Im Durchschnitt wirft jeder Deutsche 82 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. Ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel landen im Müll. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Umweltbundesamt Verschwendete Lebensmittel schaden dem Klima

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Das Umweltbundesamt wünscht sich mehr Einsatz von Politik und Gesellschaft, um weniger Essen für den Müll zu produzieren.

In Deutschland hat der Filmemacher Valentin Thurn das Thema bekannt gemacht: Lebensmittelverschwendung. Mit „Taste the Waste“ machte Thurn den Skandal bekannt, dass weltweit etwa ein Drittel der Lebensmittel ungenutzt im Müll landen. Schon seit 1993 reduzieren die Tafel-Vereine in Deutschland diese Zahl, in dem sie verzehrfähige Nahrungsmittel sammeln und an Bedürftige weiter geben. Trotzdem wirft statistisch gesehen immer noch jeder Deutsche im Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weg, hat die Universität Stuttgart 2012 in einer Studie für das Agrarministerium errechnet.

In Entwicklungsländern finden die Verluste am Beginn der Kette statt. Da fehlt es an Mitteln, das Erntegut zu trocknen und so zu lagern, dass Schimmel, Insekten oder Mäuse es nicht verderben. In Industrieländern findet die Verschwendung am Ende der Kette statt, nämlich dann wenn Lebensmittel in Haushalten, Supermärkten oder Gaststätten weggeworfen werden. Das hat das UN-Umweltprogramm Unep herausgefunden. Seit gut fünf Jahren ist Lebensmittelverschwendung weltweit ein Thema. Gelänge es, weniger Lebensmittel in den Müll zu befördern, könnten mehr Menschen satt werden, Klima und Umwelt würden geschont.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die ökologischen Folgen der Lebensmittelverschwendung zu ermitteln. Foto: Martin Stallmann/UBA
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Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), wollte genauer wissen, wie groß der Umweltschaden durch Lebensmittelverschwendung in Deutschland ist. Das Institut Ökopol Hamburg schätzte in Kooperation mit drei weiteren Partnern ab, wie viel Treibhausgase durch verschwendete Lebensmittel in Deutschland verursacht werden. Sie kamen auf vier Prozentpunkte. Beim Wasser ist die Zahl ebenfalls beeindruckend. Rund ein Fünftel des für die Nahrungsmittelproduktion verbrauchten Wassers landet im Müll. Das ist doppelt so viel wie dem Bodensee jährlich für die Trinkwasserversorgung des Großraums Stuttgart entnommen wird.

Lebensmittelverchwendung habe „neben den ethischen“ auch ökologische Folgen von „beachtlichem Ausmaß“, sagte Krautzberger dem Tagesspiegel. „Das ist eine gewaltige Dimension“, sagt Krautzberger. „Es wäre aller Mühen wert, mehr zu tun.“

Frankreich verbietet das Wegwerfen

Seit 2012 unterhält das Agrarministerium eine Internetplattform „Zu gut für die Tonne“, die verbrauchernahe Informationen enthält. Dort werden Tipps zur besseren Planung des Einkaufs, zur besseren Lagerung, zur kreativen Resteverwertung bis hin zu einer Rezeptsammlung gesammelt. Die Rezepte stammen von Bürgerinnen und Bürgern, die Ideen haben, was man mit Resten noch anstellen kann. Das Agrarministerium will auch bei freiwilligen Informationsangeboten bleiben.

In Frankreich hat das Parlament vergangene Woche dagegen ein Wegwerfverbot für Lebensmittel beschlossen. Damit werden Supermärkte verpflichtet, ihre Nahrungsmittelabfälle an karitative Organisationen weiter zu geben. Und sie dürfen Waren, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, nicht mehr mit Chlorlösung unbrauchbar machen, wozu sie bisher aufgrund von Hygienegesetzen verpflichtet waren. In Deutschland hat das französische Gesetz bisher kaum Anhänger gefunden, wohl auch deshalb, weil dafür noch viele rechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssten. Denn wer haftet, wenn ein von einem Supermarkt gespendetes Tafel-Menü mit Salmonellen verseucht ist?

In der UBA-Studie ist aufgefallen, dass vor allem beim Essen außer Haus viel weg geworfen wird. Rund ein Drittel der in Restaurants, am Imbiss oder bei Büffets angebotenen Lebensmittel landen am Ende im Müll. Die Autoren der Studie schlagen einen „Runden Tisch“ vor, um zu klären, ob das EU-Ziel, die Lebensmittelabfälle um 30 Prozent zu reduzieren, mit freiwilligen Beiträgen zu schaffen ist. Dabei geht es um besseres Management von Lebensmitteln. Es geht aber auch darum, die guten Ratschläge aus dem Internet unter die Leute zu bringen. Maria Krautzberger denkt, dass es bisher wenig Ideen für bessere rechtliche Lösungen gibt, „weil so viele verschiedene Ministerien daran beteiligt sind“.

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