Die Leinen werden von "Frisch und Luft" hängen in Brandenburg zwischen Feldern. Foto: Frisch und Luftp

Berliner Bio-Start-upWäsche trocknen mit Landluft

von Ann-Kathrin Hipp26 Kommentare

Das Start-up "Frisch und Luft" bringt Berliner Wäsche auf Brandenburger Leinen. Abholung und Lieferung sind inklusive. Natürlich alles Bio.

Es ist ein altbekanntes Bild in Berliner Wohnungen: Der Wäscheständer blockiert Bad und Schlafzimmer, die Handtücher und Laken hängen quer verteilt über Heizkörpern und Türen. Die Luft ist stickig, die Wäsche dauerfeucht. Ein Zustand, den Juliana Bardolim-Vorontsov ändern wollte. Deshalb gründete die Berlinerin Anfang des vergangenen Jahres die Open-Air-Biowäscherei „Frisch und Luft“ im brandenburgischen Gosen.

Inmitten von Kiefernwäldern und Seen, am Rande eines Naturschutzgebiets, wäscht, bügelt und trocknet sie seitdem gemeinsam mit ihrem Mann Laken, Handtücher und Tischdecken von Berlinern an der frischen Luft. 15 Euro kostet das Rundumpaket, das je nach Wetterlage bis zu fünf Tage dauern kann. Abholung und Lieferung sind inklusive. Natürlich alles Bio.

"Realistische und gute Idee"

„Wir wollen, dass die Leute aus der Stadt Raum sparen, aber auch Zeit und Energie“, sagt Bardolim-Vorontsov. „Und wir wollen die frische Luft vom Land wieder nach Berlin bringen.“ Eine Spinnerei, sagt sie, sei das nicht, vielmehr eine Herzensangelegenheit. „Klar finden das viele verrückt, die zum ersten Mal davon hören. Aber es ist eine komplett realistische und gute Idee“, sagt sie. Der Service sei nützlich, die frische Wäsche mache glücklich und ihr Angebot unterscheide sich deutlich von den städtischen Wäschereien, die meist für Businesskleidung ausgelegt und teuer seien.

Die Idee für die Biowäscherei entstand aus dem Eigenbedarf der Familie, die mit zwei Kindern und einem Hund in Friedrichshain lebt. Sie wollten große Wäschestücke aus ihrer Wohnung verbannen, fanden allerdings keine geeignete Wäscherei. Das Konzept für ein Start-up wurde schnell geboren, die ersten Kunden in Biosupermärkten oder -bäckereien gefunden, wo die Familie Werbebroschüren auslegte.

Unternehmen will weiter investieren

Mittlerweile arbeitet das Start-up der Gründerin zufolge für 160 Haushalte und Betriebe, die ihre Wäsche mal mehr, mal weniger regelmäßig reinigen lassen. Dennoch schreibe das Unternehmen, das die Familie komplett aus eigener Kasse finanziert hat, aktuell noch rote Zahlen. „Viele wissen nicht von uns. Sie würden überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass es so was gibt. Das muss sich ändern“, sagt Bardolim-Vorontsov. „Wir müssen mehr in Werbung investieren und neue Leute gewinnen.“ Wer einmal Kunde sei, bleibe das auch. Davon ist sie überzeugt.

Einen kürzlich bewilligten Kredit will die Familie nutzen, um ihr Equipment – drei Waschmaschinen, eine Bügelmaschine, Wäscheleinen und ein Auto – zu erweitern. Die Kapazität von sechs bis sieben Waschmaschinenladungen täglich wollen sie so verdoppeln. Auch, wenn die Nachfrage derzeit nicht entsprechend hoch ist. Sie glauben an den Erfolg.

„Ich kann mir vorstellen, dass sich die Idee auf andere Städte ausweitet. Wenn auch nicht durch uns“, sagt Bardolim-Vorontsov. Ihre Firma solle ein richtiger Familienbetrieb bleiben.