Suzanne Tamim Foto: dpa
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Todesstrafe Ägyptischer Millionär wegen Mordes verurteilt

Martin Gehlen
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Hisham Talaat Mostafa, ein ägyptischer Millionär und einflussreicher Politiker, ist am Donnerstag zum Tode verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er den Mord an seiner Ex-Geliebten und bekannten libanesischen Pop-Sängerin Suzanne Tamim in Auftrag gegeben hat.

KairoSex, Mord und Politik - der Strafprozess gegen den ägyptischen Baulöwen Hisham Talaat Mostafa hatte alle Zutaten eines spektakulären Luxusdramas. Seit November letzten Jahres stand der millionenschwere Unternehmer, Politiker und Freund von Mubarak-Sohn Gamal in Kairo vor Gericht. Mit zwei Millionen Dollar soll er einen Leibwächter dafür bezahlt haben, seiner ehemaligen Geliebten, der libanesischen Popsängerin Suzanne Tamim, die Kehle durchzuschneiden. "Ich habe es nicht getan, ich bin unschuldig, Gott ist mein Zeuge", beteuerte der 50-Jährige bei seiner ersten Vernehmung, bevor Mitte November Presse und Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen wurden.

Fünf ägyptische Zeitungen, die die Informationssperre durch eigene Recherchen zu unterlaufen versuchten, bekamen saftige Geldstrafen. Alles sah nach einem abgekarteten Spiel aus. Denn Leute seines Schlages und seiner Verbindungen kommen in Ägypten normalerweise ungeschoren davon - schließlich gehört der gut aussehende Hisham Talaat Mostafa nicht nur zu den reichsten Männern Ägyptens. Er ist auch Mitglied des Schura-Rates, des Oberhauses des ägyptischen Parlaments. Und er gehörte zum engeren Führungszirkel der National-Demokratischen Partei von Präsident Hosni Mubarak und damit zu den "Unantastbaren" im Reiche des 81-jährigen Langzeit-Pharaos.

Schlagkräftige Beweise

Umso größer die Überraschung, als das Gericht am Donnerstag sein Urteil bekannt gab. Tod durch den Strang sowohl für den prominenten Auftraggeber wie auch für seinen gedungenen Handlanger Mohsen al-Sukkari, einen ehemaligen Polizisten, der ihm als Leibwächter diente. Mostafa gab die Bluttat in Auftrag, weil er sich an seiner Ex-Freundin rächen wollte. Diese war kurz zuvor in London eine Beziehung mit einem irakischen Boxer eingegangen, den sie im Nobelkaufhaus Harrods kennen gelernt hatte. Nach Erkenntnissen des Gerichts folgte Ex-Polizist Sukkari ihr zurück nach Dubai, kaufte sich vor Ort ein Schweizer Messer und verschaffte sich am 28. Juli unter dem Vorwand, er komme von der Verwaltung, Zugang zu Tamims Luxusappartement mit Meeresblick. Die Ermittler in Dubai kamen ihm rasch auf die Spur, weil er neben der übel zugerichteten Leiche einen blutigen Schuhabdruck hinterlassen hatte. Zwei Monate später wurde auch Auftraggeber Mostafa in Kairo verhaftet, seither beschuldigten sich die beiden gegenseitig.

Millionär für Mord an Pop-Star zum Tode verurteilt epa (EPA)
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Als Beweismittel lagen dem Gericht Telefonmitschnitte der beiden durch den ägyptischen Geheimdienst vor, in denen der Baulöwe vorschlug, die Popdiva vom Balkon oder vor ein Auto zu stoßen. Eine Überwachungskamera am Tatort zeigte, wie der Ex-Polizist Tamims Wohnung betrat und kurze Zeit später wieder verließ.

Tumulte im Gerichtssaal

Nach den beiden Todesurteilen kam es im Gerichtssaal zu Tumulten. Mostafas zwei Töchter brachen in Tränen aus, seine Schwester fiel in Ohnmacht. Sein Anwalt sprach "von einer ernsten Situation", auch wenn die Entscheidung noch nicht rechtkräftig ist. Die Verurteilten können Revision einlegen, auch muss ein Mufti das Todesurteil noch absegnen.

Die Sängerin Suzanne Tamim hatte 1996 bei der libanesischen Casting-Show "Studio Al Fan" den ersten Platz gewonnen. Danach brachte sie mehrere Singles heraus, die zu Hits in der arabischen Welt wurden. Ihr Privatleben jedoch war turbulent, die Ehe mit dem Produzenten Adel Matuk galt als zerrüttet. Die Talaat Mostafa Group (TMG) ihres Mörders gehört zu den größten Konzernen Ägyptens. 23 Unternehmen beschäftigen mehr als 10.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen besitzt nicht nur die "Four Seasons"-Hotelkette, sondern auch zahlreiche Ferienanlagen. In Kairo hat der Baukonzern vor den Toren der Stadt zwei komplette Luxusstadtteile für insgesamt 800.000 Bewohner errichtet.

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