Zum Teil braucht man bei der Bank noch nicht einmal ein Girokonto, um eine Kreditkarte zu bekommen. Foto: Getty Images/iStockphoto
p

Bankgebühren Versteckte Kosten bei der Kreditkarte

0 Kommentare

Banken bewerben ihre Kreditkarten gerne als kostenlos. Je nach Nutzung zahlen Kunden aber trotzdem, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest.

Die Zahl ist enorm. 34 Millionen Kreditkarten befinden sich in den Geldbörsen der Deutschen. Zusammen mit ausländischen Gästen haben sie ihre Karten im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden mal gezückt, um damit Einkäufe von etwa 90 Milliarden Euro zu begleichen. Das waren zwar nur etwa fünf Prozent aller bargeldlosen Transaktionen in Deutschland. Doch rechnet man die Einsätze der Karten im Ausland hinzu, etwa auf Geschäftsreisen oder im Urlaub, so werden nicht wenige Kreditkartenkunden zuletzt bei der Abrechnung auf ihrem Konto bemerkt haben: Die Nutzung vieler Kreditkarten ist teurer als im Vorjahr oder teurer als erwartet.

KOSTENLOS IST NICHT UMSONST

Zwar werben noch immer viele Anbieter mit der „kostenlosen“ Kreditkarte. Gemeint ist damit aber meist nur der Verzicht auf eine eigene Jahresgebühr. Das hat jetzt ein Marktcheck der Stiftung Warentest ergeben. Die Verbraucherschützer haben 23 der gängigsten Karten untersucht. Das Ergebnis: Eine für alle Bedürfnisse und Kundentypen geeignete und günstige Karte gibt es nicht. Immerhin zwei der 23 Karten verzichteten zwar komplett auf eine Jahresgebühr und auch auf weitere Kosten beim Einsatz, beispielsweise Transaktionskosten im Ausland oder Gebühren fürs Abheben von Bargeld. Trotzdem haben beide Angebote einen Haken. Bei der kostenlosen Kreditkarte der DKB wird ein Girokonto bei der Direktbank vorausgesetzt. Und die Advanzia Bank mit ihrer „Gebührenfrei Mastercard Gold“ hat in ihren Vertragsbedingungen eine Klausel voreingestellt, die auch nicht abwählbar ist: Der von Kreditkarte abgebuchte Betrag wird dabei nicht am Monatsende auf einmal vom Girokonto eingezogen, sondern via Ratenzahlung zurückgezahlt. „Revolving credits“ heißt die Teilzahlung in der Branche. Für die großen Kreditkarten-Unternehmen wie Visa, American Express oder MasterCard lohnt sich dies, denn es fallen für den Kredit zum Teil extrem hohe Zinsen an.

In einem Fall – bei der Mastercard Gold der luxemburgischen Advanzia Bank – berechnet die Bank sogar bereits direkt nach dem Einsatz für den abgebuchten Betrag ein Zinssatz von 23 Prozent an, kritisieren die Experten von Finanztest. Umgehen könne man ihn nur durch sofortigen Ausgleich der Summe. Bei ein paar anderen Angeboten wie zum Beispiel der Amazon-Kreditkarte oder der „Genialcard“ der Hanseatic Bank ist diese teure Teilzahlung zwar voreingestellt, kann aber vom Kunden abgewählt werden. Allerdings: Nach Berechnungen des Zinsspezialisten von der FMH Finanzberatung in Frankfurt ist selbst ein hoher Zinssatz bis zur Rückzahlung binnen drei oder vier Wochen später in vielen Fällen günstiger als Währungsentgelt und Auslandskosten bei anderen Anbietern.

BANKEN WERDEN KREATIV

Der Grund für die Verteuerung: Seit Mai 2016 sind die so genannten Interbankengebühren bei der Abrechnung von Kreditkartenkäufen in der EU gedeckelt. Das bedeutet: Statt 1,58 bis 1,73 Prozent dürfen die Banken des Käufers seither nur noch 0,3 Prozent von der Bank des Händlers verlangen. Was zur Entlastung der Kunden gedacht war, hat die Kosten jedoch meist nur an andere Stelle verschoben. Eine ganze Reihe von Banken hat seither die Zinskosten für Teilrückzahlungen, die Jahresgebühr oder die Kosten beim Abheben von Bargeld erhöht. Andere verlangen Gebühren beim Aufladen von Prepaid-Kreditkarten oder haben den Mindestumsatz angehoben, ab dem eine Karte gratis ist.

