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Tourismus Flucht auf ohogo

Andrea Dernbach
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Japans Geishas sind für zahlende Kunden da, nicht für neugierige Touristen. Doch gerade die stellen den Frauen so aggressiv nach, dass jetzt eine Bürgerwehr auf den Plan getreten ist.

In Japans alter Kaiserresidenz Kyoto fühlen sich die traditionellen Unterhaltungskünstlerinnen, die Geishas immer mehr durch aggressive Touristen bedroht. Zum Schutz der Frauen haben sich dort nun Bürgerpatrouillen gebildet, schreibt die „New York Times“, und das Kyotoer Tourismusbüro mahnt Besucher auf seiner Webseite eindringlich, die Privatsphäre der Geishas zu achten, „ihnen nicht nachzulaufen und ihre Kimonos nicht zu berühren“.

Dabei werden die Geishas – vor allem die jungen „Maikos“, die noch ausgebildet werden in der Kunst von Teezubereitung, traditionellem Gesang und Tanz– offenbar nicht nur am Ärmel gezupft. Die „New York Times“ zitiert die 16-jährige Saeko, sie sei auch schon von hinten an den Haaren gezogen worden. Auch in Teehäusern oder deren Gärten seien schon touristische Hobby-Paparazzi eingebrochen, um die Geishas bei der Arbeit zu fotografieren. Rikiya Yamamoto, der die Patrouillen zum Schutz der Frauen organisiert, hält die Verfolgungsjagden für ein Sicherheitsproblem: „Gejagt zu werden, ist für eine Maiko gefährlich, denn sie trägt ohogo“, sagt Yamamoto, der selbst ein traditionelles Restaurant betreibt, in dem Geishas auftreten. Die Schuhe mit den hohen Holzsohlen sind zwar elegant anzusehen, aber eher hinderlich auf der Flucht vor zudringlichen Touristen.

Möglicherweise hat das teils handgreifliche Interesse an den Geishas damit zu tun, dass es immer weniger von ihnen gibt. Im Jahre 1920 wurden in Japan nach Auskunft der NYT noch 80 000 Geishas gezählt; inzwischen sind es nur noch geschätzte ein- bis zweitausend im ganzen Land. Der Tourismus in die alte Kaiserresidenz Kyoto hingegen explodiert: Im Jahr 2007 besuchten sie 927 000 Übernachtungsgäste aus dem Ausland, nach 803 000 im Jahr zuvor.

Dass nun ausgerechnet ein Gastronom den Schutz der Frauen organisiert, hat auch mit dem Leistungskatalog der Geishas zu tun: Sie berechnen den Preis ihres Service stundenweise, Hin- und Rückweg inklusive. Je länger ihr Weg dauert, weil sie sich kameraverrückter Touristen erwehren oder ihretwegen Kimono, das schneeweiße Make-up oder ihr Haar neu richten müssen, desto weniger Zeit bleibt zur Unterhaltung des Kunden, der für zwei Stunden Gesang und Tanz einer Geisha leicht auf 300 Euro und mehr kommt.

Yuji Nakanishi, Professor für Tourismus an der Rikkyo-Universität bei Tokio, verweist auf kulturelle Unterschiede zwischen japanischen und anderen Touristen: „Japaner verbinden Tourismus mit historischen Orten, Ausländer sind mehr an den Menschen und ihrem Lebensstil interessiert.“

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