In Berlin zeigte Prabal Gurung seine Resort-Kollektion 2018 Foto: imago
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Prabal Gurung besucht die Berlin Fashion Week Schluss mit leeren Versprechungen

Ann-Kathrin Riedl
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Prabal Gurung zeigt sonst in New York, wo er auch lebt. Jetzt kam der Amerikaner mit nepalesischen Wurzeln für eine Schau nach Berlin.

Im Moment sieht man T-Shirts mit Slogans wie „Feminist“. Sie waren einer der Ersten, die den Trend losgetreten haben. Könnten diese Worte dadurch beliebig werden?
Diese Gefahr gibt es. Als ich die Worte in meiner Kollektion benutzte, habe ich mich monatelang damit auseinandergesetzt. Aber wenn Marken sie benutzen, obwohl sie nie zuvor eine Verbindung zu dem Thema hatten, ist das keine gute Entwicklung. Käufer müssen misstrauisch sein. Die Leute sollten sich rühren, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas keinen Sinn macht.

Sie aber verknüpfen Ihre Aussagen mit konkreten Handlungen, haben in ihrer Heimat Nepal eine Stiftung gegründet.
In Nepal konnten wir das Leben von hunderten Menschen durch Bildung verbessern. Das Projekt begann zwei Jahre nachdem ich mein Label aufgebaut hatte. Ich wollte die große Aufmerksamkeit, die mir geschenkt wurde, einsetzen. Und ich hatte eine Begegnung mit einer Modekritikerin, die zu mir sagte: ,Prabal, es geht in unserem Job doch nur um Mode, wir retten keine Leben.’ Das hat mir zu denken gegeben. Wer eine Plattform hat, sollte sich positionieren.

Sie lassen fast ausschließlich in New York produzieren, statt in Billigländern.
Weil mir Amerika eine Chance gab, als ich als Migrant hierherkam. Ich wollte etwas zurückgeben. Außerdem kann man so die Qualität besser kontrollieren.

Sie haben vor Kurzem eine Übergrößenkollektion entworfen und dafür teils sehr ablehnende Kommentare bekommen.
Die Modeindustrie ist sehr strikt in ihren Vorstellungen von Schönheit. Oft heißt das: jung, blond, blaue Augen, Size Zero. In meinem Umfeld gibt es Menschen aller Kleidergrößen und Ethnien. Meine Arbeit soll das reflektieren. Das muss man immer wieder neu durchsetzen. Die Modeindustrie ist von Angst getrieben: Ist das cool genug? Bin ich cool genug? Sie zehrt von den Unsicherheiten, die wir alle in uns tragen. Das ist aber überholt. Es ist an uns, Risiken einzugehen.

Wie spiegelt sich das in der Ressort-Kollektion, die Sie hier in Berlin zeigen?
In meiner Arbeit geht es um Diversität: im Sinne von Größe, Alter, Ethnien. Mit dieser Kollektion fokussiere ich mich besonders auf Ethnien. Ein wunderschönes farbiges Model wird die Schau eröffnen. Die Mädchen sind sehr durchmischt, das war eine Herausforderung. Als wir den ersten Vorschlag für die Auswahl der Models bekamen, waren nur blonde Mädchen darunter. Ich war geschockt.

Ist das Thema eines Ihrer Hauptanliegen?
Ich will nicht den Zeigefinger heben, ich will nur sagen, dass diese Ungerechtigkeit existiert. Ich kann mich erinnern, wie es war, aufzuwachsen und niemanden auf dem Cover von Magazinen zu sehen, der aussah wie ich. Jemand wie ich wurde nicht als schön empfunden. Das beeinflusste mich. Es dauert, bis man sich so annehmen kann, wie man ist, wenn die Medien gleichzeitig etwas anderes zeigen. Ich will, dass meine Nichte und meine Neffen mit einem anderen Schönheitsideal aufwachsen.

Ihre Botschaft passt gut zum Lebensgefühl in Berlin. War das auch ein Grund, warum Sie die Kollektion hier zeigen wollten?
Berlin und generell Europa stehen schon lange in meinem Fokus. Als eine unabhängige, selbst finanzierte Marke müssen wir überlegen, wo wir als Nächstes expandieren wollen.

Sie haben mal gesagt, Sie würden auch Melania Trump einkleiden. Viele ihrer Kollegen boykottieren die First Lady.
Ich hatte noch keine Anfrage von ihr. Aber ich würde ihr ein Kleid geben. Mit meiner Marke stehe ich für Toleranz, für Feminismus, für Diversität. Ich bilde mir ein, wenn sie sich für ein Kleid von mir entscheidet, dann entscheidet sie sich auch für die Werte meiner Marke und zeigt Solidarität. Was First Ladies tragen, wird immer analysiert. Michelle Obama hat dieses Spiel perfekt beherrscht. Aber auch für uns alle gilt: Was wir tragen, sagt viel über das aus, wofür wir stehen. Es gibt Designer, die sich gegen die Ehe für alle aussprechen. Wenn jemand Kleider von ihnen kaufen will, weil sie schön sind, ist das in Ordnung. Ich will nur sagen, es gibt eine bessere Möglichkeit.

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