Bloggerin Chiara Ferragni mit Freund vor der Kulisse von Positano Foto: @theblondesaladp

Urlaubsziele der Modeszene Alles nur Kulisse

Ann-Kathrin Riedl
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An manchen Urlaubsorten ist die Dichte an Models, Designern und Influencern so hoch wie bei einer Fashion Week. Dabei geht es vor allem um Selbstinszenierung in fotogener Umgebung.

POSITANO, ITALIEN

Warum so angesagt?

Kein Reiseziel besuchte die Modeszene in diesem Sommer häufiger als Positano, die Kleinstadt an der Amalfiküste, die 1999 Jude Law, Matt Damon und Gwyneth Paltrow in „Der talentierte Mr. Ripley“ als Kulisse diente. Hier urlaubten in den vergangenen Monaten Topmodel Emily Ratajkowski, Designer Francesco Scognamiglio und Bloggerin Eleonora Carisi. Vor kurzem lud Anna-Christin Haas, Designerin des Labels Galvan, zu ihrer Hochzeit in die Küstenstadt. Unter den Gästen: Leyla Piedayesh und Veronika Heilbrunner. Fast scheint es, als könnte Positano dem ehrwürdigen Jetset-Reiseziel St. Tropez Konkurrenz machen. Ein nicht unerheblicher Grund dürfte sein, dass es mit seinen direkt am Felshang kauernden bunten Häuschen, unter denen sich azurblaues Wasser auftut, eine besonders gute Fotokulisse abgibt. Überhaupt liegt Italien wieder im Trend. Neben Positano zählen derzeit auch Apulien, Cinque Terre und Sizilien zu den Top-Zielen. Dabei schien das Land dem Jetset als Reiseziel lange Zeit zu unspektakulär zu sein. Könnte es daran liegen, das exotischere Reiseziele wie Marrakesch im Moment unsicher erscheinen?

Wie inszeniert man sich hier?

Mit einem ausschweifenden Nachtleben kann Positano nicht dienen, der Stil seiner Gäste ist dementsprechend entspannt. Viel Mühe braucht es hier aber ohnehin nicht, um das perfekte Urlaubsfoto zu bekommen. Die Italienerin Chiara Ferragni, mit über zehn Millionen Instagram-Abonnenten erfolgreichste Modebloggerin der Welt, macht vor, wie es geht: sich auf einer Jacht vor der Küste so positionieren, dass der malerische Ort im Hintergrund aufragt, den „Boyfriend“ im Schlepptau. Schon entsteht ein Schnappschuss, der ihr auf Instagram über 260 000 Likes gebracht hat.

HAVANNA, KUBA

Warum so angesagt?

Innerhalb kürzester Zeit hat sich Kuba zu einem der beliebtesten Reiseziele der Mode-Prominenz entwickelt. Ausgelöst wurde der Hype von Karl Lagerfeld. Der zeigte seine Chanel-Cruise-Kollektion für den Sommer 2016/17 in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Es war das erste Mal, dass eine Luxusmarke in dem kommunistischen Karibik-Staat ein Event ausrichtete. Selbstverständlich ließ Lagerfeld zu dieser Gelegenheit Hunderte Journalisten und Stars wie Gisele Bündchen einfliegen. In den sozialen Netzwerken teilten die Gäste fleißig Fotos und Videos von der Show auf der berühmten Promenade Paseo del Prado. Es war wie ein modischer Ritterschlag für den Inselstaat, der bis dahin auf der Landkarte des Jetset ein weißer Fleck war. Das neu entflammte Interesse hielt an, auch nachdem die Chanel-Horde weitergezogen war. In den folgenden Wochen veröffentlichte die US-Vogue ihre Reise-Tipps für Havanna. Stars wie Model Kate Moss zählen seitdem zu den Besuchern.

Wie inszeniert man sich hier?

Ein wenig folkloristisch, im Crop-Top zu weiten Röcken in jeder Farbe des Spektrums. Es muss schließlich sichergestellt werden, dass man für alle bunten Hauswände und Oldtimer, vor denen man posieren möchte, den passenden Look dabei hat. Der wahre Instagram-Profi stimmt sogar die Farbe seiner Eiskugeln aufs Outfit ab.

Devid Gualandris vom Blog Starecasers beim Urlaub auf Santorin Foto: @devidgualandrisp

KYKLADEN, GRIECHENLAND

Warum so angesagt?

