Vertrautes Bild. TV-Meteorologen vom NDR schauen vor dem – hier ausnahmsweise nicht sturmumtosten – Leuchtturm gerne ins Wetter. Foto: Stefan Sauer/picture alliance / ZB
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Urlaub auf Hiddensee Reif für die Insel: Vor der Ruhe gibt es kein Entkommen!

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Wer einmal hier war und nicht komplett versyltet ist, wird immer wieder nach Hiddensee reisen. Was das süße Ländchen zu bieten hat.

Es stürmt bei der Überfahrt, das Schiff schaukelt aber nur leicht. Dafür hat sich der Regen in die Waagerechte gelegt. Auf dem Deck wäre es jetzt wie im Spülgang, oben Wasser, unten Wasser, Wasser links daneben, Wasser rechts daneben, Wasser vorne und hinten. Aber warum auch aufs Deck gehen, zu sehen ist eh nur das Grauen.

An Land der Insel ist es später nicht besser. Der Fußweg zur Unterkunft ist eigentlich ein Sandweg. Jetzt ist er ein Matschweg. Matsch im Mai. Ein Fahrrad ist trotzdem ein Muss. Der örtliche Verleiher im südlichsten Inseldorf hat aber noch geschlossen. Die Fahrradverleiher im mittleren und größten Inseldorf sind etwa fünf Kilometer entfernt. Also Fußmarsch durch den Spülgang und mit der überraschenden Entdeckung, hey, ich kann ja über Wasser laufen. Und sogar gegen den Strich, weil auch hier der Regen waagerecht kommt, und zwar von vorne mitten hinein ins Gesicht, in dem die Brillengläser zu Bullaugen mutiert sind. Zu sehen ist eh nur das Grauen.

Immerhin schlägt das Wetter für die Rückfahrt mit den Rädern um. Der Wind hat gedreht und bläst den Regen jetzt nicht mehr von Norden nach Süden mitten hinein ins Gesicht, sondern von Süden nach Norden, also ebenfalls mitten hinein ins Gesicht.

Hiddensee? Geh mir weg mit Hiddensee.

Wer braucht auf Hiddensee schon Wetter?

Am Tag nach dem Spülgang hat der Wind auf Trockner gestellt, gute Arbeit geleistet und die Wolken weggeblasen. Dahinter hatte sich blauer Himmel versteckt. Im Hafen von Kloster dümpeln ein paar Segel- und ein paar Fischerboote auf dem Wasser, das silbrig glitzert. Der Effekt kommt von der Sonne. So früh im Jahr sind noch nicht sehr viele Menschen unterwegs auf einem „der lieblichsten Eilande, nur stille, stille, dass es nicht etwa ein Weltbad werde“. Das hat sich Gerhard Hauptmann verordnet, sich aber selber nicht an die Geheimhaltung gehalten, sondern seine Schwärmerei von seinem Sommerhaus in Kloster aus in die Welt hinausposaunt. Die Folge: Im Sommer gesellen sich zu den etwa 1000 Insulanern täglich 9000 Gäste. Auch ich komme immer wieder. Seit Jahren.

Söte Länneken. Süßes Ländchen, so nennen Inselbewohner ihre Heimat. Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa
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Warum? Darum: Wenn man nach dem Regenbad des Vortages und dem Sonnenbad in Kloster durch den Kiefernwald die Hügel des Dornbuschs zum Leuchtturm hochläuft – das ist der, vor dem Jörg Kachelmann einst sturmumtost das Wetter prophezeit hat – und dessen Außenplattform gesperrt ist, weil ab Windstärke sechs die Plattform schnell zur Abflugrampe werden kann, und der Himmel blau lacht, und die Ostsee und der Bodden zwischen Rügen und Hiddensee grün leuchten, und der Wald rauscht, und die Möwen kreischen, dann ahnt man, warum: Wer braucht auf Hiddensee schon Wetter?

Vor der Ruhe gibt es kein Entkommen

Hiddensee? Immer wieder Hiddensee! Wer einmal hier war und nicht zur Gänze versyltet oder verjuistet ist, wird immer wieder kommen. „Söte Länneken“ sagen laut Touristenbroschüre die Insulaner über ihre Insel, süßes Ländchen. Süß? In der Bedeutung von zart, lieblich?

Man geht zum Beispiel vom Gellen aus, dem südlichsten Inselzipfel, hoch zum Enddorn im Norden – das kann man machen, das ist eine längere Wanderung über etwa 18 Kilometer, besser wohl, man steigt aufs Rad – man misst also Hiddensee einmal der Länge nach durch und läuft durch Wald und am Strand und durch Heide und durch Salzwiesen und durch das wunderschöne denkmalgeschützte Neuendorf mit seinen frei stehenden Häuschen mitten auf der Wiese und durch das ebenso schöne Kloster am Hang mit reetgedeckten Häuschen und durch Grieben am Ende der Welt und an Pferden, Schafen und Kühen vorbei und – man durchquert die Ruhe.

„Stille, stille, dass es nicht etwa ein Weltbad werde.“ So ruhig ist es, dass auch das Möwengekreische und der Wind zur Ruhe zu zählen sind, weil man ruhig wird auf dieser autofreien Insel, so angenehm ruhig, so entschleunigt, hier muss der Modezustand des hektischen Städters erfunden worden sein. Aber süß, zart, lieblich, niedlich? Hier ist nichts niedlich. Hiddensee ist einfach nur perfekt unvollkommen. Vor der Ruhe gibt es kein Entkommen, selbst wer es mag, im Sand zu liegen, wird am 13 Kilometer langen Strand seinen Flecken finden. Und das Wasser der Ostsee ist in diesen Tagen etwa 14 Grad kalt, hat also die perfekte Temperatur, um lärmende Badegäste fernzuhalten.

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