Fahnder untersuchen das Festivalgelände in Las Vegas nach Spuren. Foto: dpa/Chris Carlson
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Nach Massaker in Las Vegas Die Waffendebatte in der Endlosschleife

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In den USA gibt es etwa so viele Waffen wie Einwohner - doch die Debatte um die laschen Gesetze bewegt sich auch nach Las Vegas nicht weiter.

Fast 60 Tote und mehr als 500 Verletzte – aber die US-Regierung sieht keinen Anlass, über die laschen Waffengesetze im Land zu sprechen. Jetzt sei nicht die richtige Zeit für seine solche Diskussion, sagte Sarah Huckabee Sanders, Sprecherin von Präsident Donald Trump, nach der schlimmsten Schusswaffen-Massaker der neueren amerikanischen Geschichte. Wie schon nach anderen Massakern in den vergangenen Jahren bricht in den USA auch nach dem Blutbad von Las Vegas der Streit um stärkere Kontrollen beim Waffenbesitz wieder auf.

Waffen sind in den USA allgegenwärtig. Es gibt etwa 300 Millionen Schusswaffen im Land, also etwa ein Schießeisen pro Einwohner. Jedes Jahr werden in den USA rund 33000 Menschen erschossen. Damit kommen in den USA mehr Menschen durch eine Schusswaffe um als im Straßenverkehr. Fast jeden Tag gibt es Tote oder Verletzte. Laut Medienberichten war das Massaker von Las Vegas allein in diesem Jahr der 338. Fall, bei dem vier oder mehr Menschen bei einer Schießerei verletzt wurden.

Wer Waffen besitzt, hat meist mehr als eine

Rund 40 Prozent der US-Bürger leben laut Umfragen in Haushalten mit Schusswaffen. Drei von vier Waffenbesitzern sind überzeugt, dass es zu ihren Grundrechten gehört, eine Pistole im Halfter oder ein Gewehr im Schrank zu haben. Jeder zweite von ihnen glaubt, eine Schusswaffe sei zur Selbstverteidigung nötig. Die Amerikaner geben jedes Jahr rund sechs Milliarden Dollar für Waffen und Munition aus. Nicht jedem bereitet diese Verbreitung von tödlichem Schießgerät und die daraus resultierende Gewalt große Sorgen.

Nur 32 Prozent der Republikaner sehen dies als ernsthaftes Problem. Eine Grundhaltung mit politischen Folgen. Trump hat im Wahlkampf und danach mehrmals das in der Verfassung verankerte Recht der Amerikaner zum Tragen von Waffen bekräftigt; im April sprach er bei einer Veranstaltung der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) und nannte die Waffenliebhaber seine „Freunde“. Eine Zustimmung des Präsidenten zu strikteren Auflagen bei Waffen sei undenkbar, sagte Trumps populistischer Ex-Berater Steve Bannon der Nachrichten-Website Axios. Die rechtsgerichtete Wählerbasis würde das dem Präsidenten nicht verzeihen.

Keinen Aussichten auf einen Durchbruch

Dass sich jemand wie jemand wie Stephen Paddock, der Todesschütze von Las Vegas, rund 50 Schusswaffen – die Polizei fand 23 Pistolen und Gewehre in seinem Hotelzimmer und weitere 18 Waffen in seinem Haus – sowie tausende Schuss Munition besorgen konnte, ohne dass es den Behörden auffiel, ist für Trumps Sprecherin Sanders kein Argument für strengere Waffengesetze. Sie verweist auf die vielen Gewalttaten in Chicago, einer Stadt mit strengen Auflagen für Schusswaffen. Dass die meisten in Chicago verwendeten Pistolen und Gewehre aus dem Bundesstaat Indiana stammen, wo Waffen leichter zu besorgen sind, sagt sie nicht.

Waffengegner wiederum sehen sich durch das Massaker bei dem Countrymusik-Festival in Nevada in ihrer Haltung bestätigt. „Das ist nicht kompliziert", schreibt Aktivist David Edward Burke von der Gruppe Citizens Take Action (Bürger werden aktiv) auf Twitter. Alles, was Amerika brauche, seien Politiker, denen mehr an den Bürgern liege als an der NRA.

Dagegen betont der konservative Publizist Ben Shapiro auf der Website Daily Wire, noch sei nicht klar, wie Paddock an seine Waffen gekommen sei. Wenn dieser mit illegalen Waffen geschossen habe, seien strengere Gesetze für legale Waffen keine Lösung. Andere rechtsgerichtete Kommentatoren halten sich nicht mit solchen Feinheiten auf. Massaker wie das in Las Vegas seien der „Preis der Freiheit“, meint Bill O’Reilly, ein bekannter Ex-Moderator bei Trumps Lieblingssender Fox News. Die Verfassung garantiere allen das Recht, Waffen zu haben. „Auch den Verrückten.“

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