Die Schuhe aus Raphia werden im Atlasgebirge geflochten, die Tasche kommt aus Bali Foto: promo
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Mode aus aller Welt von Nandi Nah und Fern

Sophia Steube
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Wie bringt man die halbe Welt nach Berlin? Das haben sich Vanessa Engelkes und Leonie Arau gefragt – und ihr Geschäft Nandi gegründet.

Die Schaufenster von Nandi sehen nach Urlaub aus. Die Pflanzen in den bunten Sisal-Körben sind grüner als die Bäume in der Dunckerstraße, und auf den bunt bestickten Kissen liegen Schuhe aus Raphia. Daneben stehen jene großen Flechtkörbe, wie sie Brigitte Bardot schon in den sechziger Jahren durch Saint-Tropez trug. Nandi ist einer von vielen Concept Stores in Berlin, aber einer der buntesten.

Im Verkaufsraum ist alles selbst gemacht, vom Tresen bis zur Kleiderstange. Als Leonie Arau und Vanessa Engelkes im November den Zuschlag für den Laden in Prenzlauer Berg bekamen, sollte es schnell gehen. Die beiden haben sich während ihres Studiums kennengelernt. Im vergangenen Jahr haben sie Nandi zunächst als Online-Shop gegründet und dann innerhalb von zwei Wochen das Geschäft eröffnet. Produkte aus 13 Ländern sind auf den Regalen und dem großen Ausstellungstisch mitten im Raum verteilt. Und tatsächlich hat die Geschichte von Nandi mit dem Wunsch begonnen, die Welt zu sehen.

Leonie Arau und Vanessa Engelkes verreisten zum ersten Mal vor vier Jahren gemeinsam, aber auch allein sind sie schon auf dem halben Globus unterwegs gewesen. Jedes Mal kamen sie mit farbenfrohen Souvenirs zurück nach Berlin, egal ob mit Teppichen aus Peru oder Körben aus Marokko. Vanessa Engelkes arbeitete damals noch in der Eventbranche und Leonie Arau im Marketingbereich. „Wir hatten beide das Gefühl, das Leben zieht an uns vorbei“, sagt Leonie Arau. Also kündigten sie ihre Jobs. Nun haben sie gerade das einjährige Jubiläum ihres eigenen Unternehmens gefeiert. Denn Nandi ist mittlerweile nicht mehr nur Online-Shop und ein Concept Store, sondern eine eigene Marke.

In Zusammenarbeit mit Handwerkern auf der ganzen Welt lassen die beiden Gründerinnen Kleidungsstücke und Accessoires nach ihren eigenen Vorstellungen herstellen, etwa die Raphia-Schuhe oder die balinesischen Taschen aus Ata-Gras. „Wir würden uns niemals als Designerinnen bezeichnen, aber wir sprechen mit unseren Partnern genau ab, welches Produkt wir haben möchten und wie es aussehen soll“, sagt Leonie Arau.

Die Kontakte zu den Handwerkern haben sie auf ihren Reisen geknüpft. „Vieles war Zufall, die Zusammenarbeit hat sich oft einfach ergeben, unsere Partner aus Ghana habe ich beispielsweise auf einem Markt in Nürnberg kennengelernt“, erzählt Leonie Arau.

Nach den bestickten Kleidern aus Mexiko, den Taschen aus Bali und den Raphia-Schuhen aus Marokko wollen Leonie Arau und Vanessa Engelkes ihr Mode- und Accessoire-Sortiment erweitern. Dafür arbeiten die beiden an einem Projekt mit einer Nichtregierungsorganisation in Indien, mit der auch das Berliner Modelabel Zazi Vintage kooperiert, um Saris fertigen zu lassen. Die Logistik ist oft die größte Herausforderung. „Wenn beispielsweise in Marokko Ramadan ist, wird dort in einem anderen Rhythmus gearbeitet“, erklärt Vanessa Engelkes.

Bei der Auswahl der Partner, der Handwerker und der Produkte achten die beiden Nandi-Gründerinnen auch auf die Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung. „Die Raphia-Schuhe werden im Atlasgebirge geflochten, das dauert zwei Tage. In Marrakesch wird schließlich die Sohle befestigt. Die Taschen aus Bali werden von einem kleinen Familienbetrieb produziert“, sagt sie.

Mittlerweile bewerben sich Labels aus ganz Europa bei Nandi, um ihre Artikel in dem bunten Berliner Laden verkaufen zu können. Gerade erst kam eine Anfrage aus Amsterdam. Einmal hat ein Berliner Tontöpfe von seiner Reise durch den Iran vorbeigebracht. „Davon waren wir sofort begeistert. Wir selektieren stark, aber was zu uns passt, nehmen wir“, erzählt Leonie Arau. So hängen bei Nandi nun auch schon ein, zwei Interior-Teile, die aus Berlin kommen. Die Wunschliste der Unternehmerinnen ist allerdings noch lang: Bald soll es Muschelketten aus Marokko geben, Silberschmuck aus Indien und Schals für den Winter. „Mit Textilien zu arbeiten ist noch Neuland für uns, aber Materialien aus Guatemala wären ein Traum“, sagt Leonie Arau. Das Land hat sie schon bereist, vielleicht findet es bald einen Platz im Schaufenster zwischen Mali und Syrien.

Nandi, Dunckerstr. 11 in Berlin-Prenzlauer Berg. Infos: www.nandistore.com

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