Moritz Rinke. Foto: Mike Wolffp

Moritz Rinke über Zukunfts-Technologien Wird es tatsächliche selbstfahrende Autos geben?

Moritz Rinke
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Ich hatte immer gedacht, das sei eine Spielerei, eine fixe Idee, doch offenbar plant das Bundesverkehrsministerium tatsächlich ein selbstfahrendes Auto. Mit Kameras, Radarantennen und Laserscannern. Ein Auto, das zum neuen Lebensmittelpunkt werden soll

Vor einigen Tagen war ich mit Serkan, einem Freund, in einer türkischen Fahrschule. Türkische Fahrschulen gibt es viele in Berlin, denn eine türkische Fahrerlaubnis gilt nicht in Deutschland, die muss auf die EU umgeschrieben werden, das heißt, alle Türken haben hier die praktische und theoretische Prüfung nochmal zu machen. „Was sich anfühlt, wie nach 20 Jahren das Mathe-Abitur zu wiederholen“, sagte Serkan, „der reinste Horror“.

„Wenn die Visafreiheit kommt, kommt dann vielleicht auch die Führerscheinfreiheit?“, fragte er, weil er seinen Sommer nicht mit Verkehrsschildern verbringen wollte.

„Wenn der türkische Präsident nicht das Antiterrorgesetz abschafft, kommt vielleicht überhaupt keine Visafreiheit, sagt Merkel!“, erklärte Can, der Fahrlehrer. – „Auf die Abschaffung des Antiterrorgesetzes kannst du lange warten“, sagte Osman, sein Kollege. „Dann kommt eher das selbstfahrende Auto, da können wir schließen. Ich hasse den türkischen Präsidenten, aber noch mehr hasse ich das selbstfahrende Auto!“ –„Wenn das selbstfahrende Auto auf Kreuzberger Fahrradfahrer trifft, bricht das Chaos aus, das kann ich prophezeien“, sagte Serkan.

Haben wir denn unsere jetzige Technologie verstanden?

Ich hatte immer gedacht, das sei eine Spielerei, eine fixe Idee, doch offenbar plant das Bundesverkehrsministerium tatsächlich ein selbstfahrendes Auto. Mit Kameras, Radarantennen und Laserscannern. Ein Auto, das zum neuen Lebensmittelpunkt werden soll, laut Bundesverkehrsministerium. Angeblich ab 2020! Für so ein Auto braucht es aber ein verbessertes Mobilfunksystem, denn unsere jetzigen Systeme arbeiten mit Verzögerungen von 80 Millisekunden, die Übertragung vom Datenserver zum Auto soll aber bald nur noch eine Millisekunde dauern dank der neuen „5G-Standard-Technologie“.

„Mit der 5G-Schlüsseltechnologie sind wir auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft“, so Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Was auch immer diese „5G-Schlüsseltechnologie“ ist. Haben wir denn überhaupt schon unsere jetzige Technologie verstanden? Kürzlich habe ich meine Wohnung wegen eines nahen Handymasts von einem Ingenieursbüro für Baubiologie und Umweltanalytik untersuchen lassen. Alles in Ordnung, sagte die Baubiologin, nur die LTE-Strahlung sei hoch wegen des Masts.

Zu der Untersuchung bekam ich unzählige unterschiedliche Bewertungen der Richtwerte zu biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen von radiofrequenten elektromagnetischen Feldern und der Polarisation der Wellen. „Die Bedeutung der Polarisation bezüglich der biologischen Wirkungen wird erheblich unterschätzt“, sagte die Baubiologin, die Hintergrundstrahlung in den Jahren ab 1985 bis 2005 habe um das 5000-Fache zugenommen.

Alle drei Meter werden 5G-Funkmasten stehen

Mein Mathe-Abitur liegt zwar 20 Jahre zurück, aber wenn ich mir ausrechne, dass wir die Übertragungsgeschwindigkeit von 80 auf 1 Millisekunde steigern, dann wird unsere Hintergrundstrahlung bis 2020 wahrscheinlich um das 500 000-Fache zunehmen.

Man muss sich einmal ausmalen, was das für die Zukunft bedeutet. Alle drei Meter werden 5G-Funkmasten stehen, damit die selbstfahrenden Autos bei einer Vollbremsung keinen Massenunfall verursachen. Künftige Generationen werden keine Verkehrszeichen mehr kennen, sondern in selbstfahrenden Autos twittern, Filme streamen, Liebe im Zeitalter des Gigabits machen, Alexander Dobrindts gedenken und ihr Leben in die Macht der 5G-Technologie legen.

In Kreuzberg gibt es keine Fahrschulen und vielleicht keine Fahrradfahrer mehr, es sei denn, sie hätten sich vorher mit 5G ausgestattet. Und statt Autonomen werden wir autonome Autos haben.

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