Schimmel auf bunter Wiese - ein prima Kontrast. Foto: Schule des Sehens, Martina & Peter Uhl
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Die Tricks der Tierfotografen Ein Bild von einem Tier

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Einfach mal still in die Kamera schauen? Finden Hund, Katze oder Pferd nicht so toll. Darum ist es schwer, schöne Tierfotos zu machen. Unmöglich ist es aber nicht. Über Tipps & Tricks, Geduldsproben im Zoo mit der "Schule des Sehens" und die fotografierende Tierärztin Renate Lorenz.

Die erste Kamera bekam sie, da war sie in der fünften Klasse, und an das erste Motiv, auf das sie den Sucher richtete, den Apparat hochkant drehte und für das sie den Auslöser drückte, erinnert sie sich auch. Es war ein Tier. Ein Pferd. Ein schweres Zugpferd mit einer weißen Blesse, angeschirrt vor einem Wagen, mit dem es über eine Kleinstadtstraße im Leverkusener Land rumpelte. Auf die Fotografin zu. „Also ein Bild in Bewegung!“, ruft Renate Lorenz. Und das als Kind! Toll, oder?
Das Bild ist inzwischen vergilbt. Es stammt aus einer Zeit, in der Pferdefuhrwerke auf Straßen noch keine Seltenheit waren, und Renate Lorenz hat inzwischen ja auch schon ihren 63. Geburtstag hinter sich. Tierärztin ist sie geworden, mit eigener Praxis in Lichterfelde-Ost, und weiterhin wird fotografiert, was wiehert, grunzt, bellt, piept oder sich sonstwie tierisch äußert. Es gab auch schon mehrere Ausstellungen mit ihren Fotos, wobei ihre Kamera im Laufe der Zeit immer näher heranzoomte ans Motiv. Nur eine Hälfte vom Gesicht, nur ein Auge. Ihr Motto: „Im Detail lässt sich der Charakter jeder Kreatur besser einfangen.“

Die Berliner Tierärztin und Tierfotografin Renate Lorenz. Foto: privat
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Das Heranzoomen ist in der Tierfotografie ein beliebter Trick. Und Tricks sind nötig, wie jeder weiß, der sein Tier oder irgendein Tier je so aufnehmen wollte, dass es gut zur Geltung kam: den Hund, der mit wehendem Fell angerannt kommt, das Pferd, das übers Hindernis fliegt, die Katze, die so niedlich ist. Soweit zur Bildidee. Und dann? Der laufende Hund ist auf dem Foto ein konturloser Klecks vor Rasengrün, das springende Pferd ist verschwommen, der Kopf fehlt, nur das Hindernis ist scharf, und die Katze hat plötzlich einen Eierkopf. Bilder, die beim Herumzeigen garniert werden mit Anmerkungen wie „In Wirklichkeit sieht sie viel süßer aus!“, „Eigentlich wollte ich da fotografieren, wie. . .“ oder „Die Augen kann man jetzt nicht so gut erkennen.“

"Die Nahaufnahme zeigt am besten das Wesen der Kreatur"
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„Das unvorhergesehene Verhalten eines Tieres und seine Reaktionen können äußerst frustrierend sein“, schreibt der britische Fotograf Jonathan Hilton im Buch „Tierfotografie“ von „Laterna Magica“. Aber: „Die gleiche Unberechenbarkeit macht auch oft den Erfolg eines Tierfotos aus.“ Und weil das, was passieren wird, so wenig vorhersehbar ist, brauche der Tierfotograf vor allem eins: Geduld.
Das sagt auch Renate Lorenz. Geduld und Ruhe, denn Tiere hätten feine Sensoren für ihre Umwelt, die bemerken Stimmungen, „das überträgt sich aufs Tier“, sagt Renate Lorenz und ist überzeugt: „Wenn Sie schlecht gelaunt sind, können Sie keine guten Fotos machen.“

Robbenbaby in Kanada
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Aber allein mit Geduld ist es nicht getan, es braucht noch etwas, und das ist nicht die Technik, denn die erledigen die meisten Kameras heute automatisch. Es ist: die Auseinandersetzung mit dem Tier. „Man muss das Tier beobachten“, sagt Peter Uhl. Der Fotograf gründete vor sieben Jahren die „Fotoschule des Sehens“ – zusammen mit seiner Frau Martina, die Biologin ist. Sie hat das Knowhow. Wie verhält ein Tier sich wann, wie reagiert es worauf. Woran erkenne ich, dass eine Möwe gleich abhebt? Was für einen Gesichtsausdruck hat der Löwe, bevor er gähnt? Kehrt da Verhalten wieder, welche Schlüsse kann man daraus ziehen? Der Fotograf, sagt Uhl, sei dann im Idealfall, „wie in einer Zeitmaschine dem Verhalten ein paar Sekundenbruchteile voraus.“ Denn wenn man erst sehe und dann abdrücke, sei die Situation, die man ablichten wollte, vorbei. Darin ähnelte die Tierfotografie der Hochzeitsfotografie, auch da gebe es die eine Situation immer nur einmal, Wiederholung ausgeschlossen.

