Getrennt. Die Exil-Mexikanerin Araceli besucht im Friendship Park ihre Schwester Emma, die aus den USA abgeschoben wurde (2016). Foto: Maria Teresa Fernandezp

US-Grenze zu Mexiko Die letzten Zaungäste?

Florian Niedermann
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Im Friendship Park können Exil-Mexikaner, die in den USA leben, ihre Familien treffen. Wenn Donald Trump die Mauer baut, geht nicht einmal mehr das.

Das Lächeln der Mutter, eine Berührung der Finger, einige Sätze zur Familie – mehr lassen die engen Maschen des Zauns im Friendship Park zwischen den USA und Mexiko nicht zu. Rund ein Drittel der 3000 Kilometer langen Grenze ist so gesichert. Und nur an dem etwa 15 Meter breiten Stück an der Pazifikküste ist es den Menschen auf beiden Seiten erlaubt, sich am Zaun zu begegnen.

Deshalb pilgern Exilanten hierher, um ihre zurückgelassenen Angehörigen zu treffen. Die meisten stammen aus Mexiko, einige auch aus Mittelamerika. Sie alle verbindet eines: der Wunsch, den Liebsten in die Augen zu sehen, mit ihnen lachen, weinen und sie spüren zu können.

Herzzerreißend: Zwei Schwester treffen nach 25 Jahren ihre Mutter

Die Fotografin Maria Teresa Fernandez fotografiert seit 2005 regelmäßig im Friendship Park. Am bewegendsten seien nicht die Abschiede, sagt sie: „Einmal sah ich zwei Schwestern, die aus Sacramento angereist waren und 25 Jahre nach ihrer Flucht aus Honduras erstmals ihre Mutter trafen. Es war herzzerreißend.“ Nun sieht Fernandez diesen Begegnungsort in Gefahr.

Bis 1971 befand sich hier, zwischen Tijuana und San Diego, ein Trainingsgelände der US-Navy. Unter US-Präsident Richard Nixon wurde es zu einer Erholungszone erklärt und im August jenes Jahres dem Bundesstaat Kalifornien übergeben. Die First Lady Pat Nixon eröffnete den Friendship Park. Damals trennte ein Stacheldraht beide Seiten. Sie hoffe, der Zaun werde nicht lange bleiben, soll Pat Nixon gesagt haben. Es kam anders.

Nicht mehr als ein Finger passt durch

Die Vereinigten Staaten bauten den Stacheldraht im Laufe der Zeit zu einer befestigten Anlage aus. Bis 2008 bestand der Zaun an vielen Orten noch aus Stahlprofilen, zwischen denen Kinder unter Beobachtung der Grenzwächter etwa problemlos hin- und herschlüpfen konnten.

2009 installierten die USA jedoch einen zweiten, engmaschigen Zaun, durch den nicht mehr als ein Finger passt. Angeblich, weil dort Drogen geschmuggelt worden seien. Der Park steht Besuchern auf amerikanischer Seite heute nur noch am Wochenende zwischen 10 und 14 Uhr offen. Wenn Präsident Trump am kommenden Freitag sein Amt antritt, könnte es auch damit vorbei sein, sagt Fernandez: „Falls er an der Grenze wie angekündigt eine Mauer baut, verschwindet wohl auch der Park.“

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