Ist Yoga ein Frauending? Manche Männer finden es befremdlich, sich von einer Frau Ansagen geben zu lassen. Foto: imago
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Patricia Thielemann macht sich locker Die Stellung des Mannes

Patricia Thielemann
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Es gibt viele Haltungen, bei denen Männer trumpfen könnten. Unsere Autorin bringt sie über Konfrontation zur Entspannung.

Ein Hinweis für Männer: In meinen Unterricht kommen die schönsten Frauen der Stadt und umgarnen die fünf Typen, die sich auch dorthin trauen. Reflektierte, coole, moderne Helden, die gelernt haben, damit umzugehen, wenn Frauen eine eigene Meinung haben und nicht nur ihre Hemden bügeln wollen. Die erkannt haben, dass sie ihre Männlichkeit nicht in einer Yogastunde verlieren werden.

Viele konservative Männer finden es befremdlich, sich auf allen Vieren stehend von einer Frau Ansagen geben zu lassen. Oder sie denken, dass bei unseren Sessions Frauen in ihr menstruierendes Becken atmen und dazu stricken. Sie haben die Vorstellung, dort würde man hechelnd die Beine hinterm Kopf zusammenfalten. Und das sei ja höchstens sinnvoll für Frauen, um gefügig zu werden.

Viele Männer verlieren ihr Rückgrat

Dabei gibt es so viele Haltungen, bei denen Männer trumpfen könnten. Immer da, wo Muskelkraft gefragt ist, beim Pfau oder Handstand, bei Seitenliegestützen hat man es als Frau viel schwerer.

Der große Unterschied für mich zwischen den Geschlechtern: Frauen helfen sich selbst, wenn sie merken, dass etwas in ihrem Leben kippt oder sie einfach nur älter werden. Männer geraten zu Opfern ihrer Umstände. Frauen sorgen für ihr Wohlbefinden vor, Männer verkümmern. Maximal begeben sie sich noch in die Hände eines Arztes, aber sich selbst führen? Niemals!

Dieses Schneller-Höher-Weiter der Managertypen endet über die Jahre in Verhärtungen. Viele Männer gehen über ihre Grenzen hinweg, achten nicht auf sich, joggen wie verrückt, fahren Rad wie bekloppt, bewegen sich einseitig, bekommen davon verkürzte Muskeln an Beinen und Hüften, verpanzern im Nacken-Schulter-Bereich, der Illiopsoas und die Hamstrings schlagen Alarm, davon ziehen sie ein Bein nach. Diese Männer verlieren im wahrsten Sinne des Wortes ihr Rückgrat. Die Organe verkrampfen mit, sie werden Iberogast-abhängig oder erliegen einem Herzinfarkt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem der ganze Druck raus muss. Sie ticken aus oder saufen sich zu, fressen sich voll oder springen irgendetwas an.

Yoga ist gut für die Potenz

Wenn Männer meinen Unterricht besuchen, bringe ich sie über Konfrontation zur Entspannung. Alles andere wäre ein Cold Turkey. Ich werde dann zur Kampfschwester Patricia, lasse sie gnadenlos im oberen Liegestütz stehen und erzähle ihnen dabei was über die Yogaphilosophie. Da braucht es nicht lange und sie merken, wie anstrengend es ist. Trotzdem halten sie oft blind gegen. Ein Fehler. Und eine gute Metapher für alle möglichen Lebenssituationen.

Wenn ich neue Männer in der Gruppe habe, sind die oft so ehrgeizig, dass es halsbrecherisch wäre, sie gewähren zu lassen. Ich empfehle dann der gesamten Gruppe – um sie nicht zu demütigen – die erholsame Stellung des Kindes.

Eigens für die neuen Männer ziehe ich analytische Argumente ran (bloß keinen esoterischen Schmu), die ich eigentlich überschätzt, ja, sogar kontraproduktiv finde. Nur so erreiche ich sie. Ich erkläre ihnen, dass Yoga einen leistungsfähiger macht, wie die Hirnforschung herausgefunden hat. Dass es ihnen einen drahtigen Raubtierkörper bescheren wird. Und, dass es gut ist für die Potenz.

Ein Hinweis allerdings auch für Frauen: Wenn Sie es schaffen, Ihren Mann zu überreden, zischen Sie ihn nicht von der anderen Seite des Raumes an, sollte er sich nicht so gut dehnen können wie Sie. Sondern applaudieren Sie ihm großzügig.

Patricia Thielemann ist Chefin von spirityoga.de und vertritt Katja Demirci.

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