In diesem Punkt haben also diejenigen, die ihre Haustiere fotografieren wollen, den unschlagbaren Vorteil, das sie sich mit dem Motiv auskennen. Und es leichter haben mit dem, was Renate Lorenz „Kontakt aufnehmen“ nennt. Ansprache, das Tier neugierig machen. Sie erzählt von einer Reise, die sie vor gut zehn Jahren in Kanada ins Robbengebiet gemacht habe. Dort habe sie sich mit ihrem orangeroten Anorak in den Schnee gelegt, die Kamera griffbereit und die Robbenbabys beobachtet. Die seien irgendwann immer näher zu ihr hingekommen, und sie konnte in aller Ruhe auf ihr Bild warten.

Tierfotograf Peter Uhl, er gründete die "Schule des Sehens" und unterrichtet in Kursen Tierfotografie - zum Beispiel im Berliner Zoo.
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Auch Profifotograf Peter Uhl hält den Blick fürs Motiv für das Wichtigste, was neben der Hauptfigur auch den Hintergrund umfasst. Der sollte nicht zu bunt und grell sein, damit er nicht selbst zum Motiv wird und das Tier, um das es geht, aussticht. Gut als Hintergrund eignen sich grünscheckige Hecken, weite Landschaften. Schönes Licht hat man oft unter Laubbäumen, wenn die Sonne durch die Blätter scheint. Die wichtigste Regel lautet: Der Kontrast darf nicht zu groß sein. „Das Schlimmste ist ein schwarzer Pudel im Schnee“, sagt Uhl. Das sehe zwar fürs menschliche Auge toll aus, aber die Kameras würden versuchen, die Diskrepanz auszugleichen: das Weiße dunkler oder das Schwarze heller zu machen. So sei es annähernd unmöglich, das Motiv perfekt hinzukriegen.

Biologin und Tierfotografin Martina Walther-Uhl. Sie unterrichtet mit ihrem Mann Peter Uhl in der "Fotoschule des Sehens".
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Genauso rät Pferdefotograf Holger Schupp, einen Schimmel niemals vor einen zu dunklen Hintergrund zu stellen. Ein ganze Fotosession lang hat er sich vom Onlineportal „ReitTV“ filmen lassen, was auf Youtube fast 100 000 Mal geklickt wurde. Schupp achtet beim Fotografieren darauf, die Distanzen zwischen der Kamera, dem Fotomotiv und dem Hintergrund ungefähr gleich groß zu halten. Auch er empfiehlt, das Tier erst ein bisschen zu beobachten. Herauszufinden, in welche Richtung es sich von allein orientiert und das in der Aufstellung zu nutzen. Um dann ein aufmerksames Gesicht und gespitzte Ohren zu bekommen, hat Schupp immer eine knisternde Plastiktüte parat – und falls die nicht hilft: einen Wiehersoundtrack auf seinem Smartphone. Funktioniert garantiert.
Im Zooseminar helfen sie sich anders. Uhls Lieblingsmotiv beispielsweise ist die Fütterung der Pelikane und Fischreiher. Wenn die Vögel sich gegenseitig die hingeworfenen Fischbrocken aus dem Hals reißen, jeder gegen jeden drängelt, „da kocht das Wasser so richtig“, sagt Uhl. Das kann wilde Bilder geben!
Wer selbst für Action sorgen muss, sollte sich einen Helfer suchen, der den Hund hin- oder herlockt. Der irgendwo raschelt, um eine Kopfbewegung hinzukriegen. Ein laufendes Tier bekommt man am Besten aufs Bild, indem man beim Auslösen mit dem Objektiv mitzieht und kurze Belichtungszeiten wählt. Ansonsten gilt: Satte Tiere sind ruhiger als hungrige

– was im Menschenreich auch für Hochzeitsgäste gilt.

MEHR INFORMATIONEN

Der nächste eintägige Kurs der „Fotoschule des Sehens“ findet am 8. August im Berliner Zoo statt. Anmeldungen unter: www.fotoschule-des-sehens.de.
Mehr über die fotografierende Tierärztin Renate Lorenz unter www.tierarzt-lichterfelde.de
Der Reit-TV-Film für gelungene Pferdefotos findet sich unter www.youtube.com., Suchwort: REITTV Pferdefotografie

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