Im grünen Bereich. Steht das Zelt erstmal schief, stellt sich rasch die Frage: Und wer rollt nachts in welche Richtung? Foto: 3DogCampingp

Selbstversuch Die Vorteile von Camping ohne die Nachteile

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Ein Zeltanhänger verspricht Camping ohne Aufbaukrampf. Wie es sich mit einem modernen Klappfix reist - eine Testfahrt.

Die Idee von Camping ist natürlich hochsympathisch. Der Stadt entfliehen, Mauern gegen Planen tauschen. Abends mit Paraffinlampe vor dem Zelt sitzen, morgens von der aufgehenden Sonne, Rauschen und Gezwitscher geweckt werden. Vom Steg in den See.

Wenn doch nur dieses Luftmatratzengepumpe und Insektenvertreiben nicht wäre. Das Aufstehen mit steifem Rücken, das Krauchen, das ewige Suchen, das vergebliche Festzurren und mühsame Wiederaufrichten.

Es müsste die Vorteile von Camping ohne die Nachteile geben. Warum also nicht einen „TrailDog“ leihen, und wer schon mal in der DDR gecampt hat, den wird diese Konstruktion an einen Klappfix, später Camptourist, erinnern – bis 1989 produziert vom VEB Fahrzeugwerk Olbernhau.

Ein Caravan, darauf das gefaltete Zelt. Ruckzuck aufgefächert soll ein Wohnraum daraus werden. Die Matratze kommt, schön erhöht, auf den Anhänger. Doch wo „schneller und einfacher Auf- und Abbau“ drauf steht, ist Skepsis angebracht. Ein bisschen handwerkliche Erfahrung braucht es schon. Und unter 1,65 Meter sollte man nicht sein, will man den „TrailDog“ aus einer Hamburger Werkstatt alleine zum Stehen bringen: Die Armverlängerung wird nicht serienmäßig mitgeliefert. Es war einmal von Vorteil, beim Zelten klein zu sein.

Beim Blick in den Rückspiegel jedes Mal ein Schreck

Detlef Faust, Chef des Campingverleihs und -ausstatters Carbotec, guckt leicht besorgt und belustigt zugleich. Auf dem Parkplatz seines Firmengeländes in Königs Wusterhausen erklärt er den „TrailDog“ Schritt für Schritt. Kompletter Aufbau mit Ausfahren der Mini-Küchenzeile, kompletter Abbau und schließlich Ankuppeln.

„Wo geht’s denn hin?“

„Auf die grüne Wiese, nach Flecken Zechlin.“

„Na dann, viel Glück.“

Mit guten Wünschen fürs Wetter und dem Hinweis, bitte nicht schneller als die erlaubten 80 km/h zu fahren, entlässt Faust seinen top gepflegten Leihanhänger ins Wochenende.

Schnell über die Autobahn nach Berlin, die Familie einsammeln. Beim Blick in den Rückspiegel jedes Mal ein Schreck: Welcher Idiot fährt so dicht auf? Es ist nur der Anhänger. Das Gespann ist mit Kombi etwa 8,50  Meter Meter lang. Es in der Berliner Parkraumbewirtschaftungszone 29 so abzustellen, dass man vorwärts aus der Lücke kann, unmöglich.

Auf einmal ist viel zu viel Stoff übrig, der Ton wird rauer

Auf der grünen Wiese wird’s ernst. Wie war das noch gleich? Klar, Schutzplane lösen, Zeltplanen behutsam auseinanderfalten. Stellt man sich das Konstrukt als Ziffernblatt vor, zieht man es im Uhrzeigersinn von viertel vor bis halb. Okay, das war einfach. Jetzt zum Gestänge. Damit alles stabil wird, gehören in die äußeren Ecken des Zeltes ausfahrbare Metallstangen. Erfolg! Doch nicht.

