Sommerurlaub mit Freund Carl Jakob Haupt vom Berliner Modeblog Dandy Diary Foto: Instagram/ @gia_escobar
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Models in den sozialen Medien Schön einflussreich

Sophia Steube
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Models können über soziale Netzwerke mehr Menschen erreichen als Printmagazine. Das verändert nicht nur ihr Berufsbild, sondern gibt ihnen auch eine neue Position im Machtgefüge der Mode.

Was Giannina Müller dieses Jahr in ihrem Sommerurlaub erlebt hat, konnten 30 500 Menschen mitverfolgen, so viele Abonnenten hat sie auf der Social-Media-Plattform Instagram. Fast täglich lädt das 23-jährige Model dort Fotos hoch oder teilt seinen Alltag in kurzen Videos. Vor wenigen Monaten porträtierte sie die deutsche Vogue als Influencerin, also als Person, der aufgrund ihrer Reichweite in sozialen Medien Einfluss zugeschrieben wird.

Ursprünglich war die App Instagram dafür gedacht, Bilder mit Freunden zu teilen, doch Müllers Engagement in den sozialen Netzwerken ist längst nicht mehr nur privates Vergnügen. In den zehn Jahren, die sie als Model arbeitet, hat sich durch die Digitalisierung vieles verändert. Sie erinnert sich, wie sie anfangs noch mit einer Mappe voller Fotos von Casting zu Casting zog. „Heute benutze ich einen Tablet-PC und zeige Kunden meine Fotos digital. Manchmal finden Castings sogar per Video statt“, sagt sie. „Instagram nutze ich, um mit Fotografen, Casting-Agenten, Make-Up-Artists und anderen Models in Kontakt zu bleiben.“

Das Internet hat die Modebranche verändert, die Prioritäten haben sich verschoben, weg von Printmedien, hin zu Online. Modekampagnen, die früher für Hochglanzmagazine gemacht wurden, finden heute in erster Linie im Web statt. Marken müssen nun auf mehreren Ebenen denken. Bilder und Live-Videos vom Set werden schon während des Shootings im Netz geteilt und dokumentieren den gesamten Entstehungsprozess. Für den Youtube-Kanal werden Making-Off-Filme produziert. Und das Kampagnen-Foto, das am Ende des Tages entsteht, soll möglichst viele Menschen in den sozialen Netzwerken erreichen. Deshalb bedeuten Follower und Likes bares Geld, für Marken wie Models.

Selfies vor dem Spiegel für die Fans auf Instagram Foto: Instagram/ @gia_escobar
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Häufig bekommt Giannina Müller Anfragen für Jobs direkt über Instagram. Einige Unternehmen machen sich gar nicht mehr die Mühe, Bilder auf den Seiten der Agenturen durchzuklicken. Auf der Website der Berliner Modelagentur VIVA ist zu jedem Gesicht der Link zum Instagram-Profil hinterlegt. „Oft fragen Kunden an, ob ich die Fotos einer Kampagne auch auf Instagram posten und das Unternehmen verlinken kann“, sagt Müller. „Dann ist die Reichweite natürlich nicht ganz unwichtig für die Gage.“ Immerhin werden durch sie die Bilder zusätzlich mit zahlreichen Menschen geteilt, ohne dass noch einmal neue Werbemaßnahmen ergriffen werden müssen.

Auch Designer Michael Michalsky bestätigt, dass die Follower-Zahl eines Models Einfluss auf dessen Erfolg haben kann: "Ein Mädchen muss immer noch durch ihre Optik und Ausstrahlung überzeugen. Aber mit einer höheren Anzahl Follower wird eine junge Frau bekannter und damit interessanter für Werbeshootings." Gigi Hadid und Kendall Jenner sind wohl die besten Beispiele dafür, wie hilfreich das Internet und insbesondere Instagram für die Selbstvermarktung sind. Sie sind Models und Social-Media-Stars zugleich. Jenner folgen allein auf Instagram mehr als 80 Millionen Menschen, das entspricht der Einwohnerzahl Deutschlands. Das verleiht ihr Macht, allein für das Erwähnen eines Markennamens auf ihrem Account kann sie mehrere hunderttausend Dollar verlangen.

In den Kampagnen der vergangenen Saisons ist offensichtlich, dass vor allem traditionelle Unternehmen wie Fendi oder Chanel auf die Zusammenarbeit mit diesen besonders reichweitenstarken Models setzen. Denn die wirken wie eine Verjüngungskur, für die die Modehäuser gar nichts weiter tun müssen. Durch junge Instagram-Stars wird eine ganz neue Zielgruppe angesprochen. Ein großer Bonus ist, dass diese Models täglich in sozialen Netzwerken unterwegs sind und daher wissen, welche Fotos bei ihren Followern ankommen oder wie sie ein Produkt in Szene setzen müssen, damit es möglichst viele anspricht.

Jobs als DJane mit Freundin Alyssa Cordes Foto: Instagram/ @gia_escobar
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Das bekannteste Model und wohl auch das erste, das seine Karriere mit Hilfe sozialer Medien vorangetrieben hat, ist die heute 25-jährige Britin Cara Delevingne. Zierliches Gesicht, starke Augenbrauen, ein Instagram-Profil voller Grimassen und mehrere Saisons lang die Muse von Karl Lagerfeld. Cara Delevingne hat in den Augen vieler Unternehmen genau das, was man in Casting-Shows wie Germany's Next Topmodel so oft hört, aber vermisst: „personality“. Sie zögerte nicht, sich damit auf Instagram zu präsentieren. Im Prinzip geht es um jenes Charisma, das auch den Supermodels der 90er Jahre zu weltweitem Erfolg verholfen hat, nur dass Delevingne ihr Image viel stärker selbst formt und durch ihre Social-Media-Präsenz nahbarer wirkt.

Ähnliches wie Cara Delevigne tut auch Giannina Müller. Ihre Bilder und Videos zeigen alle Facetten ihres Lebens: ihre Beziehung zum ebenfalls bestens vernetzten Carl Jakob Haupt vom Berliner Modeblog Dandy Diary, ihren Job, ihre Freunde, Partys und ihre Leidenschaft für Musik, wenn sie als DJane im Nachtleben der Hauptstadt unterwegs ist. Sie erfüllt das Traumbild, das junge Mädchen von einem Modelleben in Berlin haben. Und das ist für Marken mehr wert als jedes noch so ausgeklügelte Kampagnenkonzept.

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