Marcus Engman wollte eigentlich Fotograf werden. Foto: Inter IKEA Systems B.V.
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Interview mit dem Ikea-Designchef „Wir wollen nicht den Massenkonsum fördern“

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Als Chef von Ikeas Designabteilung entwirft Marcus Engman jede neue Sofalandschaft und jeden neuen Waschlappen. Über seinen größten Flop und die Zukunft des Wohnens.

Herr Engman, wie lange brauchen Sie, um ein Billy-Regal aufzubauen?

Oh, das habe ich vor Jahren zuletzt getan. Als ich mit 16 angefangen habe, am Wochenende bei Ikea zu arbeiten, musste ich alles zusammenbauen, was ausgestellt werden sollte. Das Erste, was man tut – und hey, bitte nicht nachmachen –, wenn man jung und großspurig ist: Man reißt die Pakete auf, schmeißt die Gebrauchsanweisung weg und setzt das Ding frei Schnauze zusammen. Ich war dermaßen schnell! 15 Minuten maximal.

Inzwischen leiten Sie dort die Designabteilung und entwerfen selbst mit, was sich leicht aufstellen lässt.

Wir haben eine Holzsteckverbindung entwickelt, man klickt die Teile einfach ineinander, total hightech. Das kommt aus der Medizintechnik, man wendet es eigentlich an, um zersplitterte Knochen zusammenzusetzen. Wir haben das Patent gekauft und es auf Möbel angewendet. Unsere „Eket“-Regale funktionieren so.

Sie sind in der Ikea-Heimat Älmhult aufgewachsen: Ihr Vater war Entwicklungschef, hat das Sofa „Klippan“ entworfen, Ihre Mutter war Produktentwicklerin. Hatten Sie je eine Chance, woanders zu landen?

Ich war mir sicher: Niemals würde ich bei Ikea enden. Natürlich willst du nicht das Gleiche tun wie deine Eltern. Erst wollte ich Fotograf werden. Ich liebe Musik und habe ein paar Albumcover für Bands gestaltet. Dann habe ich den Wochenendjob angenommen, und – was soll ich sagen – ich mochte es. Viele fangen jung an, wachsen in die Firma hinein, sie wird zur Familie. Das mag ich immer noch.

Ihre Frau und Ihre erwachsenen Kinder sind auch im Möbelhaus angestellt.

Wir sind eine irre Familie. Auch meine jüngere Schwester arbeitet bei Ikea, sie stellt Kommunikationsbroschüren in Malmö her.

Welche Rolle hat Design bei Ihnen gespielt?

Es war einfach da, es war natürlich. Schon als Baby war ich von modernen Objekten umgeben. Nur wenn wir umgezogen sind, das sind wir ständig, und ich neue Freunde mitbrachte, wurde mir klar, dass wir anders sind. Die fanden, dass es bei uns wie in einem Raumschiff aussah. Viele Plastikstühle, das war damals unüblich. Zum Beispiel Beleuchtungseinheiten von Ingo Maurer, sehr modern. Und ein paar riesige Tische, die niemand sonst hatte.

Können Sie sich erinnern, wann Sie das erste Mal etwas „schön“ fanden?

Ja, Stoff vom Meter, es war zu dieser Zeit total hip, sich eine Stoffbahn anstatt eines Gemäldes an die Wand zu hängen. Ich war etwa sechs, mein Vater war in Stockholm bei der größten schwedischen Designfirma angestellt. Der Künstler Carl Johan De Geer hat für ihn ein Muster mit Palmen und Eulen entworfen, das fand ich wahnsinnig schön. Lustigerweise arbeiten wir heute bei Ikea auch mit genau diesem Typen zusammen und, siehe da – er kam mit dem Muster aus meiner Kindheit an.

Viele sind mit Ikea-Möbeln im Kinderzimmer aufgewachsen, wie sah Ihres aus?

Natürlich standen eine Menge Prototypen drin. Ich hatte ein verrücktes Bett, das wurde nie produziert. Weiß-gelbe diagonale Streifen an Kopf- und Fußteil, dazwischen lag ich. Dazu hatte ich eine Tapete mit gelb-blauen Tauben drauf. Sehr 70er!

Ikea-Farben! Und überall standen „Klippans“ rum?

Damals schloss man die Tür zum Wohnzimmer noch unter der Woche, es war ein förmlicher Raum für sonntags oder für Gäste. Mein Vater und der japanische Designer Noboru Nakamura wollten ein zusammenpackbares Sofa für Familien mit Kindern kreieren, einen Alltagsgegenstand. Meine Schwester und ich waren Versuchskaninchen, ich habe mehrere Generationen von „Klippans“ ausprobiert. Wir machen das immer noch, Home-testing bei unseren Angestellten.

Da ist bestimmt mal unpraktikabler Quatsch dabei!

Aber ja. Wir denken oft, etwas wäre superclever, und stellen dann fest, dass es fürs echte Leben nichts taugt. Erinnern Sie sich an Ikea Air, die aufblasbaren Sofas?

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