein Sechstel aller Kunden sind dem weltgrößten Diät-Unternehmen im vergangenen Jahr abhanden gekommen, der Umsatz brach um elf Prozent ein.

Dabei ist die Zielgruppe groß genug: Jede zweite deutsche Frau bringt laut dem bundeseigenen Robert-Koch-Institut mehr auf die Waage, als gut für sie ist, und sogar zwei von drei Männern. Bei allem Magerwahn hegen viele also zu Recht den Wunsch, ein paar Kilo leichter zu werden. Offenbar begeistern die sich aber immer weniger für Gruppentreffen und Punkte-Zählen, wie das bei Weight Watchers funktioniert. Zahlreicher werden dagegen Angebote, die gleiche Erfolge mit weniger Zeit- und Nervenaufwand versprechen.

Die Sehnsucht nach einer Traumfigur ernährt eine ganze Industrie: Medizintechnik- und Pharmafabrikanten, Nahrungsmittel- und Sportartikelhersteller, Diät- und Fitnessanbieter. An die 100 Milliarden Euro haben alle zusammen 2012 in Europa eingenommen. Allein mit den umstrittenen Lightprodukten erwirtschaften deutsche Lebensmittelkonzerne Milliarden, 900 Millionen gaben Deutsche für Nahrungsergänzungsmittel aus, 140 für Schlankmacher in Pillen- und Pulverform.

In Sättigungspillen steckt Flohsamen

Die Stiftung Warentest hat 20 von ihnen getestet. Für keinen von ihnen, heißt es im Fazit, sei belegt, dass sich damit deutlich abnehmen, geschweige denn das Gewicht halten ließe. Unabhängige Studien konnte keiner der Hersteller vorweisen. Dafür stießen die Tester in den Produkten auf Bestandteile von Bohnen oder Krebstieren, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Sättigungspillen, die meist Flohsamen enthalten, führten vor allem zu Verstopfung. Bei sogenannten Fatburnern, die die Verbrennung ankurbeln sollen, raten Wissenschaftler zur Vorsicht: Sie können die Wirkung fettlöslicher Medikamente beeinflussen, auch die der Antibabypille, machen schwanger statt dünner.

Eingebildeter Vitaminmangel

Viele Lebensmittel täuschen nur vor, gesund zu sein

Nicht mehr zu viel versprechen

Formula-Diäten wie Slimfast oder Almased, Eiweiß-Pulver zum Anrühren mit Milch oder Wasser können helfen, Körpermasse zu reduzieren. Die Gefahr, dass man bei der Rückkehr zu einer normalen Ernährung bald wieder das Ausgangsgewicht erreicht, ist aber groß (siehe anonyme Erlebnisberichte am Ende). Zudem drohten Kreislauf- und Konzentrationsschwächen wegen akuten Energiemangels, moniert die Stiftung Warentest.

Beate Uhse ist pleite

Ryanair lenkt im Pilotenstreit ein

Russland kehrt auf die Grüne Woche zurück

Konzernchef Tom Enders geht 2019

BVG rüstet Diesel-Doppeldecker nach

„Solche Mittel machen allenfalls bei extrem übergewichtigen Menschen Sinn und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden“, sagt Martin Siewers, Sportmediziner an der Universität Kiel. Die deutsche Lebensmittelgesellschaft warnt, viele über das Internet erhältliche Produkte entsprächen nicht hiesigen Standards, speziell russische oder chinesische Firmen verwendeten den in Deutschland verbotenen Appetitzügler Sibutramin. Der kann zu Magen-Darm-Beschwerden und sogar Herzrasen führen.

Zur Startseite