Toni Garrn in einem T-Shirt der britischen Designerin Bella Freud, das ebenfalls zum Verkauf stand Foto: promo
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"Supermodel Fleamarket" in Berlin Edeltrödel für die gute Sache

Ann-Kathrin Riedl
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Model Toni Garrn sammelt Kleidung bei Promis und Verwandten für einen guten Zweck.

Gerade noch stand die 25-jährige Toni Garrn in Australien vor der Kamera, nun sitzt sie im verregneten Berlin und kämpft gegen eine Erkältung an. Seit Beginn ihrer Karriere setzt sich das deutsche Model für bessere Bildungschancen von Mädchen ein, seit 2016 mit einer eigenen Stiftung. Wichtige Einnahmequelle ist der von ihr organisierte „Supermodel Fleamarket“. In Kooperation mit Vestiaire Collective, einem Onlineshop für Luxusmode aus zweiter Hand, findet die Aktion erstmals auch online und in drei Pop-up-Shops statt, einer davon in Berlin. Im Interview spricht Toni Garrn über das Konzept.

Sie wurden mit 14 entdeckt und galten schnell als neues deutsches Supermodel. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie etwas bewirken können?
Das hat eine Weile gedauert. Anfangs bin ich nach Afrika gereist, weil mein Bruder dort nach dem Abitur ein soziales Jahr gemacht hat. Damals habe ich eine große Liebe zu Afrika entwickelt, zu seiner Natur, zur Kultur. Ich habe recht früh angefangen, Patenschaften für Mädchen dort zu übernehmen. Dass ich mich für Projekte in Afrika engagiere, hat sich also langsam entwickelt. Ich habe mir das nicht einfach ausgedacht, weil ich das Gefühl hatte, als Model irgendwas machen zu müssen. Aber meine Position nicht zu nutzen, wäre dumm.

Der Erlös, den Sie mit dem Flohmarkt einnehmen, wird an Ihre eigene Toni Garrn Foundation fließen. Welche Projekte setzen Sie damit um?
Ich bin seit drei Jahren in Simbabwe aktiv. Es gibt dort zwar Schulen, aber das Hauptproblem vieler Mädchen sind die langen und gefährlichen Wege dorthin. Mit dem Geld werden Hostels direkt auf dem Schulgelände gebaut, in denen die Mädchen untergebracht werden. Ein solches Hostel gibt es bereits, das „Toni Garrn Hostel“. Zwei weitere sind in Planung, für je 30 Mädchen.

Vor drei Jahren richteten Sie in New York den ersten Flohmarkt aus. Wie sahen die Anfänge aus?
Immer, wenn ich umgezogen bin, und das tue ich oft, habe ich Koffer voller Kleidung aussortiert. Irgendwann kam der Gedanke, einen eigenen Flohmarkt zu machen und Freundinnen zu fragen, ob sie auch etwas dazugeben wollen. Jede, die ich angerufen habe, war begeistert. Ich bin durch New York gefahren und habe die Sachen bei ihnen abgeholt. Mit meiner Mutter und meiner Agentin habe ich eine Woche lang alles sortiert, nächtelang gebügelt und gegoogelt, was die Sachen wert sein könnten. Wenn man jetzt sieht, was daraus geworden ist, ist das unfassbar. Beim ersten Mal hätte ich es schon für einen großen Erfolg gehalten, wenn ich eine Getränkemarke als Sponsor finde, die ein paar Drinks bereitstellt.

Was hat sich durch Ihre Kooperation mit dem Vestiaire Collective verändert?
Vestiaire hat die Logistik übernommen. Ich sorge nur noch dafür, dass die Leute Ja sagen, der persönliche Kontakt ist entscheidend. Vestiaire kümmert sich darum, dass alles abgeholt und gesammelt wird. Und sie checken die Qualität der Sachen.

Von wem haben Sie besondere Unterstützung erfahren?
Ich war überwältigt, wie viel Gisele Bündchen gegeben hat. Ich kenne sie und bewundere sie sehr, aber sie ist keine enge Freundin. Trotzdem hat es nur eine Mail gebraucht, und sie hat sofort Sachen geschickt. Kate Moss hat eine tolle Jeansjacke gespendet, die sie signiert hat. Naomi Campbell hat viele Schuhe gegeben. Und meine Oma hat eine Tasche beigesteuert. Auf den Spenden stehen immer die Namen derjenigen, von denen die Teile kommen.

Viele Ihrer Kolleginnen machen ebenfalls mit eigenen Projekten von sich reden. Können Models heute mehr bewirken?
Die sozialen Medien haben uns eine Stimme gegeben, wir haben heute mehr Einfluss. Dass nun viele Models mit ihren Initiativen im Mittelpunkt stehen, liegt ja nicht daran, dass wir plötzlich etwas tun, was uns vorher nicht interessiert hätte. Wir sitzen so viele Stunden im Flugzeug, da ist viel Zeit, nachzudenken und kreativ zu werden, aber das hat niemand mitbekommen. Nun können wir unsere Persönlichkeit und unsere Interessen zeigen. Auf sozialen Medien kann man so viel herumhacken, wie man will, aber wenn die vielen Follower richtig genutzt werden, können daraus tolle Sachen entstehen.

Allgemein entsteht der Eindruck, dass sich die Modebranche politisiert hat.
Angesichts der politischen Entwicklungen, die in diesem Jahr passiert sind, versucht sich die gesamte Kreativbranche starkzumachen, zum Beispiel für den Feminismus. Es gibt viele Vorreiter, aber natürlich auch viele, die einfach sagen: Okay, das wird groß, da wollen wir nicht fehlen. Allgemein leben wir in einer Zeit, in der sich alles um Botschaften, um Aussagen dreht. Auch wenn es nur ein Spruch auf einem T-Shirt ist. Alles soll ein bisschen mehr Bedeutung haben. Irgendwann werden wir sortieren müssen, was davon ernst gemeint ist. Letztlich ist Mode aber Kunst, man kann machen, was man will – am Ende geht es um das Schöne.

Der „Supermodel Fleamarket“ ist online zu finden: www.vestiairecollective.de

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