Auf einmal ist viel zu viel Stoff übrig, der aufgespannt werden will. Ein Blick in die sehr gute Gebrauchsanweisung. Korrekturen werden ausgeführt, ein Gummistutzen, der die Zeltstange umschließen soll, wo sie auf dem Stoffboden steht, ist weg. Der Ton wird schärfer. Jetzt die Heringe mit dem mitgelieferten Gummihammer ins Gras kloppen. Autsch, das war die Hand. Wie schrieb Kollege und Camping-Guru Andreas Austilat, seit Jahrzehnten glücklich verheiratet, so treffend: „Hotel kann jeder.“

Zelt auf Rädern. 3Dog Traildog ist der trendige Nachfolger der DDR-Klappfixe. Foto: 3DogCampingp

Das Zelt ist noch schlaff, die Kurzurlauber hantieren dafür äußerst angespannt mit Reißverschlüssen und Moskitonetzen. Während die Erwachsenen mit Neigungsanalysen beschäftigt sind (Wer wird nachts in welche Richtung rollen?), haben die Kinder die kurze Leiter zum Bett entdeckt und testen die Hüpfqualität des Kaltschaums. Ja richtig, Kaltschaum. Adieu, Isomatte, adieu, Luftmatratze. Der „TrailDog“ verfügt über eine 1,80 Meter breite und zwei Meter lange Luxusmatratze, die auf einer speziellen Federung aus Plastikbierdeckeln liegt.

Bemerkenswert ist das Raumklima im modernen Klappfix

Als der letzte Hering im Boden steckt und das Sonnensegel an seinem Platz ist, zerren wir die Campingstühle aus dem Bauch des Anhängers. Endlich.

Von außen betrachtet ist der erste Eindruck: Irgendetwas ist immer noch falsch, aber wir lassen das jetzt so. Zweiter Eindruck: Das Ding ist gigantisch. Im Zelt könnte man ohne Weiteres ein Doppelstockbett errichten. Wäre das Wetter schlecht – da sei der Camping-Gott vor –, könnten wir es uns zu viert drinnen gemütlich machen und dem Pladdern des Regens zuhören, ohne ihn spüren zu müssen. Der Stoff wirkt wasserabweisend, alle Verschlüsse scheinen dicht, die Details der Panoramafenster gut durchdacht (Klettverschlüsse!). Eine kleine Tasche für Schlüssel und Handy dient am Kopfende des Schlafbereichs als Nachtschränkchen.

Bemerkenswert ist das Raumklima im modernen Klappfix. Ist die Sonne weg, wird es in dieser Maiennacht sofort kalt. Wir schlafen in Jogginganzügen unter unseren gewohnten Federdecken, zu viert auf dem Kaltschaum, weil niemand freiwillig auf der mitgebrachten Matratze auf dem Boden liegen will. Muss einer nachts das Zelt verlassen, erklingt die Symphonie der Reißverschlüsse. Wir diskutieren flüsternd, was besser ist: langsam und quälend ziehen – oder schnell und dafür fortissimo?

Geht die Sonne um 4.50 Uhr über dem Großen Zechliner See auf, wird es dafür innerhalb von Minuten heiß. Ein paar Überlebende der Bollerwagen-Party kreischen in der Ferne, oder war es etwa ein Steinadler? Noch 130 Minuten, bis die Bäckerei am Marktplatz öffnet.

Nach einem Outdoor-Tag stopfen wir das Zelt nach den Gesetzen von Detlef Faust überraschend zügig zusammen und drücken die Luft heraus. Zurück bleibt nur ein Gummistutzen.

Leihen und Kaufen

Carbotec, Karl-Liebknecht-Str. 177, 15711 Königs Wusterhausen. Mietpreis des „TrailDog“ 23 Euro am Tag plus Servicepauschale in Höhe von 130 Euro. Infos unter 03375- 21780.

Auf 3dogcamping.eu/de kann man den Zeltanhänger-Konfigurator ausprobieren und seine Traumversion zusammenstellen.

Die Kosten für eine Basisversion betragen um die 9000 Euro.

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