Ijad Madisch traf Bill Gates im April in Frankreich und konnte ihm mehr als eine Stunde lang sein Netzwerk für Wissenschaftler vorstellen. Foto: Researchgatep

Bill Gates investiert in Berliner Start-up Aus Firlefanz wird Research-Gates

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Das Berliner Unternehmen Researchgate schließt eine neue Finanzierungsrunde ab. Sechs Investoren, darunter der Microsoft-Gründer Bill Gates, engagieren sich mit 35 Millionen Dollar, also knapp 27 Millionen Euro.

Ijad Madisch ist plötzlich ein gefragter Mann. Selten hat er so viele E-Mails bekommen. Und viele Leute bieten ihm Geld an, auch Investoren, die sein Unternehmen Researchgate zuvor nicht mit Risikokapital ausstatten wollten. Aber jetzt brauchen Madisch und sein Team erst einmal kein Geld mehr. Bill Gates und fünf weitere Investoren haben 35 Millionen Dollar (fast 27 Millionen Euro) in das Unternehmen gesteckt. Gates gebe das Geld aus seinem Privatvermögen, sagt Madisch. Die Summe verrät er nicht. „Wir könnten uns jetzt auch Research-Gates nennen“, sagt er gut gelaunt und lacht.

Researchgate ist eine Plattform, auf der sich Wissenschaftler vernetzen und ihre Daten und Forschungsergebnisse austauschen können. Die promovierten Mediziner Madisch und Sören Hofmayer gründeten das Unternehmen im Jahr 2008. „Ich habe die Idee zu einem sozialen Netzwerk für Wissenschaftler meinem Professor in Hannover vorgestellt, weil ich halbtags daran arbeiten wollte“, erzählt Madisch. Doch der deutsche Professor habe das als „Firlefanz“ abgetan. „Er sagte zu mir, Wissenschaftler seien nicht sozial.“ Also ging Madisch mit seiner Idee nach Harvard. Der Professor dort gab ihm die gewünschte Zeit.

Matt Cohler half beim Kontakt zu Bill Gates

Dann wurde Matt Cohler auf Madisch aufmerksam. Cohler war lange Zeit die Nummer zwei bei Facebook hinter Marc Zuckerberg. Heute ist Cohler Partner bei Benchmark Capital und investiert in Start-ups. Zu diesen gehören Researchgate und Instagram, für das Facebook 2012 eine Milliarde Dollar bot. Gerade hat Cohler im von der internationalen Start-up-Szene viel beachteten Blog Techcrunch einen Artikel geschrieben. Für ihn ist Berlin inzwischen der verheißungsvollste Ort für Technologie-Start-ups in der westlichen Welt jenseits des Silicon Valley. Während London für die Finanzwirtschaft stehe, Mailand für Mode und Hollywood für Film, könne Berlin zur wichtigen Bühne für junge Technologiefirmen werden. Dabei seien international beachtete Vorzeigeunternehmen wichtig, solche könnten Soundcloud, Wooga und Researchgate sein.

Im März besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel Berliner Start-ups. Researchgate war auch dabei. Foto: Researchgatep

Cohler stellte auch den Kontakt zu einem Mitarbeiter von Gates her. Madisch traf den Microsoft-Gründer im April in Frankreich. Etwas mehr als eine Stunde habe er gebraucht, Gates, der von vielen Menschen um Geld gebeten wird, von seiner Idee zu überzeugen. 2,9 Millionen Mitglieder hat das Netzwerk für Wissenschaftler bereits, seit acht Monaten gehört auch der Professor aus Hannover dazu. Die Idee ist, dass Wissenschaftlern alle Forschungsergebnisse unmittelbar zugänglich gemacht werden, auch die Daten der gescheiterten Versuche. Und dies, ohne dass wenige Experten vorher entscheiden, was in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht wird oder nicht. Was Relevanz hat, soll das Netzwerk entscheiden können.

Die Wissenschaftsszene kannte Madisch gut als er startet. Von Cohler aber habe er gelernt, wie man ein Unternehmen und eine Kultur aufbaut und sich auf die wichtigste Sache konzentriert: das Produkt. Geldverdienen habe zunächst keine Rolle gespielt. Aber daran wird nun gearbeitet. Das frische Kapital will Researchgate aber auch einsetzen, um das Produkt weiter zu verbessern.

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