Den Kundschafter gibt es in zwei Varianten - den Klassiker und einen für schmale Rücken Foto: promo
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Schulranzen von Kundschafter Simplify your Ranzen

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Heute schwärmen sie zum ersten Mal aus: Erstklässler mit wild gemusterten Tornistern, so groß, dass man nicht weiß, wer wen trägt. Zwei Berliner bieten eine Alternative dazu an und haben damit solchen Erfolg, dass sie restlos ausverkauft sind.

Wir erzählen hier die Geschichte von zwei tapferen Menschen, die seit Jahresanfang nichts anderes tun, als Schulranzen zu nähen. Die Geschichte kommt eigentlich zum allerschlechtesten Zeitpunkt, denn alle Ranzen sind gekauft und die der beiden Tapferen restlos ausverkauft.

Aber wer denkt, der Frühsommer sei ideal, um über Ranzen zu berichten, erntet nur ein müdes Lächeln. Einen Ranzen bestellt man am besten im Januar, jedenfalls bei Kundschafter, so heißt das Label. Für Ilka Koss und Arp Dinkelaker ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, über Ranzen zu reden, weil sie endlich mal wieder Zeit haben. Am Dienstag hat Dinkelaker den letzten Ranzen für dieses Schuljahr genäht, den hat sein Sohn bekommen, der heute eingeschult wird.

Der Kundschafterranzen ist also ein Nischengeschäft. Ein so gutes, dass vorne auf dem Tresen, der mit Tafelfarbe gestrichen ist, steht: „Wir sind fast ausverkauft.“ Das „fast“ ist durchgestrichen, die Regale sind leer. Es gibt nur noch unverkäufliches Archivmaterial wie den ersten Prototypen oder ein Modell von Scout aus den achtziger Jahren. Beim Anblick dieses schlichten Exemplars wird einem schlagartig klar, warum so viele Eltern feuchte Augen bekommen, wenn sie den Kundschafter sehen. Er erinnert sie an ihre eigene Kindheit, als der Scout in Westdeutschland das Nonplusultra war.

Der Kundschafter soll vor allem eins nicht sein: eine Belastung. Keine Gewichtsbelastung für die Kinder und keine optische für die Großen. Die Ranzen von Ilka Koss und Arp Dinkelaker sind mit 780 Gramm sehr leicht und für heutige Verhältnisse sehr schlicht. Fast unvorstellbar: keine Muster, sprich Elfen oder Einhörner, die über Regenbogen springen, Monster wie Darth Vader, Bagger, die Gruben ausheben, streng getrennt nach Mädchen- und Jungenthemen.

Schaut man sich auf Schulhöfen um, könnte man meinen, dass es das sei, was Kinder wollen. Wer sich einmal in den Geschäften umgeschaut hat, merkt: Die können gar nichts anderes wollen. Selbst innovative junge Firmen wie das Kölner Start-up Ergobag, das auf die Idee kam, die Motive auf anheftbare Sticker zu verlagern, verzichten nicht ganz auf Muster. Alternativen gibt es so gut wie keine.

Warum nur Schulranzen mit Einhörnern und Darth Vader?

Das hat auch Ilka Koss und Arp Dinkelaker vor gut 13 Jahren umgetrieben, als ihr erster Sohn in die Schule kam. Die Mutter machte den Vater darauf aufmerksam, dass sie wohl selber einen Ranzen machen müssten, es gebe einfach nichts Schlichtes. „Ach was“, sagte Vater Arp und schaute selbst. Als er weder online noch offline etwas fand, beschloss er zweierlei: „Da ist eine Lücke, die sollten wir nutzen. Und wir machen das selbst.“ Schließlich verfügten sie als gelernte Architekten über räumliches Denken und ein Gefühl für Material. Und sie wussten: Wo wir sind, müssen noch mehr sein. Wozu lebt man in Prenzlauer Berg und schickt sein Kind auf eine Waldorfschule? Ein Jahr arbeiteten sie nebenbei an dem Ranzen. Der, den sich ihr Großer in Orange und Grün gewünscht hatte, den Farben seines Lieblingsvereins Werder Bremen, wurde in der Nacht vor der Einschulung fertig. Als sich am nächsten Tag auf dem Schulhof um seinen Sohn eine Traube aufgeregter Eltern bildete, wusste Arp Dinkelaker: Wir sind im Geschäft. Und tatsächlich ist es noch heute so – wo es eine Waldorfschule gibt, verkaufen sich die Ranzen besonders gut. „Wir sind eine Graswurzelbewegung. Ein Kind mit dem Kundschafter auf dem Schulhof reicht, und schon steigt die Nachfrage.“

Bei so viel Erfolg müsste die Geschichte eigentlich so weitergehen: Investor gesucht, Fabrik gefunden und Stückzahlen in die Tausende getrieben. Ein MBA-Absolvent riet ihnen dazu: „Ihr könntet reich werden.“ Arp Dinkelaker erzählt das, auf seinen Arbeitstisch gestützt, auf dem ein knallblauer Stoff liegt. Er will experimentieren, vielleicht ein neues Modell. Er schaut sich in dem Ladenlokal um, in dem sie seit 2016 arbeiten. Zwei Industrienähmaschinen stehen bereit. „Das ist der Preis für die Freiheit – wir leben auf studentischem Niveau.“

Er und seine Frau wollten langsam wachsen. Sie suchten sich zwar einen Täschner, der vier Jahre für sie produzierte, als der aber nachkalkulierte und das Doppelte haben wollte, standen sie da wie am Anfang. Nur dass ihr Sohn jetzt zwei Brüder hatte. Arp Dinkelaker, der noch für eine Multimediaagentur arbeitete, schloss sich ins Atelier ein und entwickelte ein Modell, das genauso funktional und leicht, aber einfacher zu nähen war. Seitdem machen sie alles selbst. Jeder Ranzen ist ein Unikat und wird erst bei Bestellung von ihnen gefertigt, 169 Euro kostet das schmalere Modell, 179 Euro das breitere. Seit 2015 kann die Familie davon leben.

Bald ist auch der erste große Rucksack marktreif. Er ist für große Kinder gedacht und für Erwachsene, die das Design des Kundschafters mögen, schlicht wie der Ranzen und knallig durch die farbigen Anschnallgurte. Dann haben sie endlich ein Produkt, das auch zwischen Schulanfang und Weihnachten zu haben ist.

Kundschafter, Dunckerstr. 87, Prenzlauer Berg. Neue Ranzen kann man ab Januar in verschiedenen Farben und zwei Größen bestellen.

Mehr Infos unter: www.derkundschafter.de

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