Die Kykladen sind kein Geheimtipp mehr, trotzdem taucht die griechische Inselgruppe verlässlich alle Jahre wieder in den Instagram-Profilen der Modeszene auf und scheint ihren Reiz nicht zu verlieren. Die größte Promidichte herrscht auf Mykonos. Hier feiern die Designer-Zwillinge Dean und Dan Carten von Dsquared2 mit Topmodel Natasha Poly im exklusiven Beach-Club Alemagou, während Social–Media-Star Kendall Jenner an Deck einer Jacht Selfies schießt. Eine Spur ruhiger geht es auf Santorin zu, das für seine weißen Windmühlen und Häuschen mit tiefblauen Kuppeln berühmt ist und einem einzigen großen Postkartenmotiv gleicht.

Wie inszeniert man sich hier?

Edel in Häkel- und Leinenkleidern in Pastellfarben oder in Weiß, um mit der Umgebung zu verschmelzen. Für das i-Tüpfelchen eine der rosafarbenen Bougainvillea-Blüten ins Haar stecken, die auf den Kykladen die Häuserfassaden überziehen. Auf der Foto-App Instagram haben sich unter den Inselbesuchern außerdem folgende Lieblingsmotive etabliert: reich gedeckte Frühstückstische, die auf Balkonen mit Blick über die weiße Stadt stehen (merke: erst das Foto, dann darf gegessen werden) ebenso wie Endlos Pools, die direkt in den Himmel und das Meer überzugehen scheinen und in denen es sich wunderbar mit träumerisch in die Ferne gerichtetem Blick posieren lässt, wie es Devid Gualandris vom Berliner Männerblog Starecasers vormacht.

ORACABESSA, JAMAIKA

Warum so angesagt?

Die Strände von Jamaika sind eine Neuentdeckung in Modekreisen. Mitverantwortlich für den Hype ist Harry Styles. Der US-Sänger, der für seinen Stil in der Modebranche gefeiert wird, schrieb die Songs seines neuen Albums im Golden Eye Resort im Süden des Landes. Die heutige Luxus-Ferienanlage war einst Wohnsitz von Schriftsteller und James-Bond-Erfinder Ian Fleming. Nun gehört sie Musikproduzent Chris Blackwell, Gründer von Island Records, der unter anderem mit Bob
Marley arbeitete. Inzwischen ist das Resort zum Promi-Treffpunkt geworden. Sofia Richie, Model und Tochter von Lionel Richie, verbrachte hier kürzlich ihren Sommerurlaub zusammen mit Star-Stylistin Chloe Bartoli. Auch die Models Bella Hadid und Ireland Baldwin verbrachten die Sommermonate auf Jamaika. Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Kürzlich verkündete die US-Vogue ein „Reggae-Revival“ und listete gleich eine Reihe von jamaikanischen Festivals auf, die ab sofort ein Muss für den Jetset sind.

Wie inszeniert man sich hier?

Entspannt. Jeansshorts und Tanktop. Doch auch auf Jamaika wird der modische Druck größer. Zum Musikfestival Reggae Sumfest tauchten diesen Sommer bereits erste Modestrecken mit den besten Streetytles der Besucher auf den Onlineseiten diverser Modemagazine auf. Wie diese Looks aussahen? Kaum von denen der Besucher des kalifornischen Coachella-Festivals zu unterscheiden.

Lisa Banholzer von Blogger Bazaar und Bloggerin Lisa Hahnbück auf Ibiza Foto: @bloggerbazaarp

IBIZA, SPANIEN

Warum so angesagt?

Trotz des Massentourismus ist die Insel immer ein Hotspot der Modeszene geblieben. Der Grund dafür sind offenbar die nach wie vor besten Partys mit den besten DJs. Tagsüber sonnen sich Models und Designer an Deck der Jachten, die vor der Küste ankern, am Abend ziehen sie durch die exklusiven Clubs der Insel.

Wie inszeniert man sich hier?

Ibiza gilt als Ursprungsort der Sommermode schlechthin. Wallende, luftige Kleider, die viel Bewegungsfreiheit lassen, dazu Strohhüte, Espadrilles und farbenfroher, opulenter Schmuck. Für den charakteristischen Stil der Insel hat sich unter den (Edel-)Hippies, die diese Insel vor allem in den 60er- und 70er-Jahren bevölkerten, der Begriff „Adlib“ herausgebildet, was soviel bedeutet wie „ganz nach Belieben“. Prominenteste Vertreterin der Adlib-Mode: die serbische Prinzessin Smilja Mihailovitch, die in den 70ern das Society-Leben der Insel prägte. Inzwischen hat sich der Ibiza-Look über die ganze Welt verbreitet. Auf der Insel selbst hingegen herrscht inzwischen ein internationaler Party-Dresscode vor, wie ihn die Bloggerinnen Lisa Banholzer und Lisa Hahnbück tragen, nämlich High Heels statt Sandalen.

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