Romantischer geht's nicht: Rudern im Central Park. Foto: imago/Westend61p

New-York-Tipps Der Big Apple abseits der Trampelpfade

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Ein Geheimtipp ist diese Stadt sicher nicht: 58 Millionen Touristen im Jahr! Wo soll man da hin? Zehn persönliche Empfehlungen.

Ich war einmal New Yorkerin. Nur für ein Jahr, Mitte der 80er, als es der Stadt gar nicht gut ging, als sie arm war – und bezahlbar –, lebensgefährlich – und aufregend, rau, aber individuell. Damals gab’s noch keine Ketten-Kultur, kein Starbucks & Co. Dafür waren viele Ecken No-go-Area. Ich weiß nicht, wie oft ich seitdem zurückgekehrt bin. 20, 25 Mal? Überwältigt bin ich jedes Mal. Nicht allein von den Wolkenkratzern, sondern von Orten wie diesen.

Das Jane Hotel

Als wär’ man direkt in einen Film gestiegen. Das Gefühl hat man in Manhattan ja eh die ganze Zeit. Aber selten so konkret wie hier. Ans „Grand Budapest Hotel“ erinnert das Jane, von den Pagen in ihrer roten Uniform bis zum Kalender an der historischen Rezeption, auf dem immer Mittwoch, der 35. April ist. 1908 wurde der Bau als Seemannsheim eröffnet, hier wurden die Überlebenden der Titanic untergebracht, 2008 wurde es aufs Prächtigste restauriert, mit holzgetäfelten Kajüten. Das Jane schafft den Spagat, plüschig, ironisch und modern zugleich zu sein, schmal auf den Zimmern, großzügig in Foyer und Bar. Die Lage, nahe der High Line, ist so sensationell wie der Preis.

The Jane Hotel: 113 Jane St. Einzelkabinen

(mit Gemeinschaftsbad) ab 99 Dollar.

www.thejanenyc.com

Eine Einzelkabine in dem früheren Seemannsheim und heutigen Hotel The Jane. Foto: The Janep

Das Frühstück

Wer glaubt, wegen eines Bagels müsse er nicht mehr über den Atlantik fliegen, wo man das jüdische Kringelbrötchen doch schon beim Bäcker in Schöneberg kriegt, hat noch nicht bei Barney Greengrass gegessen. Den Laden auf der Upper West Side gibt’s seit mehr als 100 Jahren, seit mindestens 50 wurde er nicht mehr renoviert. Zum Frühstück kriegt man Bagel mit Sesam, Mohn oder allem drauf, dazu Rührei, cream cheese und Lachs. Besonders berühmt ist Barney Greengrass für seinen Stör, daher auch der Titel „The Sturgeon King“. Zu den Stammkunden zähl(t)en Alfred Hitchcock, Groucho Marx, Woody Allen und ich. Man sitzt dicht gedrängt, eine gewisse Ruppigkeit gehört zum Charme. Viel intimer und günstiger als der touristisch überschwemmte „Katz ’s Delicatessen“ auf der Lower East Side.

Barney Greengrass: 541 Amsterdam Ave/86. St, Di-Fr 8.30-16 Uhr, Sa/So 8.30-17 Uhr.

www.barneygreengrass.com

Das Jazz-Konzert

Es gibt keinen schöneren Ort für einen Sonntagnachmittag als das Wohnzimmer von Marjorie Eliot. Das heißt, wenn Sie früh genug da sind und dort einen Klappstuhl ergattern. Sonst müssen Sie sich in den Flur oder die Küche quetschen. Seit einem Vierteljahrhundert veranstaltet die alte Dame in ihrem kleinen Appartment in Harlem Jazzkonzerte mit befreundeten Musikern – ihre Art, die Trauer um den früh verstorbenen Sohn zu bekämpfen. Die Gastgeberin sitzt selbst am Klavier, während der Session wird Orangensaft in Pappbechern gereicht, anschließend gibt’s Müsliriegel. Alles ohne Eintritt, jeder wirft, was er möchte, in einen großen Eimer.

Marjorie Eliot’s Jazz Parlor: 555 Edgecombe Avenue,

Tel. 001-212-781-6595.

In der Regel 15.30 Uhr

(vorher anrufen)

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