Neuer Lesestoff. Auch Kinder lieben Geschichten. Foto: imago/Thomas Eisenhuthp
Tag der Buchliebhaber Warum wir süchtig nach Literatur sind
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Ob die Lektüre auf die Sprache abfärbt?

Endlich Zeit zum Schmökern! Illustration: Valery Kachaev/studiostoks-fotoliap

LEBENSHILFE & BELLETRISTIK

Claudia Esch-Kenkel, Theaterfotografin, 66

In den letzten fünf Jahren habe ich das Lesen für mich entdeckt. Dicke Bücher, dünne Bücher, querbeet, am liebsten schöne, gebundene. Das hat auch was mit dem Alter zu tun – die Bücher sind so eine Art Trostpflaster. Ich kann ja den ganzen Tag in Prenzlauer Berg unterwegs sein, ohne Leuten zu begegnen, die so alt sind wie ich. Und wenn, dann ist es die Oma aus Süddeutschland, die zu Besuch ist. Deswegen habe ich das Buch „Stilvoll älter werden“ von Susanne Mayer mit so großem Genuss verschlungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ältere Autoren, vor allem Autorinnen, mir mehr liegen, auch wegen der Sprache. So wie beim „Scheik von Aachen“ von Brigitte Kronauer, für den Leipziger Buchpreis nominiert. Müssen Sie unbedingt lesen, grandios! Eine tolle Sprache, so präzise, und die Dialoge, das ist was ganz Besonderes. Die ist ja noch älter als ich. Warum hab ich mein Leben lang nicht so viel gelesen! Einfach, weil ich keine Zeit hatte. Früher war ich viel mehr unterwegs zum Fotografieren, dann der Haushalt, das Kind … Ob die Lektüre auf meine Sprache abfärbt? Meine Enkeltochter hat mal gesagt, du sprichst so komisch. Ich glaube, ich rede normal.

FANTASY

Carsten König, Aussteiger 48

Meine Mutter hat immer gesagt: Traue nie einem Menschen, der kein Buch liest. Das habe ich mir zu Herzen genommen. In den letzten vier Jahren habe ich weit über 300 Bücher gelesen. Hauptsächlich Fantasyromane, aber auch mythologisches mit historischem Hintergrund. Jetzt studiere ich gerade Runen, die Magie, die da dahintersteckt.

Bei Büchern ist alles nicht so vorgegeben, die Details kann man sich selber in seiner Vorstellung zurechtzimmern – Kopfkino. Mein Lieblingsbuch ist „Herr der Ringe“, das hab’ ich bestimmt schon 15 Mal gelesen. Da ist unglaublich viel drin von dieser nordischen Mythologie.

Ich bin in Schwaben aufgewachsen und nach Berlin gekommen, um unsere Hauptstadt kennenzulernen und ohne Geld zu leben. Seit vier Jahren wohne ich jetzt auf der Straße und gehe ganz andere Wege. Ich schreibe auch Gedichte. Die verschenke ich an Leute, die mir immer mal wieder Geld geben, einfach so, oder den Buchhändlern hier am Savignyplatz, die bringen mir jeden Tag einen Kaffee und sind richtig freundlich zu mir.

Die meisten Bücher kriege ich geschenkt. Hier ist sowieso eine Bücherecke, und eine Schule, und die sind alle richtig froh, dass hier einer sitzt und liest und nicht Wodka säuft oder so.

SERIEN

Mathilde, Schülerin, 9

Am liebsten lese ich da, wo es ein bisschen weicher ist, auf dem Sofa oder Bett. Abends darf ich bis um acht. Aber wenn „Harry Potter“ ganz spannend ist, darf ich auch weitermachen, bis es wieder gut ist, sonst könnte ich nicht einschlafen. Den fünften Band soll ich erst lesen, wenn ich zehn bin, sagt Mama, im fünften wird’s ein bisschen härter. Deswegen mach ich jetzt ’ne Pause , mit „Liliane Susewind“. Langeweile hab ich eigentlich nie. Ich hab gerne dicke Bücher, Serien, weil ich möchte, dass die Geschichte weitergeht. „Harry Potter“, „Das magische Baumhaus“, „Die Schule der magischen Tiere“ … Ich mag es, wenn eine Person nicht alles allein schafft, sondern Unterstützung von anderen braucht. Wenn Leute einander helfen. Was ich gut finde: dass man in einer anderen Welt ist und nicht hier. In Büchern bin ich lieber woanders.

Stellen, die ich lustig finde, merk’ ich mir, die sag ich auch vor mich hin. Dann muss ich drüber lachen und keiner weiß, warum. Als Erstes lese ich oft den letzten Satz. So weiß ich, dass Harry nicht stirbt, und bin beruhigt. Ich mag’s nicht, wenn es kein Happy End gibt.

Mitarbeit: Marcel Kunzmann

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