Marina Hoermanseder Foto: Kitty Kleist-Heinrichp

Erfolg der Esmod-Absolventen Hart, aber gut

Ann-Kathrin Riedl
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Nicht wenige von Berlins erfolgreichsten Designern haben an der Esmod studiert. Sie sind weit damit gekommen.

Die Bude ist voll bei Marina Hoermanseder. Die Designerin hat in ihr Kreuzberger Atelier geladen. Einen Anlass gibt es nicht, trotzdem kommen Blogger und Journalisten gerne; Erstere fotografieren sich mit Stücken der neuen Kollektion, Letztere stehen für Interviews Schlange. Es läuft bei der Designerin, kann man sagen.

Vor sieben Jahren kam die Österreicherin für ihr Designstudium nach Berlin, schrieb sich an der Esmod ein. Ihre heutige Bekanntheit verdankt sie auch ihrem Geschäftssinn und immer wieder neuen Kooperationen. Dafür sei ihr erstes Studium der Betriebswirtschaft verantwortlich zu machen, weniger die Zeit auf der Modeschule, erzählt Hoermanseder. Aber: Die Esmod habe sie Disziplin gelehrt. Über ihre Ausbildung sagt die Designerin rückblickend: „Es herrschte eine strenge Hand. Das war aber auch nicht schlecht für ein junges Mädchen wie mich, das sich dachte: Juhu, jetzt bin ich in Berlin, alles tralala.“ Ein lockeres Berliner Partyleben sei parallel zu einem Studium an der Esmod nicht möglich gewesen: „Wenn der Unterricht um neun Uhr begann und man zehn Minuten zu spät ankam, dann war die Tür zugesperrt.“ Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Mit ihrer Diplomkollektion gelang Hoermanseder ein Überraschungserfolg: Röcke und knallenge Korsetts aus Leder, in Beige und Knallrot, die Models in Skulpturen verwandelten. An den Seiten von Schnallen zusammengehalten, die später das Markenzeichen des Labels werden sollten.

Für ihren gewagten Ansatz brauchte es Freiheit und diese habe sie an der Esmod bekommen, erzählt Hoermanseder. „Die Lehrenden sagten damals zu uns: Haut bei der Diplomkollektion so richtig auf die Kacke.“ Vielen Freunden, die an anderen Modeschulen studierten, sei es anders ergangen, sagt Hoermanseder. In deren Ausbildung habe der kommerzielle Aspekt eine viel wichtigere Rolle gespielt, die Abschlusskollektion sollte verkaufbar sein. „Aber hätte ich damals zehn schöne Blusen gemacht, wäre ich nie in die Presse gekommen, dann hätte niemals Lady Gaga meine Sachen angefragt.“

Heute gehören Hoermanseders Schauen zu den am meisten besprochenen der Berliner Modewoche, ihre Lederkorsetts tauchten in einem Hollywood-Film auf und ihre Entwürfe verkauft sie bei Luisaviaroma, einem der international bekanntesten Luxus-Onlinehändler. Sie ist sich sicher: „Ohne die Esmod wäre ich nicht dorthin gekommen, wo ich heute bin.“

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler, das Duo hinter Kaviar Gauche Foto: Alexx and Antonp

Hoermanseder ist bei Weitem nicht die einzige erfolgreiche Absolventin der Modeschule. Auch Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl zählen dazu. Die beiden Designerinnen lernten sich während ihres Studiums in Berlin kennen, gründeten 2004 nach dem Abschluss ihr Label Kaviar Gauche. Mit luxuriöser Abend- und Brautmode haben sie eine Nische gefunden. Wenn deutsche Schauspielerinnen wie Heike Makatsch einen roten Teppich betreten, tun sie das gerne in Kaviar Gauche. Und um sich ein Hochzeitskleid des Labels auszusuchen, reisen Bräute aus aller Welt in die Berliner Linienstraße. Hier hat das Label seinen Hauptsitz, seine Kollektionen allerdings präsentiert es als eines der wenigen deutschen Labels auf der Pariser Modewoche. Kurz nach der Gründung ihrer Marke hatten die beiden Designerinnen dort parallel zum offiziellen Kalender eine Guerilla-Schau vor dem Luxuskaufhaus Colette organisiert und sich damit ins Gespräch gebracht. In der vergangenen Woche zeigten sie zum vierten Mal in Folge in der Stadt, Promis wie Lena Meyer-Landrut beklatschten aus der ersten Reihe die jüngste Kollektion mit dem Titel „La Vie en Rose“ – Tüllkleider in Rosétönen, mit Blumen bestickt. Wie auch Hoermanseder hat das Designer-Duo ein Gespür für das, was funktioniert, sowohl national als auch international.

Ivan Mandzukic Foto: promop

Auch Ivan Mandzukic zieht es in die Ferne. Gerade ist er auf dem Sprung, er muss sein Flugzeug nach Slowenien bekommen, wo er auf der Fashion Week Ljubljana zeigen wird. Sein Label Ivanman gründete der gebürtige Serbe 2010 direkt nach seinem Esmod-Abschluss. Inzwischen hat er sich mit seinen von Sportswear inspirierten und ungewohnt farbenfrohen Männerkollektionen etabliert. Und zwar nicht nur in Berlin, vor allem Concept Stores in Osteuropa bieten sein Label an.

Auf den Arbeitsalltag eines Designers habe ihn die Esmod gut vorbereitet, sagt er. Auch in Sachen Abhärtung: „Entwerfen ist eine emotionale Sache und wenn dann die Kritik vernichtend ist, muss man erst mal damit umgehen lernen.“ Im ersten Jahr machte dem gebürtigen Serben die fremde Sprache zu schaffen, das Esmod-Tempo nahm darauf keine Rücksicht. Im zweiten hatte er bereits gelernt, sich durchzuboxen, so drückt es Mandzukic aus. „Im Nachhinein sehe ich meine Zeit an der Esmod positiv, auch wenn ich damals jede Woche mindestens einmal ans Aufhören gedacht habe.“ Vor allem einen Aspekt hebt Mandzukic hervor: Bei der handwerklichen Ausbildung habe der Schule keine andere das Wasser reichen können.

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