In den USA dagegen geschieht das Umgekehrte: Weil die Interbankengebühren nicht reguliert sind, liefert sich die Kreditkartenwirtschaft einen Wettbewerb um das günstigste Plastikgeld, das inzwischen sogar Renditen abwirft. Angesagt sind dort sogenannte „cash back“-Karten, die dem Kunden für den Kauf per Kreditkarte Geld, Flugmeilen oder Tankgutscheine gutschreiben, oft bis zu drei Prozent des Umsatzes oder mehr.

WIE KUNDEN SPAREN

Doch auch in Deutschland kann man sparen. Prüfen müsse der Kunde dabei zunächst, wofür er die Karte vorrangig benötige, raten die Verbraucherschützer. Grob lässt sich hier trennen in Kunden, die das Plastik vor allem im Handel im Inland einsetzen, ob im Laden vor Ort, im Internet oder an der Tankstelle – und in Verbraucher, die ihre Karte vor allem im Urlaub benötigen, etwa zum Bezahlen von Leihwagen oder auch zum Abheben von fremder Währung, also außerhalb der Eurozone. Unter Umständen mache es sogar Sinn, sich verschiedene Karten für jeden Nutzungstyp zuzulegen. Zweitens müsse der Kunde entscheiden, ob er die Karte an sein Girokonto koppeln wolle. „Meist geht es günstiger als mit der Kreditkarte der Hausbank“, haben die Tester der Stiftung Warentest festgestellt. Häufig kassierten zum Beispiel Sparkassen und Volksbanken auf allen Ebenen: Da summieren sich zur Jahresgebühr auch hohe Abhebegebühren von zwei bis drei Prozent im In- und Ausland und Auslandseinsatzgebühren von oft 1,75 Prozent des Umsatzes.

Es gebe jedoch deutlich günstigere Alternativen – sowohl für Kunden, die ihr eigenes Girokonto behalten wollen als auch für Verbraucher, die zum Wechsel bereit sind. Insgesamt hat Finanztest für einen Modellkunden, der gerne reist, Preisunterschiede von 183 Euro pro Jahr ausgemacht. Beim Standardkunden waren es immer noch 55 Euro. Unter den 23 getesteten Karten hat Finanztest fünf Kreditkarten ausgemacht, die sich für Standardnutzer eignen, ohne gleich das Girokonto zu wechseln: die ICS Visa World Card, die Kreditkarte von Ikea, die Payback American Express Card, die Online-Classic-Karte der Targobank und die Tchibocard Plus. Allerdings: Wer hier mit dem Plastik auch im Inland gelegentlich Geld abheben möchte, zahlt bis zu vier Prozent der Summe Gebühren. Das wiederum kann sich meist sparen, wer sich einen günstigen Kreditkartenanbieter mit kostenlosem Girokonto aussucht, etwa die Visa-Karten von Comdirect, DKB, Consorsbank oder Ing Diba oder die Mastercard von Fidor.

Weltenbummler benötigen dagegen vor allem günstige Konditionen im Ausland und beim Abheben, wie sie Finanztest bei der DKB Visa Card (nur mit Girokonto), bei der Santander Consumer 1 plus Visa Card (nur mit Teilrückzahlung) gefunden hat. Einzelne günstige Nutzungspunkte bieten viele Anbieter an, dafür sind andere oft umso teurer. So hat etwa die Hypovereinsbank Kontomodelle im Programm, bei denen das Abheben weltweit gratis ist, dafür aber die Kontoführung jeden Monat nicht billig. „Wer sich bewusst ist, für welchen Zweck er seine Karte nutzen will, findet durchaus gute Angebote“, heißt es bei der FMH Finanzberatung. Erst wenn sich ein Kunde über die hauptsächliche Nutzung im Klaren sei, könne er Angebote sinnvoll vergleichen.

AUF DETAILS ACHTEN

Nicht unerheblich sind neben den Kosten auch weitere Konditionen der Karten: etwa das tägliche Zahl- und Abhebe-Limit, das bisweilen auch auf 250 Euro begrenzt ist (zum Beispiel bei der TchiboCard Plus) oder Kosten und unkomplizierte Beschaffung von Ersatzkarten im Falle eines Verlustes. Bei einigen Anbietern ist es beispielsweise gar nicht möglich, außerhalb Deutschlands rasch an eine Ersatzkarte zu kommen, etwa bei der Consorsbank oder der ICS. Einige Anbieter verbinden ihre Karten auch mit zusätzlichen Angeboten, etwa Reiseversicherungen oder Tankrabatten. Meist gilt hier jedoch: hier handelt es nicht um Wohltaten des Anbieters, sondern um Lockangebote, die der Kunde häufig an anderer Stelle mitbezahlt.

Zur Startseite