Berliner Start-ups locken immer mehr Investoren - bundesweit sinkt der Anteil der Wagniskapitalgeber Foto: Paul Zinken/dpa
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Deutscher Start-up Monitor Wie Berlin die Gründer-Szene dominiert

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Mehr Mitarbeiter, mehr neue Jobs, mehr Kapital – die Hauptstadt liegt beim Start-up-Monitor vorn.

Berlin - Wenn Start-up-Ranglisten aufgestellt werden, belegt Berlin oft vordere Plätze. Doch gelegentlich wird auch gemosert, die Gründer in der Hauptstadt könnten nur Online-Handel, technisch anspruchsvolle und innovative Ideen entstünden eher in München.

Der am Montag vorgestellte Deutsche Start-up Monitor belegt hingegen einmal mehr die Dominanz Berlins: So haben allein 16,8 Prozent der Jungunternehmen hier ihren Sitz, in München und Hamburg sind es nur etwa sechs Prozent (siehe Grafik). Kleiner Wermutstropfen für die Region: Brandenburg belegt den letzten Platz im Bundesländervergleich, womöglich ist das aber auch eine Nebenwirkung des Berliner Sogeffekts. Denn auch wenn Start-ups umziehen, ist die Hauptstadt erste Wahl: 26 Prozent der Standortwechsler bevorzugen Berlin. Es folgen Hamburg und Niedersachsen mit je 13 Prozent.

Der Start-up-Monitor wurde in diesem Jahr zum fünften Mal erhoben und ist die größte Untersuchung dieser Art in Deutschland. Der Bundesverband Deutsche Start-ups und KPMG befragen dazu Jungunternehmen, in diesem Jahr haben sich 1837 Start-ups beteiligt – so viele wie nie zuvor. Aufgrund fehlender, eindeutiger Definitionen wird die Gesamtzahl von Start-ups in Deutschland nirgendwo erfasst. „Wir schätzen die Zahl auf 6000 bis 7000“, sagte Verbandschef Florian Nöll. Damit sei die Abdeckung im Vergleich mit anderen Studien sehr hoch.

„Berlin kann sich auf den nächsten Wachstumsschub vorbereiten“, sagte Tobias Kollmann, Autor der Studie und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen. Schließlich planen die hiesigen Start-ups in den kommenden zwölf Monaten im Schnitt 14 neue Mitarbeiter einzustellen – fast doppelt so viele wie im Bundesschnitt. Dabei sind die Berliner Jungunternehmen ohnehin schon deutlich größer als in anderen Regionen. Durchschnittlich 27 Angestellte beschäftigen die Berliner Gründer, bundesweit sind es elf.

Die Reife und Größe der hiesigen Firmen zeigt sich auch bei der Finanzierung: Jedes dritte Berliner Start-up hat Geld von Wagniskapitalgebern bekommen. Bundesweit sind es dagegen nicht einmal halb soviel. Noch bemerkenswerter ist dabei, dass der Anteil in den vergangenen Jahren in Berlin stetig gewachsen ist. Insgesamt sank er dagegen seit 2014 kontinuierlich von 21,4 auf nur noch 15,9 Prozent. „Wenn wir globale Champions wollen, brauchen wir mehr Wagniskapital“, sagt Tim Dümichen, Partner bei KPMG. Die Zahlen könnten seiner Meinung nach darauf hinweisen, dass es vielleicht auch nicht genug gute Geschäftsmodelle gebe, die Investoren überzeugen, Millionensummen in die Unternehmen zu stecken.

Im Gegenzug nehmen mehr Gründer klassische Darlehen auf, ihr Anteil stieg in vier Jahren von zehn auf vierzehn Prozent. Allerdings rät Nöll vom Start-up Verband davon ab: „Ich kann keinem Gründer einen Bankkredit empfehlen“. Denn einerseits würden Banken in der Regel nur das finanzieren, was sie kennen und sich mit innovativen Ideen schwer tun. Vor allem aber verlangen sie oft private Sicherheiten von den Gründern. Da jedoch jedes zweite Start-up scheitere, mit Krediten könnten sich Gründer so Zukunftsperspektiven verbauen.

Eine Alternative sind staatliche Fördermittel. Mit einem Anteil von 35 Prozent, sind die Gelder nach eigenen Ersparnissen (82 Prozent) auch die wichtigste Finanzierungsquelle. „Die Politik hat viel richtig gemacht“, lobte daher die scheidende Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries auch ihre eigene Arbeit. Sie begrüßte zudem, dass der Anteil der weiblichen Gründer wie in den Vorjahren leicht gestiegen sei. Mit 14,6 Prozent ist die Frauenquote insgesamt allerdings immer noch gering. „Da müssen wir noch mehr tun“, sagt Zypries. Als zweites großes Thema nannte die Ministerin die Rechtsangleichung in Europa. Denn die EU ist der wichtigste Auslandsmarkt. Unterschiede in Gesetzgebung und Regulierung bezeichnen jedoch zwei Drittel als Schwierigkeit bei der Internationalisierung, Sprachbarrieren dagegen nur ein gutes Viertel. Auch Nöll fordert daher endlich einen einheitlichen Binnenmarkt. Zudem sei besonders wichtig, dass die neue Regierung für ein Zuwanderungsgesetz sorge. Schon jetzt haben 29 Prozent der Mitarbeiter in Start-ups keine deutsche Staatsangehörigkeit, in Berlin sogar fast die Hälfte.

Ein Punkt wo auch Berlin sich noch verbessern kann, ist die Förderung von Gründern an den Hochschulen. Bei den Unis, von denen die meisten Gründer kommen, schafft es die TU Berlin zwar auf Rang sechs, doch München liegt mit der TU und LMU auf Platz eins und vier.

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