Bei Zalon by Zalando kann man sich online in Sachen Businessmode beraten lassen Foto: promo
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BERLINER  STIL Die neue Freiheit in der Arbeitswelt

Ann-Kathrin Riedl
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In Sachen Businessmode gibt es mehr Freiheiten als je zuvor, aber dadurch auch mehr Unsicherheiten.

Johanna Klum möchte sofort verstanden werden. Deshalb legt die Moderatorin an manchem Morgen vor einem wichtigen Meeting das Flatterkleid bewusst zur Seite. „Sonst laufe ich Gefahr, dass ich mir Respekt erst hart erarbeiten muss, den ich vielleicht automatisch bekommen würde, wenn ich anders gekleidet wäre.“ Und noch eine Überlegung spielt mit: „Wie viele Männer sind anwesend und verstehen die halbwegs etwas von Mode? Sonst brauche ich die Hälfte meines Kleiderschranks gar nicht in Betracht ziehen.“

Der letzte Satz sorgt für Bestürzung in der Podiumsrunde, deren Gast Klum ist. Onlinehändler Zalando hat zur Eröffnung seines neuen Pop-up-Stores in Mitte eingeladen. Thema: Businessmode. Gerade in diesem Bereich scheint es mehr Redebedarf und Unsicherheit zu geben als je zuvor. Einst existierten klare Regeln dafür, wie sich Frauen in der klassischen Arbeitswelt zu kleiden hatten: Sie passten sich der Garderobe ihrer männlichen Kollegen an. Es galt, möglichst keinen Hinweis auf die eigene Weiblichkeit und Persönlichkeit durchscheinen zu lassen. Heute gilt eine Frau, die nur im Hosenanzug oder Kostüm erscheint, schnell als altbacken und unfrei. Sie soll sich locker machen, sich mehr trauen. Es ist schließlich alles erlaubt und an die Vorgaben von einst muss man sich nicht mehr halten – das zumindest vermitteln Frauenmagazine ihren Leserinnen.

Vor Kurzem widmete die US-„Vogue“ dem Thema Businessmode ein Video mit dem Titel „Workin’ 9 to 5“. Darin zu sehen: Models, die gut gelaunt durch das New Yorker Büro des Magazins tanzen, im knallgelben Metallic-Hosenanzug oder im Satin-Zweiteiler mit Asiamuster. Das sieht spaßig aus, aber es ist unwahrscheinlich, dass solche Outfits in den Fluren eines Dax-Unternehmens auf Begeisterung stoßen würden.

Natürlich gibt es heute mehr Freiheiten und Akzeptanz gegenüber modischen Spielereien, Vorurteile existieren aber weiterhin. Eine Frau im Flatterkleid muss ihre Kompetenz immer noch stärker unter Beweis stellen als eine im Hosenanzug. Mit dem Unterschied, dass das heute nicht gerne offen ausgesprochen wird. Schließlich lautet das allgemeine Mantra: Sei frei, sei du selbst! Im Spannungsfeld von sicherem Uniform-Look und geforderter Lockerheit befinden sich neuerdings auch Männer. Die Zeiten, in denen sie sich ausschließlich auf Anzug und Krawatte verlassen konnten, scheinen sich dem Ende zuzuneigen. „In bestimmten Branchen schadet man sich eher, wenn man im Anzug auftaucht“, sagt Jochen Förster, Stratege der Marketing-Agentur C3 und ebenfalls Gast der Runde: „Inzwischen versuchen sich viele Männer an einem Agenturlook, der zeigen soll: Schau, wie individuell und kreativ ich bin.“ Unter dem Distinktionszwang stehen Männer wie Frauen gleichermaßen. Geschlechtergleichheit heißt in der Arbeitswelt künftig vielleicht auch, dass jeder mit modischen Unsicherheiten zu kämpfen hat.

Zalon Pop-up-Store bis 9. Dezember, Brunnenstr. 151 in Mitte. Mi–Fr von 16–21 Uhr, Sa von 13–21 Uhr

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