Bald Sitz von Ubisoft Berlin: das ehemalige Berliner-Bank-Gebäude. Foto: Promo
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Computerspiele Games-Riese Ubisoft zieht nach Charlottenburg

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Die Computerspielefirma Ubisoft eröffnet ein Studio in der Hardenbergstraße. Hier sollen einmal millionenschwere Großproduktionen wie Far Cry oder Assassin's Creed entstehen.

Die Hardenbergstraße 32 ist eine historische Adresse. Zumindest die jüngere Berliner Geschichte wurde hier nachhaltig geprägt. Noch bis vor kurzem war das Fünfziger-Jahre-Gebäude Sitz der Berliner Bank. Doch mittlerweile ist der Schriftzug vom Dach verschwunden, die zehn Stockwerke werden renoviert. Im Juli 2017 wurde bekannt, dass hier Berlins Fintech-Hub entsteht, ein Zentrum für Start-ups aus der Finanzbranche. Jetzt ist ein gewichtiger Akteur hinzugekommen: Am Donnerstag verkündete die Computerspielfirma Ubisoft, dass sie ihr Hauptstadtstudio genau hier eröffnen will  auf 1800 Quadratmetern. Bis Ende 2018 sollen mindestens 50 neue Arbeitsplätze entstehen.

Dass Ubisoft nach Berlin kommen würde, war schon seit der Games Week im April bekannt. Auf genauere Infos musste die Branche aber bis heute warten. Für die Berliner Digitalindustrie ist die Ansiedlung zweifellos eine gute Nachricht: Mit 12.000 Mitarbeitern in 35 Studios zählt Ubisoft zu den größten Games-Produzenten der Welt, das vergangene Geschäftsjahr brachte einen Umsatz von 1,46 Milliarden Euro. Ubisoft verfügt über starke Spielemarken wie Assassin's Creed, Far Cry, Die Siedler und Anno  die beiden letztgenannten Spielereihen werden an den Standorten Düsseldorf und Mainz vom deutschen Ableger Ubisoft Blue Byte produziert. In Berlin will die Firma unter anderem Far Cry weiterentwickeln, eine Reihe von Action-Spielen mit offener, frei erkundbarer Spielwelt. Und dabei eng mit anderen Studios zusammenarbeiten, etwa denen in Kanada.

Berlin lockt mit Fachkräften

Für die deutsche Hauptstadt hat sich Ubisoft gleich aus mehreren Gründen entschieden: "Berlin ist ein sehr attraktiver Standort. Speziell deshalb, weil es ein großartiges Zentrum für Technologie und die Kreativ-Industrien ist", sagt Benedikt Grindel, Leiter von Ubisoft Blue Byte, im Interview mit dem Tagesspiegel. "Außerdem ist es dank seiner Lage ein internationaler Anziehungspunkt, besonders für Leute aus Mittel- und Osteuropa." Für Ubisoft sei diese Anziehungskraft besonders wichtig, weil sie auch für Nachschub an Fachkräften sorge. Auch der künftige Studioleiter Istvan Tajnay lobt den Standort Berlin: "Die Stadt ist so dynamisch mit ihren vielen Start-ups, außerdem hat sie eine sehr lebendige Indie-Game-Entwicklerlandschaft." Tajnay will "diese positive Dynamik noch verstärken, indem wir hiesigen Talenten die Gelegenheit geben, an großen Spieleprojekten mitzuarbeiten". Zur Entscheidung für Berlin haben noch andere Faktoren beigetragen: Partner wie das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Senatskanzlei hätten Ubisoft ihre volle Unterstützung zugesichert.

Leitet das neue Studio Ubisoft Berlin: Istvan Tajnay (39). Foto: Promo
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Für Grindel ist die Studiogründung ein klares Signal: "Wir wollen in Deutschland wachsen." Die Neuansiedlung kommt auch deshalb zur rechten Zeit, weil die deutsche Games-Branche im vergangenen Jahr stagnierte. Zwar blieb der Umsatz mit 2,9 Milliarden Euro stabil. Doch viele Firmen  unter anderem das Berliner Studio Wooga  mussten die Zahl ihrer Mitarbeiter reduzieren. Besonders problematisch: Laut Branchenverband BIU werden nur sechs Prozent des hiesigen Umsatzes auch mit Games gemacht, die in Deutschland produziert werden  Tendenz: sinkend. "Bei Großproduktionen sind es sogar weniger als ein Prozent", sagt Benedikt Grindel, "das muss sich definitiv ändern". In Deutschland gebe es zwar viele kleine und einige mittelgroße Studios, so Grindel. "Was aber komplett fehlt, sind wirklich große Studios."

Internationalität widerspiegeln

Genau so eines soll Ubisoft Berlin in absehbarer Zukunft werden. Zugleich soll das Studio auch die Internationalität der Stadt widerspiegeln, wie Istvan Tajnay betont. Der 39-Jährige hat selbst eine sehr internationale Vita: Die Mutter ist Slowakin, der Vater Ungar; Tajnay selbst wurde in Amsterdam geboren und wuchs in Belgien auf; er besitzt die belgische und die kanadische Staatsbürgerschaft. In der Games-Branche ist Tajnay schon seit mehr als zehn Jahren tätig: Erst bei Sony und Sega in Großbritannien und seit 2012 bei Ubisoft Blue Byte in Deutschland, wo er unter anderem die Verwaltungsstruktur leitete. "Zum Start im Januar planen wir mit einem Dutzend Mitarbeiter", sagt er. "Wenn wir auf lokaler und Bundesebene gute Unterstützung bekommen, können wir noch sehr viel stärker wachsen."

Bei der Unterstützung der Games-Branche hat Deutschland noch einiges aufzuholen. "Der BIU hat einen sehr brauchbaren Vorschlag gemacht", sagt Grindel. Zu den zehn Eckpunkten des Vorschlags zählt eine systematische Games-Förderung durch den Bund, etwa mit Hilfe von Steuervergünstigungen und höheren Förderpreisen. Grindel hofft, dass die hiesige Games-Industrie bald "ähnlich klar gefördert wird wie die Filmindustrie". Als großes Vorbild nennt er Kanada, wo Ubisoft tausende Entwickler beschäftigt: "Kanada hat das Silicon Valley für Games aus dem Nichts geschaffen." Man müsse aber gar nicht so weit in die Ferne schauen, so Grindel: "Großbritannien, Italien, Frankreich und Polen: Alle diese Länder haben beträchtliche Förderprogramme für die Games-Industrie."

Bleibt abzuwarten, wie sich die Berliner Spielebranche weiterentwickelt. Ein Leuchtturm-Projekt wie das neue Ubisoft-Studio dürfte dem Standort jedenfalls zugute kommen.

Unter http://bluebyte.com/berlin nimmt Ubisoft Bewerbungen für die Mitarbeit im Berliner Studio entgegen.

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