Foto: Frank Rothep

Porträts vom ErwachsenwerdenBilder einer Kindheit

von Esther Kogelboom0 Kommentare

Über zwölf Jahre hinweg porträtierte Frank Rothe kleine Berliner – und war plötzlich mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert.

„Wie von einem anderen Stern.“ Als der Fotograf Frank Rothe 2002 durch seine Nahlinse in die Gesichter der Neugeborenen schaute, war er fasziniert. „Die wirkten, als seien sie noch gar nicht richtig in dieser Welt angekommen.“

Inzwischen sind die Kinder seiner Langzeitbeobachtung zwölf Jahre alt, das zweite Mal hat Rothe sie mit sechs Monaten besucht, dann wurden die Abstände langsam größer. Er fotografierte Kleinkinder, Kita-Kinder, Grundschüler. Es entstanden Tonspuren mit dem Schnaufen von Babys, später kamen kleine Interviews dazu.

Ursprünglich hatte der Fotokünstler vor, den letzten Tag im Leben eines Menschen zu dokumentieren, doch dieses Vorhaben war zu schwer planbar. Schließlich entschied er sich um und nahm Kontakt zu Hebammen auf. Die Mütter „seiner“ Kinder besuchte er schon während der Schwangerschaft.

Frank Rothe gelangen wahrhaftige Porträts ohne Pose. Der Betrachter meint, auf der Zeitachse einen Einblick in die Persönlichkeit des Kindes zu bekommen: Da ist der Schüchterne, der Entschlossene, die Neckische, die Selbstbewusste … und irgendwie, glaubt man, war diese Eigenschaft schon immer da.

Manche Kinder, sagt er, müssten zu jedem Shooting von Neuem ihre Scheu ablegen – obwohl sie durch Handyfotografie an häufiges Fotografiertwerden gewöhnt seien.

Nun stehen die Berliner Kinder kurz vor einem besonders spannenden Lebensabschnitt: der Pubertät. Bis jetzt ist niemand abgesprungen, keiner ist nach Australien umgezogen.

Rothe sagt, er habe sich durch dieses Projekt auch mit seiner eigenen Sterblichkeit beschäftigt. Er musste sich erst mit dem Gedanken anfreunden, dass ein Jüngerer eines Tages sein Projekt zu Ende bringt: „Ich bin total froh, dass ich nicht in die Lage komme, das letzte Bild zu machen.“